dbna’ler des Monats: Alexander (24) aus Frankfurt

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
© Alexander/privat

Der Mediengestalter war fünf Jahre lang vergeben und sogar verlobt. Er erzählt, was ihm nach der Trennung am meisten geholfen hat, und was er jetzt alles nachholt.

Alex, du warst fünf Jahre in einer Beziehung. Wie habt ihr euch damals kennengelernt?

Auf dbna! Er war erst zwei Tage angemeldet und hat mir einen Stamp gegeben. Dann habe ich ihm einen zurückgeschickt, dann hat er mir noch einen zurückgeschickt, und ich habe ihn angeschrieben. Wir haben schnell gemerkt, dass wir uns beide echt interessant finden. Nach drei Wochen haben wir uns getroffen, er ist aus Frankfurt zu mir nach Gießen gekommen. Es war ein richtig schönes Date. Ich habe ihm die Stadt gezeigt, wir waren was trinken, sind spazieren gegangen. Im Stadtpark haben wir uns dann geküsst. Dann sind wir in meine Heimatstadt Wetzlar gefahren. Schon im Auto habe ich einer Freundin geschrieben, dass er es ist – ich war so verschossen!

Er kam also beim ersten Date schon zu dir nach Hause?

Ja, er hat bei mir übernachtet, aber es ist alles jugendfrei gewesen (lacht). Ein paar Wochen später sind wir dann zusammengekommen. Er war noch nicht geoutet. Anfangs dachte ich, dass das merkwürdig werden könnte. Er hat sich dann für mich bei seinen Eltern geoutet. Sein Vater ist sehr traditionsbewusst, seine Mutter kann mit Veränderungen nicht gut umgehen. Es hat gedauert, aber später wurde ich richtig in die Familie integriert, war auch sonntags zum großen Familienessen eingeladen. Jetzt vermisse ich sie fast ein bisschen.

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Nur einen Monat nach der Verlobung hat Alex' Freund Gefühle für jemand anderen entwickelt.

Nur einen Monat nach der Verlobung hat Alex' Freund Gefühle für jemand anderen entwickelt.

Für deine Ausbildung bist du dann nach Frankfurt gezogen…

Genau, nach einem Jahr Beziehung sind wir in unsere erste gemeinsame Wohnung gezogen. Und letztes Jahr im April waren wir über meinen Geburtstag in Stockholm. Am Ufer der Altstadt hat er mir einen Antrag gemacht. Ich war so krass überwältigt, habe sofort angefangen zu heulen. Das war richtig schön. Ohne zu zögern habe ich Ja gesagt. Es hat sich einfach richtig angefühlt.

Wie kam es, dass ihr euch nur drei Monate später getrennt habt?

Er hat mir etwa einen Monat nach der Verlobung gebeichtet, dass er Gefühle für einen gemeinsamen Freund entwickelt hat. Damit hat die Abwärtsspirale begonnen. Wir haben drei Monate nebeneinander gelebt und wussten nicht, wie das weitergeht. In einem ernsten Gespräch habe ich ihm dann gesagt, dass wir wohl beide einfach zu feige sind, getrennte Wege zu gehen, und so war es auch. Ich wollte einen Schlussstrich unter das Ganze ziehen.

Gefällt dir das Leben als Single oder möchtest du gerne wieder eine Beziehung?

Es gibt Schlimmeres, als Single zu sein (lacht). Es tut gut, auch mal alleine zu sein. Ich denke viel nach, habe angefangen, meine Gedanken über die Trennung aufzuschreiben, und überlege, wo ich noch an mir arbeiten kann und welche Fehler bei ihm lagen.

Was hat dir nach der Trennung besonders geholfen?

Musik! Ich bin wohl der unmusikalischste musikalische Mensch, denn ich kann weder singen noch ein Musikinstrument spielen (lacht). Für jede Stimmungslage gibt es für mich die passende Musik. Die spricht mich auf einer besonderen Ebene an. Einmal hätte ich fast auf einer Party geheult, als wir noch zusammen waren. Es lief „Dancing On My Own“ von Robyn – und wer musste alleine tanzen, obwohl sein Freund nur fünf Meter neben ihm stand? (lacht). Das war schon heftig.

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Heute genießt er sein Leben als Single.

Heute genießt er sein Leben als Single.

Das heißt, du suchst gerade keine Beziehung?

Das würde sich für mich nicht richtig anfühlen. Nach fünf Jahren, wo wir sehr im Leben des anderen integriert waren, heiraten wollten, tralala. Das war ein großer Batzen und ich bin noch nicht bereit, so etwas wieder einzugehen. Natürlich könnte ich eine neue Beziehung langsamer angehen, aber ich traue mich einfach noch nicht ran. Ich habe auch neulich jemanden kennengelernt und es ging in diese Richtung, aber ich habe gemerkt, es wäre noch viel zu früh für mich gewesen.

Du warst erst 19, als ihr zusammengekommen seid. Gibt es etwas, was du jetzt nachholst?

Eigentlich bin ich ja nicht so der Party-Typ, aber in letzter Zeit gehe ich viel feiern. Dann bin ich meist auf Szenepartys unterwegs, einfach weil ich die Musik da besser finde. Und ich glaube, da guckt einen niemand blöd an, wenn ich mal auf Britney Spears abgehe (lacht). Das ist schon eine Art Schutzraum, wo ich mich ausleben kann.

Manchmal habe ich das Gefühl, mich dafür rechtfertigen zu müssen, als Schwuler auf eine Schwulenparty zu gehen. Da wird man sofort als Szenegänger abgestempelt. Überhaupt finde ich, dass die Community offener sein sollte. Man sollte einfach berücksichtigen, dass jeder eine eigene Geschichte zu erzählen hat. Wenn die Leute mich jetzt vielleicht jedes Wochenende auf Partys sehen, denken die, dass ich nichts anderes mache. Wer mich kennt, weiß aber, dass das nicht so ist, sondern ich einfach etwas nachhole.

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Noch will er sich nicht auf eine neue Beziehung einlassen.

Noch will er sich nicht auf eine neue Beziehung einlassen.

Dein Freund war damals anfangs nicht geoutet, du aber schon. Wie war dein Coming-out?

Jeder wusste es, bevor ich es selbst wusste (lacht). In meinem Darf galt ich nicht so als Hetero-Typ, ich habe lieber mit Barbies gespielt und hatte nur Mädels als Freunde. Da hat man eben schnell einen Ruf weg. So mit 16 habe ich für mich gemerkt, dass ich Jungs mag. Aber erst habe ich gedacht: Du kannst nicht schwul sein, sonst gibst du ja all den Leuten Recht, die das immer behauptet haben. Eigentlich wusste ich schon in der Grundschule, dass etwas anders ist. Dann hat es Klick gemacht: Ah, das ist es, was anders an dir ist. Und damit kann ich leben.

Wie hat deine Familie reagiert?

Zuerst habe ich mich meiner Schwester anvertraut und die hatte gar kein Problem damit. Sie hat sogar schon darauf gewartet, dass ich mal einen Jungen mit nach Hause bringe (lacht). Eines Abends habe ich mit einer Freundin auf ICQ geschrieben – ja, das gab’s damals noch! – und sie hat gefragt, ob eigentlich meine Eltern schon davon wüssten. Ihnen hatte ich es aber noch nicht erzählt. Das konnte sie gar nicht verstehen, also bin ich kurz runter und habe mich geoutet.

Mein Bruder und meine Mutter waren im Wohnzimmer und ich habe gesagt, dass ich schwul bin. Sie war einen Moment still – aber dann hat sie gesagt, ach, das wüsste sie doch schon, sie sei doch nicht bescheuert. Später kam dann noch mein Vater zu mir und hat mir nur gesagt, dass sie mich natürlich immer noch lieben. Obwohl es heißt, dass die Leute auf dem Land nicht so gut damit umgehen können, hatte ich gar keine Probleme. 

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Artikel veröffentlicht: 30.03.2017