Sam (22) aus Mannheim

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
© Sam

Der angehende Schauspieler ist ein Beziehungstyp. Trotzdem wurde er oft ausgenutzt. Außerdem erzählt er, wie er mit seiner letzten Trennung klarkam und wieso ihn das stärker gemacht hat.

Du hast bis Dezember mit deinem Freund zusammengewohnt, dann bist du ausgezogen. Wie hat sich das angefühlt?

Eigentlich hätte ich in der Wohnung bleiben können, aber so spare ich einfach Geld. Generell sind es natürlich auch die ganzen Erinnerungen die ich mit der Wohnung verbinde. Wie man zusammen in der Küche gekocht hat, im Wohnzimmer auf der Couch lag, Wände gestrichen hat. Da sind einfach 1000 Dinge die man zusammen erlebt hat. Außerdem hat sich während der Trennung das ganze Bild zum Negativen gewandelt, weil mein Exfreund sehr viel gegen mich gearbeitet hat. Da war die Wohnung einfach nicht mehr so positiv behaftet.

Wie lange wart ihr zusammen?

Wir kennen uns inzwischen schon über drei Jahre und waren in der Vergangenheit schon einmal zusammen. Dann hat er Schluss gemacht, ist aber nach einem Jahr zu mir zurückgekommen. Er sagte, wir müssten miteinander reden, weil er mich zurückgewinnen möchte. Er hatte sich für diesen Moment extra etwas Ausgefallenes einfallen lassen – er hat mich nach einem Theaterbesuch „abgefangen“. Dann haben wir vier, fünf Monate jeden Tag miteinander verbracht, wir haben quasi schon miteinander gelebt. Es war seine Idee, dass wir „ernst machen“ und zusammenziehen. Ich war erst verunsichert, ob das so hinhaut, weil wir uns ja schon einmal getrennt haben. Zusammengewohnt haben wir dann etwa vier Monate. Keine so lange Zeit.

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© Sam
Sam mit seiner Katze Kimba. Er sagt: "Ich habe meine Freunde, Familie, meine Katze. Das ist wichtiger als Sex mit fremden Jungs, die ich gerade einmal fünf Minuten durch Grindr kenne."

Sam mit seiner Katze Kimba. Er sagt: "Ich habe meine Freunde, Familie, meine Katze. Das ist wichtiger als Sex mit fremden Jungs, die ich gerade einmal fünf Minuten durch Grindr kenne."

Woran ist es denn gescheitert?

Er denkt komplett anders als ich, vor allem was das soziale Umfeld angeht. Er wollte Kontakt zu seinem Exfreund, aber ich wollte, dass wir erst einmal wieder eine Ebene zwischen uns aufbauen. Außerdem hat er eine sehr gute, langjährige Freundin, die ihn immer nur alleine sehen möchte, eben nie mit mir. Sie kam auch nicht zu uns heim. Ich habe dann gesagt, dass ich das so nicht mehr mitmache. Er auch nicht, hat er geantwortet. Da waren wir unterwegs und sind dann noch durch den strömenden Regen heimgelaufen, haben gelacht und sogar gekuschelt beim Einschlafen. Am nächsten Morgen hat er seine Sachen gepackt.

Hast du es denn im Nachhinein bereut, dass du dich noch einmal auf ihn eingelassen hast?

Nach der Trennung war ich am Boden. Auch, weil er ein paar negative Dinge abgezogen hat. Einer gemeinsamen Freundin hat er zum Beispiel erzählt, dass er bereits nach gerade einmal einem Monat Trennung wieder mit einem anderen Typen Sex hatte. Ich hatte damals Zweifel, mit ihm wieder zusammenzukommen oder gar zusammenzuziehen. Klar dachte ich mir danach: Wärst du bloß nicht mit ihm zusammengezogen, dennoch war anfangs der Gedanke da – jeder Mensch verändert sich. Vielleicht hätte ich in der Zeit jemand anderen kennengelernt, der mich wirklich schätzt, die Fehler von mir annimmt und mich nicht nur kritisiert.

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"Wenn ich mit einem Jungen Sex hatte und Nähe spürte, dann dachte ich, dass da mehr draus entsteht."

"Wenn ich mit einem Jungen Sex hatte und Nähe spürte, dann dachte ich, dass da mehr draus entsteht."

Trotzdem sagst du, dass du durch die Trennung stärker geworden bist. Inwiefern?

Von dem ganzen Negativen, das passiert ist, will ich auch etwas Positives mitnehmen. Es war eine sehr schöne Zeit, in der ich gemerkt habe, wie es ist, sich nach einer Person zu sehnen, mit ihm die Wohnung einzurichten, für ihn zu kochen. Von heute auf morgen war ich dann wieder auf mich alleine gestellt. Das war natürlich eine Herausforderung. Als ich die alte Wohnung übergeben habe, habe ich gemerkt: Das Leben geht weiter.

Gerade hast du gesagt, du willst jemanden, der deine Fehler annimmt. Welche Fehler hast du denn?

In Stresssituationen, in denen ich nicht wirklich klarkomme, bin ich schnell genervt. Da könnte ich alles kleinschlagen, aber sonst bin ich ein aktiver und aufgeschlossener…

Nein nein, es ging um die Fehler.

(lacht). Okay. Ich bin manchmal zu impulsiv. Und ich handle manchmal zu emotional und beziehe alles zu sehr auf mich selbst.

Du sagst, dass du das Ideal eines Schwulen nicht erfüllen willst. Was verstehst du unter diesem Ideal? Und wieso willst du das nicht erfüllen?

Die Wunschnorm eines Schwulen besteht normal daraus: Dünn, jung, gutaussehend, Sixpack, nicht feminin, denn das wird ja auch oft negativ angesehen. Ich möchte einfach sein, wer ich bin. Ich will mir keinen Sixpack antrainieren, nur damit mich jemand anspricht. Ich sage oft: Im Alter sieht man auch nicht mehr so aus. Wenn man eine Beziehung führen will, die lange hält, dann geht es um mehr.

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Sam ist mit seinem Ex wieder zusammengekommen. "Klar dachte ich mir danach: Wärst du bloß nicht mit ihm zusammengezogen."

Sam ist mit seinem Ex wieder zusammengekommen. "Klar dachte ich mir danach: Wärst du bloß nicht mit ihm zusammengezogen."

Du bist seit Dezember single. Bist du jemand, der sich dann auslebt oder sich sofort in die nächste Beziehung stürzt?

Ich bin ein Typ, der gerne offen über Sex redet. Aber ich lebe mich nicht aus. Das war vielleicht früher so. Wobei es mir früher nicht um die Erfahrungen ging. Da habe ich gedacht, Sex ist automatisch Liebe. Ich habe mich ausnutzen lassen. Heute bin ich auch glücklich, wenn ich alleine bin. Ich schaue einfach, was kommt. Habe meine Freunde, Familie, meine Katze. Das ist wichtiger als Sex mit fremden Jungs, die ich gerade einmal fünf Minuten durch Grindr kenne.

Inwiefern hast du dich ausnutzen lassen?

Mit 16, nach meiner ersten Beziehung, habe ich angefangen, mich mit anderen Jungs zu treffen. Aber ich dachte eben, dass Sex gleich Liebe ist. Wenn ich mit einem Jungen Sex hatte und Nähe spürte, dann dachte ich, dass da mehr draus entsteht. Ich habe mich in die Typen verknallt, sie haben aber nur mit mir gespielt, um Sex mit mir zu haben.

Wie fühlt sich das an?

Ich habe das relativ spät bemerkt. Erst jetzt, wo ich die nötige Reife habe, darüber nachzudenken. Ich habe das damals gar nicht gemerkt. Da haben die Typen einfach gesagt, sie können sich nichts Konkretes vorstellen. Ich war sehr traurig und habe sehr oft geweint. Ich habe das in mich reingefressen und versucht, es durch andere Menschen zu überdecken. Nicht durch Sex mit anderen, aber einfach durch Ablenkung.

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Hinweis: Das Foto ist auf stillgelegten Bahngleisen entstanden.

Hinweis: Das Foto ist auf stillgelegten Bahngleisen entstanden.

Du fängst im Sommer ein Schauspielstudium an. Wie bist du dazu gekommen?

Im Moment arbeite ich am Nationaltheater Mannheim. Da bin ich auch als Statist unterwegs. Ich war bereits in „Homo Faber“, „Die Räuber“, „Der ferne Klang“ und dem „zerbrochnen Krug“ zu sehen. Schon mit 15 habe ich Webradio gemacht und da gemerkt, was man mit Stimme alles erreichen kann. Durch die Arbeit am Theater habe ich viel mit Schauspielern und Freunden gesprochen, die mich unterstützen und das gut finden was ich tue, wie ich bin. Ich weiß nicht, ob es ein Traumjob ist, aber dadurch dass man sich so ausleben kann und viel dazulernt, liebe ich es. Aber man darf nicht vergessen, dass es auch anstrengend ist. Aber der Applaus am Ende ist einfach ein unbeschreiblich tolles Gefühl.

Wenn du morgen deinen Traummann kennenlernst…

Dann will ich ihn nicht sofort heiraten. Aber ich denke schon nach zwei Monaten, wie das so sein würde in der Zukunft. Ob und wie wir zusammenwohnen, wie sich die Zukunft gestalten wird. Einfach generell, wie sich das ergeben wird. Bislang habe ich nicht allzu positive Erfahrungen gemacht, weil sich auch viele Menschen davon unter Druck gesetzt fühlen.

Über sein Coming-out spricht Sam übrigens im Video. Darin verrät er auch, was sein damaliger Freund bei seinem ersten Mal falsch gemacht hat...

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Artikel veröffentlicht: 12.04.2016
Bildquellen: privat