Leonardo (20) aus Solingen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
© Lisa Engling

Der Azubi schwärmt von seinem Freund, mit dem er erst seit Kurzem zusammen ist, und mit dem er überglücklich ist. Außerdem erzählt er, wie seine italienische und recht konservative Familie sein Coming-out aufgenommen hat.

Leonardo, du bist ganz frisch in einer Beziehung...

Ja, genau. Wir haben uns um Weihnachten über Lovoo kennengelernt und schon beim ersten Treffen hat es direkt gefunkt. Ich bin jemand, der sich sehr schnell verliebt und auch schnell eine Beziehung eingeht, aber auch nur, weil ich direkt bei dem ersten Treffen merke, ob es passt oder nicht.

Wie fühlt es sich an?

Es ist echt schön! Ich war ein Jahr alleine. Nachdem mein Ex Scheiße gebaut hat, war es schwierig für mich, wieder jemandem zu vertrauen. Aber jetzt fühlt es sich einfach magisch an. Es ist lange her, dass ich so ein Kribbeln im Bauch hatte. Es ist echt schön.

Was hat dein Ex gemacht?

Er hat mich, kurz nachdem wir uns kennengelernt haben, betrogen. Und eigentlich habe ich immer gesagt, dass ich nie jemandem verzeihen würde, der mich betrügt. Aber ich habe ihn sehr geliebt, deshalb habe ich ihm eine zweite Chance gegeben. Das Vertrauen war danach aber einfach weg, ich wurde sehr eifersüchtig und zum Kontrollfreak. Dass wir uns getrennt haben, lag aber auch an der Entfernung. Das hat einfach nicht mehr geklappt.

Mach mit!

Du willst auch dbna'ler des Monats werden? Hier bewerben!

© Lisa Engling
"Ich konnte nicht länger lügen, sonst hätte ich mich kaputtgemacht", sagt er übers Coming-out bei seinen Eltern.

"Ich konnte nicht länger lügen, sonst hätte ich mich kaputtgemacht", sagt er übers Coming-out bei seinen Eltern.

Wie hast du herausgefunden, dass er dich betrogen hat?

Er hat sich mit jemandem getroffen und mir vier Stunden nicht geantwortet. Da habe ich mir schon gedacht, dass da was faul ist. Als er dann endlich ans Handy gegangen ist, hat er gesagt, dass alles gut ist. Ich meinte, dass es besser ist, wenn er mir die Wahrheit sagt – und dann hat er es eben zugegeben. Ich habe es einfach geahnt. Er hat diesen Typen nie vorher getroffen und ich habe sowieso nicht verstanden, wieso sie sich treffen. Ich habe zwar gesagt, dass ich das nicht möchte, aber ich konnte es ihm ja nicht verbieten.

Wie hat es sich angefühlt zu erfahren, dass du betrogen wurdest?

Wie ein Schlag ins Gesicht. Ich bin jemand, der immer ans Gute im Menschen glaubt. Für mich gibt es nichts Schlimmeres in einer Beziehung, als betrogen zu werden, und ich bin ein sehr treuer Mensch. Deshalb hat mich das richtig getroffen. Ich habe danach eine Zeitlang keinem mehr vertraut. Das haben auch die Männer danach voll zu spüren bekommen. In der Anfangsphase war das sehr, sehr schlimm.

© Lisa Engling
Sein Coming-out verlief erst schwierig: "Ich habe geweint, es haben einfach alle geweint."

Sein Coming-out verlief erst schwierig: "Ich habe geweint, es haben einfach alle geweint."

Du sagst von dir selbst, dass du altmodisch bist. Inwiefern?

Meine Familie kommt aus Italien, deshalb bin ich etwas konservativer, aber nicht im negativen Sinne. Ich glaube einfach an Familie und Beziehungen. Ich bin ein starker Familienmensch und es ist mir auch immer wichtig, die Familie von meinem Freund kennenzulernen und mich gut mit ihr zu verstehen. Ich bin altmodisch, was Beziehungen angeht. Meine Eltern zum Beispiel haben sich mit 14 kennengelernt und sind immer noch glücklich. Das finde ich einfach mega schön.

Wenn deine Familie so konservativ ist, wie war dann dein Coming-out?

Ich habe mich vor fast genau fünf Jahren geoutet. Meine Eltern haben etwas doof reagiert, ja. Alle haben geweint, aber meine Tante hat gesagt, ich soll mir keine Sorgen machen. Sie hat dann mit ihnen geredet und mich immer unterstützt. Das wurde mit der Zeit auch immer besser. Bei meinem ersten Freund fanden sie es anfangs schwer, das zu akzeptieren. Und bei meinem jetzigen haben sie nur gefragt, ob das denn mein neuer Freund sei.

© Lisa Engling
"Wie ein Schlag ins Gesicht" war es, als sein Ex ihn betrogen hat.

"Wie ein Schlag ins Gesicht" war es, als sein Ex ihn betrogen hat.

Wie ging es dir, als deine Eltern so reagiert haben?

Das war natürlich nicht die Reaktion, die man sich wünschen würde. Ich habe auch geweint, es haben einfach alle geweint. Das war schon scheiße. Ich hatte davor starke Selbstzweifel, habe gedacht, dass sie mich vielleicht abstoßen, gerade weil sie aus Italien kommen. Ich habe davor sogar überlegt auszuziehen. Aber als es raus war, ist mir ein großer Stein vom Herzen gefallen.

Du warst erst 16, als du dich geoutet hast. Wieso hast du es deinen Eltern so früh gesagt?

Ja, ich hätte warten können. Aber ich hatte da schon meinen ersten Freund und ich habe meine Eltern drei Monate lang angelogen und ihnen gesagt, dass ich eine Freundin habe. Ich konnte nicht länger lügen, sonst hätte ich mich kaputtgemacht. Ich bin ein Mensch, der ungern lügt oder etwas für sich behält. Es war so schwer, weil ich ein ziemlich gutes Verhältnis zu meinen Eltern habe. Der Zusammenhalt ist sehr groß. Ich habe lange gezweifelt, aber am Ende gedacht, dass ich es ihnen sagen muss, sonst würde mich das fertigmachen.

© Lisa Engling
Leonardo ist frisch verliebt "Es ist lange her, dass ich so ein Kribbeln im Bauch hatte."

Leonardo ist frisch verliebt "Es ist lange her, dass ich so ein Kribbeln im Bauch hatte."

Seit wann geht ihr normal mit dem Thema um?

So seit drei Jahren etwa. Davor haben wir einfach nicht darüber geredet. Es hat dann auch geholfen, dass mein Cousin aus Italien sich geoutet hat. Der ist genau das Gegenteil von mir: Er ist sehr aufgedreht und klischeehaft. Da denken sie sich ihren Teil – und sind wohl ganz froh, dass ich nicht so bin.

Was ist dir an deinem Partner besonders wichtig?

Definitiv die Treue. Das ist ganz, ganz wichtig. Weshalb ich meinem Exfreund damals verziehen habe, war, weil er einer der ersten Männer war, die es hinbekommen haben, mich einfach so zum Lachen zu bringen. Das klingt vielleicht dämlich, aber das ist mir total wichtig. Es war einfach seine Art und Persönlichkeit, die mich zum Lachen gebracht hat, ganz ohne irgendwelche Witze oder Sprüche.

Du sagst von dir, dass du sehr vielseitig bist – inwiefern denn?

Ich bin sehr experimentierfreudig und versuche, viel zu entdecken. Ich habe lange Hip-Hop getanzt und würde das auch gerne wieder machen, aber habe leider keine Zeit dafür. Ich schreibe Songs. Und ich liebe Menschen, bin total offen und glaube immer ans Beste in allen.

© Lisa Engling
Er ist sehr glücklich mit seinem Freund: "Jetzt fühlt es sich einfach magisch an."

Er ist sehr glücklich mit seinem Freund: "Jetzt fühlt es sich einfach magisch an."

Du bist gerade im zweiten Lehrjahr in deiner Ausbildung zum Kaufmann im Büromanagement. Wo siehst du dich in zehn Jahren?

Das ist eine gute Frage (lacht). Momentan spiele ich mit dem Gedanken, nach der Ausbildung Flugbegleiter zu werden. Ich mag Menschen, liebe es zu reisen und neue Kulturen zu entdecken. In zehn Jahren… hoffe ich, dass ich zufrieden mit mir selbst bin. Dass ich einen Job habe, mit dem ich glücklich bin, der meiner Seele guttut, und das mit meinem jetzigen Freund an der Seite.

Du hast gesagt, dass dir Familie sehr wichtig ist. Möchtest du denn selbst eine gründen?

Auch so eine schwierige Frage (lacht). Eigentlich habe ich immer Nein gesagt. Ich wollte für die Kinder von meinen Geschwistern da sein, der coole Onkel sein. Aber in letzter Zeit denke ich mir, dass es ja irgendwie Sinn des Lebens ist mal sagen zu können: Das ist mein Sohn oder meine Tochter. Das ist ganz komisch, weil ich nie so gedacht habe, aber ein kleiner Funke in mir sagt, dass Familie der Sinn des Lebens ist.

Links zum Artikel

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Artikel veröffentlicht: 14.01.2017