"Deltaboys"

Redaktion Von Redaktion
"Deltaboys"
Deltaboys

Ein aktiver Bestandteil der Mannheimer Szene wollen die "Deltaboys", die sich im August 2011 gegründet haben, werden. Freizeitangebote, Diskussionsrunden sowie das gesellige Miteinander stehen im Vordergrund und sollen homosexuelle Jugendliche sowie junge Erwachsene ansprechen.

Noch kein halbes Jahr ist es her, da beschlossen Florian und andere ehemalige "Gipfelstürmer" eine weitere schwule Jugendgruppe aufzumachen. Konkurrenz? Nein, das definitiv nicht, vielmehr wollten sie das Altersspektrum erweitern. "Da der Großteil der "Gipfelstürmer" zu alt wurde für die Gruppe haben wir beschlossen die "Deltaboys" zu gründen", so Florian. Nun gibt es auch eine Anlaufstelle für die 23 bis 30 Jahre alten Schwulen aus der Region.

Florian ist gelernter Industriekaufmann und arbeitet als kaufmännischer Sachbearbeiter in einem Chemiegroßhandel. Mit seinen inzwischen 24 Jahren musste er wie andere auch bei den "Gipfelstürmern" ausscheiden. Die "Gipfelstürmer" selbst, die es in Mannheim seit 2005 gibt, umfassen nämlich nur die Altersgruppe 16 bis 23 Jahre. Wer älter ist, darf nicht mehr an den Veranstaltungen teilnehmen.

Deltaboys
Gruppentreffen mit dem Thema "Sexualität am Arbeitsplatz".

Gruppentreffen mit dem Thema "Sexualität am Arbeitsplatz".

Schmerzhafter Abschied als Gründungsmotivation

Auch für Florian war das schmerzhaft: "Ich habe so viele Freunde in der Jugendgruppe kennen gelernt, so dass ich nicht wollte dass wir aus einander gehen." Also ergriff er die Initiative. "Für mich stand von vorneherein fest, dass ich mich für die neue Gruppe engagieren will. Ich übernahm also die Leitung der "Deltaboys"", bekundet der 24-jährige, der in seiner Freizeit Posaune spielt, stolz. Doch woher der Name? Florian erklärt: "Wir kommen alle aus den unterschiedlichsten Richtungen des Rhein-Neckar-Delta, da war die Namensgebung naheliegend, vor allem weil wir uns eben nicht auf Mannheim alleine beschränken".

Den Bedarf einer schwulen Coming-out- und Freizeit-Gruppe für eine höhere Altersgruppe sieht er auch an sich selbst. "Ich habe mich mit 22 ziemlich spät geoutet, doch dann hatte ich auch den Mut, es meinem kompletten Umfeld zu sagen", bekundet Florian. Probleme habe es nur bei seinem Vater gegeben, aber dieser habe nur Zeit gebraucht, die er ihm auch gegeben habe. Inzwischen seit alles wieder in bester Ordnung.

Viel Arbeit in der Anfangsphase

Jedoch darf man den Aufwand, der in der Gründung einer neuen Jugendgruppe für neue Schwule steckt, nicht unterschätzt werden. Die Anfangsphase der "Deltaboys" war geprägt von viel Arbeit. "Ich hätte ja selbst nie gedacht, dass es so anstrengend würde und so zeitaufwendig ist", räumt Florian ein. Flyer mussten entworfen und gedruckt werden, Anträge für Gelder wurden geschrieben und eine Homepage erstellt.

Doch Florian stand Gottseidank nicht alleine da. Unterstützung erhielt er unter anderem vom 22-jährigen Michael. Der Ergotherapie-Azubi outete sich bereits mit 16 Jahren, kam auch in dieser Zeit zu den Gipfelstürmern. Jedoch hatte er lange Zeit mit sich selbst zu kämpfen, da er sich christlich engagiert. Doch der Zuspruch seiner christlichen Freunde als auch seiner Familie half ihm nach seinem Coming-out, auch wirklich selbst zu sich zu stehen, da ihn weiter Selbstzweifel plagten. Auch die Gipfelstürmer wurden zu einem Anlaufpunkt für ihn, wo er dann auch seinen Freund kennenlernte. Seit zwei Jahren sind sie nun zusammen. Seine Beziehung und "die Freundschaften aus dieser Gruppe motivierten mich, mich für die "Deltaboys" zu engagieren", erklärt Michael, der seine Kreativität am Herd, am Mikro und auf der Tanzfläche auslebt.

Deltaboys
Die Gruppe der "Deltaboys" beim CSD in Mannheim 2011.

Die Gruppe der "Deltaboys" beim CSD in Mannheim 2011.

An PLUS e.V. angeschlossen

Für beide war es eine Selbstverständlichkeit, die "Deltaboys" an bestehende Strukturen anzubinden. So sind die "Deltaboys" wie die "Gipfelstürmer" dem PLUS e.V. Psychologische Lesben- und Schwulenberatung Rhein-Neckar e.V. angeschlossen. Während Leitung, Finanzierung und Organisation der "Gipfelstürmer" ganz in der Hand von PLUS liegt, tragen sich die "Deltaboys" selbst. Als Geldgeber konnten Florian und seine Mitstreiter die BKK Pfalz und die Fuchs Petroclub AG gewinnen. Auf der Suche nach Finanzquellen und ebenso bei inhaltlichen Fragen stand das PLUS mit Rat und Tat den Jungs zur Seite.

Ihr jeweiliges Programm erarbeiten in den Gruppen die Leiter und Teilnehmer zusammen, da ja möglichst alle Spaß haben sollen. Das PLUS selbst wurde 1998 als gemeinnütziger und besonders förderungswürdiger Verein 1998 von Mitgliedern der Regionalgruppe des "Verbandes lesbischer Psychologinnen und schwuler Psychologen in Deutschland" gegründet. Man hatte hier klar einen Bedarf an Beratungsangeboten und Therapieplätzen für Schwule und Lesben erkannt und reagierte darauf.

Finanziert u.a. von Stadt Mannheim

Inzwischen arbeiten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter in der Beratungsstelle. Als Ziel setzte man sich, die Verbesserung der psychosozialen Gesundheit von Lesben und Schwulen sowie deren Angehörigen. Unterstützt wird das PLUS von der Stadt Mannheim, aber auch projektbezogen von der Aktion Mensch oder anderen Stiftungen. Ein vielfältiges Programm und eine große Zahl an Projekten setzen an unterschiedlicher Stelle Hebel an, um Schwule und Lesben auch indirekt zu unterstützen. Dafür werden zudem noch Spenden, Sponsoren aber auch Fördermitglieder benötigt.

Zu den ehrenamtlichen Beschäftigten der Beratungsstelle von PLUS gehören auch der Diplom Sozialpädagoge Paul Reich (29) und 30-jährige Christoph Leder, der an der PH-Heidelberg Realschullehramt studiert. Zusammen betreuen beide die Jugendgruppe "Gipfelstürmer". Da beide auf in eher ländlichen Regionen groß geworden sind, ist ihnen die Problematik eines Coming-outs aus eigener Erfahrung präsent. Sie wollen den jungen Schwulen eine Plattform bieten, um Anschluss an gleichaltrige Gleichgesinnte zu finden jenseits der kommerziellen Szene.

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Chris, Christoph, Sebastian, Flu und Max auf dem CSD in Mannheim.

Chris, Christoph, Sebastian, Flu und Max auf dem CSD in Mannheim.

Anschluss an Lambda geplant

Der Prozess der Anbindung an bestehende Strukturen ist bei den "Deltaboys" auch noch nicht abgeschlossen. So ist es geplant, dass man sich dem Jugendnetzwerk Lambda anschliesst. Dies soll in Kürze geschehen.

Einmal pro Woche, eigentlich immer dienstags im Jugendzentrum "Forum" von 18 bis 20 Uhr. Dann stehen gemeinsames Kochen, Billard, Bowlen, Dart oder auch Gesellschaftsspiele auf dem Programm. Abgerundet durch verschiedene thematische Workshops bieten Florian, Michael und die anderen ein spannendes Programm mit viel Abwechslung. Den bisherigen Höhepunkt stellte der Mannheimer CSD dar. "Das war für uns der große Auftakt und das erste öffentliche Auftreten", schwärmt Florian. Seitdem geht es immer wieder vorwärts. Als Erfolg kann definitiv die Beteiligung gewertet werden. Nach etwa einem Vierteljahr haben die "Deltaboys" die gleiche Besucheranzahl wie die "Gipfelstürmer". "In beiden Gruppen sind zurzeit etwa fünfzehn Jugendliche", erzählt Florian mit leuchtenden Augen. So haben sich für ihn seine Mühen durch diese Zahl schon bezahlt gemacht.

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