Eine Clique für Generationen

Redaktion Von Redaktion
Eine Clique für Generationen
Matthias/dbna

Seit 1985 haben schwule Jugendliche inder Rhein-Main-Region eine tolle Anlaufstelle: Der Frankfurter ourgeneration e.V. wurde 25.

Die Frankfurter Innenstadt ist indiesen Tagen brechend voll: Der Weihnachtsmarkt zieht die ganzeRegion an. Die wenigen Gassen ohne hellen Lichtschlangen wirkenbeklemmend, doch in einem Club in einem dunklen Hinterhof unweit derHauptwache geht heute ebenfalls die Post ab: Ein schwulLesbischerJugendverband feiert lautstark Jubiläum.

Die Tische sind schön dekoriert undgut besetzt, und vor dem Essen kann der unterkühlte Redakteur denGästen einiges Interessantes über die Historie der Gruppe inErfahrung bringen.

our generation e.V.

Seit 25 Jahren haben schwuleJugendliche in der Rhein-Main-Region eine tolle Anlaufstelle: Anno1985 fanden ein paar Studenten zusammen, um eine der ersten deutschenschwulen Jugendgruppen aus der Taufe zu heben. Unter dem Namen"Schwule Jugendclique trifft man sich an wechselnden Orten inder Stadt.

Zu dieser ungleich schwereren Zeit bleibt es nicht beieinfachen Gruppensitzungen, man kooperiert mit weiteren lokalenInitiativen gegen ein neues Schreckgespenst: HIV. Und bereits 1987dürfen sich die Mitglieder über eine Förderung ihrer Stadt freuen- das mach sie wahrlich zu Pionieren.

Mit den 90er Jahren bekamen dieTätigkeiten der Gruppe eine neue Dynamik: Große Paraden zumChristopher Street Day fanden inzwischen in den größeren StädtenDeutschlands statt, in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts mischt dieJugendgruppe auch hier mit. Kurz vor dem Jahrtausendwechselregistriert man den Bedarf in der Stadt, auch Lesben, Bisexellen undTransgender in der Gruppe zu integrieren - in der Mitte desJahrzehnts war bereits mit "our generation ein Name geschaffenworden, der zu dem neuen Kollektiv passt.

Ein leckeres Menü unterbricht meineRecherchen, aber ich lerne weitere Leute an meinem Tisch kennen undregistriere nochmals, wieviel Generationen den Verein ausmachen - invielen anderen Städten werden derartige Gruppen ja noch von denGründern selbst geleitet. Als Fördermitglied kann man "ourgeneration dauerhaft die Treue halten.

Matthias/dbna

"Sogar eine renommierte Zeitschrifthaben wir hervorgebracht! erzählt mir einer meiner Nebensitzerstolz. Tatsächlich entstammt das bekannte lokale Szeneblatt "gabaus den Köpfen der "Schwulen Jugendclique. Nachdem sich dieGruppe eingestanden hatte, dass so eine Zeitschrift aus finanziellenGründen nicht im Verein verbleiben kann, wurde sie in einen eigenenVerlag übergeführt.

Seit 2002 sammelte "our generationUnterschriften für ein schwules Jugendzentrum, im Folgejahr begannein zweijähriger "Runder Tisch zur Lage junger Homosexueller inder Stadt. Am Ende stand in der Tat solch ein Jugendtreff, als"KUSS41 wurde er im April dieses Jahres eröffnet. "Allerdings,schmunzelt mein Gesprächspartner "wussten wir zu Anfang nicht,dass man die Leitung des Zentrums an uns delegiert. Das war 2008. Wirsahen einen hohen Arbeitsaufwand auf uns zukommen. Und doch wurdeder Traum von diesem Zentrum offenbar problemlos verwirklicht.

Mit einem lustigen Musikquizspielklingt die Geburtstagsfeier aus. Beim munteren Nachträllern derLieder fällt mir auf: Die Mädels sind ja heute in der Mehrheit!Aber mit Tatsachen wie dieser merkt jedes Mitglied, oder auch nur einGast im "KUSS41, dass "unsere Generation heute ein Gros derjungen Schwulen und Lesben ansprechen kann. Herzlichen Glückwunsch!

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Weitere Quellen: Teaserfoto: kai-gerner.de / photocase.com