Erfahrungsbericht einer Mutter

Redaktion Von Redaktion

Es war ein ganz normaler Morgen wie schon viele zuvor. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Morgen eine Veränderung in mein Leben bringen sollte. Ein Coming-Out-Bericht einer Mutter...

Es war ein ganz normaler Morgen wie schon viele zuvor. Nichts deutete darauf hin, dass dieser Morgen eine Veränderung in mein Leben bringen sollte. Ich bereitete für die ganze Familie (meinen Mann, meine zwei Söhne und mich) das Frühstück zu. Wir aßen wie jeden Morgen zusammen, bis dann um 7 Uhr mein Mann in die Arbeit fuhr und mein älterer Sohn in die Schule. Mein Jüngster wartete, bis die beiden weg waren, dann erst zog er sich Jacke und Schuhe an.

Als ich ihn an der Haustür verabschieden wollte, drehte er sich um und meinte, auf meinem Schreibtisch läge ein Brief für mich. Ich wusste schon sehr genau, was dort in diesem Brief stehen würde. Ich hatte schon längere Zeit eine gewisse Ahnung.
Mein Sohn stieg in sein Auto und fuhr los. Ich lief in mein Büro und öffnete mit klopfendem Herzen den Umschlag. Ich faltete das Papier auseinander und begann hektisch zu lesen.

Meine Vermutung sollte sich bestätigen. Mein Sohn schrieb mir, er sei schwul und könne nur Männer lieben. Mit einem Mal ist mir das Herz in die Hosentasche gerutscht. Lauthals schrie ich: "Das darf doch nicht wahr sein!" Ich dachte wie wahrscheinlich die meisten Mütter in der Situation an die nun nicht mehr zu erwartenden Enkelkinder. Und ich bekäme keine Schwiegertochter, sondern wohl eher einen Schwiegersohn.

Ich rief als nächstes meinen Mann auf der Arbeit an und erzählte ihm von der Nachricht. Wie mein Mann nun mal ist, hat er es nach außen hin ganz locker und cool aufgenommen. Den ganzen Tag über konnte ich keinen klaren Gedanken mehr fassen. Irgendwie hatte ich Angst vor der Begegnung mit meinem Sohn am Abend. Als dann nach einem endlos langen Nachmittag mein Sohn mit dem Auto vorfuhr, wartete ich bereits am Küchenfenster auf ihn und öffnete die Haustür (Mensch, ich hatte vielleicht Herzklopfen...). Wir sahen uns einen Moment lang schweigend in die Augen, dann wusste er, dass er sich auf mich verlassen konnte. Er ist und bleibt mein Sohn, diese Erkenntnis war mir nach dem ersten Schock klar geworden.

Wir gingen dann zusammen auf sein Zimmer und redeten in aller Ruhe über alles. Mir hat das sehr geholfen. Ihm hoffentlich auch. Ich habe mich dann im Internet mit der neuen Situation vertraut gemacht, habe viele Elternbriefe und Erfahrungsberichte gelesen. Und nun schreibe ich selbst auf, wie es mir damals ergangen ist, damit vielleicht andere durch meinen Text ein wenig Unterstützung finden können.

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Weitere Quellen: Bilder: photocase.com