Gegen die Oberflächlichkeit

Redaktion Von Redaktion
Gegen die Oberflächlichkeit
SchwuleJungs

Vielfältiges Engagement zeichnet die "Schwulen Jungs" aus Karlsruhe aus. Sie bieten nicht nur zahlreiche regelmäßige wie unregelmäßige Veranstaltungen, sondern sie bringen sich auch innerhalb der Gremien der Stadt ein. Beachtliche Erfolge wurden in dreieinhalb Jahren erzielt.

Still lächelt Markus in sich hinein. Blickt der 37-jährige Bauingenieur auf die letzten dreieinhalb Jahre seines Lebens zurück, so kann er stolz auf sich sein. Erfolgreich haben er und sein Freund Andi, der 25 Jahre alt ist, die Jugendgruppe "Schwule Jungs" ins Leben gerufen. Mit ihr sind sie in der Stadt zu einer festen Institution geworden.

Gegründet gegen Oberflächlichkeit

"Wir haben beobachtet, dass gerade junge Schwule andere Jungs in ihrem Alter hauptsächlich im Internet kennengelernt haben. Dort geht es aber doch sehr oberflächlich zu", begründet Markus, der als etwas ausgefallenes Hobby Steptanz betreibt, seine Motivation.

Auch vermutet er einen Zusammenhang zwischen diesen oberflächlichen Kontakten und der recht kurzen Dauer von schwulen Partnerschaften: "Wie soll ich mit jemandem zusammen eine Beziehung führen, wenn ich ihn gerade mal zwei Tage per Internet kenne?"

Mit der Jugendgruppe wollten sie dann nicht nur einen geschützten Raum für junge (ungeoutete) Schwule schaffen, sondern auch eine reale Plattform bieten, um sich kennenzulernen, neue Freundschaften zu knüpfen: "Die eigenen Erfahrungen und der persönliche Kontakt stehen im Mittelpunkt. Vor allem dreht es sich dabei um Themen wie Coming-out und die eigene Homosexualität. So helfen sich unsere Jungs oft gegenseitig weiter", erklärt Andi.

Angegliedert an "Schwung"

Um nicht ganz bei Null anfangen zu müssen, haben Markus und Andi, die bis heute zusammen mit dem 24-jährigen Matze die Gruppe leiten, die Jugendgruppe in den Verein "Schwung Schwule Bewegung Karlsruhe e.V." eingebettet. Die "Schwung" gibt es bereits seit 27 Jahren und setzt sich seitdem in Karlsruhe für die Belange von Schwulen ein.

Neben der Jugendgruppe gibt es in diesem Rahmen unter anderem noch eine schwule Bibliothek, eine Radiosendung, eine Coming-out-Gruppe sowie den Hilfsdienst Rosatelefon, den es auch in anderen Städten Deutschlands gibt (dbna berichtete). Daneben ist die Gruppe auch Mitglied des Jugendnetzwerks Lambda e.V. und kann so von den Erfahrungen anderer Gruppen profitieren.

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Die Karlsruher auf dem Stuttgarter CSD 2010.

Die Karlsruher auf dem Stuttgarter CSD 2010.

Dennoch ist die Gruppe an sich unabhängig, einmal im Jahr wählen die Besucher ihre Gruppenleiter. Die Unabhängigkeit ist dabei Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Stadtjugendausschusses der Stadt Karlsruhe. Zusammen mit dem Kinderbüro der Stadt werden auch regelmäßig Elternabende für Eltern homosexueller Kinder veranstaltet.

Die Unterstützung durch die "Schwung" ist aber wichtig, denn diese finanziert die Räumlichkeiten und ermöglicht die kostenlose Teilnahme aller Interessierten. Desweiteren ergänzt Matze: "Da wir keine laufenden Kosten haben, funktioniert dies problemlos. Sollte trotzdem mal Finanzbedarf bestehen, deckt diesen die Schwung."

Den drei Leitern ist die Gruppe sehr ans Herz gewachsen. "Es ist toll zu sehen, wie sehr die Gruppe Jugendlichen hilft", schwärmt Bauingenieur Markus. Während sie am Anfang noch unsicher und zurückhaltend sein, wüchse dann von Mal zu Mal die Selbstsicherheit. Der Mut, sich zu outen und sich zu sich selbst zu bekennen, entwickle sich aus Sicht der drei Verantwortlichen rasch.

Diskussionen mit gemütlichem Ausklang

Die regelmäßigen Treffen finden immer am 2. und 4. Freitag im Monat ab 18.30 Uhr im Gewerbehof (Steinstr. 23) statt. Ein Thema, das die Gruppenleiter vorgeben, gibt den Anstoß für Gespräche und Diskussionen.

Nach 20.00 Uhr bewegt sich dann die Gruppe in die Innenstadt, um den Abend gemütlich bei dem einen oder anderen Getränk ausklingen zu lassen. "Sollten bei uns in der Gruppe Jüngere oder Jungs mit nicht so viel Geld dabei sein, bleiben wir einfach in unseren Räumlichkeiten", erklärt Andi, der an der Universität in Karlsruhe Physik studiert, zudem.

Daneben finden noch "Sonderveranstaltungen" statt, wie Markus sie nennt. Zusammen geht die Gruppe ins Kino, zum Bowlen, zum Schwimmen, besucht CSDs oder andere Gruppen, wie die Königskinder und die Prinzen (dbna berichtete) in Stuttgart, oder man schaut sich zusammen DVDs an. "Wir sind da flexibel", meint der Technikbegeisterte Andi weiter, "und gehen besonders auf die Wünsche unserer Besucher ein."

"Tolle Events!"

Die Resonanz ist auch entsprechend. Die Gruppe hat regelmäßig zwischen 10 und 15 Besucher, der Rekord läge, so Matze, bei etwa 25. Auch Neulinge sind immer wieder begeistert. So schwärmen Jamie und Matthias, beide 17 Jahre alt, nach ihrem ersten Besuch: "Das Treffen hat uns super gefallen und wir kommen das nächste Mal ganz sicher wieder.

Auch wenn es eine Überwindung war, sich zu trauen vorbei zu schauen, ist die Erfahrung toll, gleich mehrere schwule Jungs auf einmal kennenzulernen. Wir sind froh, dass wir gekommen sind!"

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Die Gruppenabende von "Schwule Jungs Karlsruhe" finden im Gewerbehof statt.

Die Gruppenabende von "Schwule Jungs Karlsruhe" finden im Gewerbehof statt.

Um sich den jüngeren Schwulen gezielter zuwenden zu können, haben Markus, Andi und Matze jetzt einen besonderen Abend geplant. "In letzter Zeit sind immer mal wieder einzelne jüngere Schwule unter 20 vorbeigekommen, die aber mangels Jungs in ihrem Alter nicht wieder kamen.

Wir haben zwar einige unter 20 in unserer Gruppe, die aber nicht jeden Abend alle da sind", verweist Matze auf die Problematik, betont aber, dass die Altersspanne tatsächlich von 14 bis 27 Jahre reiche. "Das Problem ist letztlich vor allem der Wegzug der Jüngeren nach dem Abitur", ergänzt Andi.

Die Leiter sind sich dabei zudem bewusst, dass es mit der Selbstüberwindung häufig schwierig ist. "Wenn jemand sich scheuen sollte", führen die beiden Mitbegründer der "Schwulen Jungs" daher weiter aus, "alleine zu uns zu kommen, dann können wir uns auch gerne vorher treffen und gemeinsam hingehen." Engagement wird bei den Leitern der Karlsruher Jugendgruppe also ziemlich groß geschrieben.

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