"Ich bin ein stolzer schwuler Mann"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Ich bin ein stolzer schwuler Mann"
Wikimedia/Gage Skidmore

Noch ein Coming-out aus dem Cast von "Teen Wolf": Charlie Carver ist schwul. Das hat er via Instagram bekanntgegeben. In der Nachricht erzählt er, dass er es weiß, seit er zwölf ist - und wieso er es jetzt erst öffentlich macht.

Charlie Carver, 27, ist vor allem durch seine Rolle als "Porter Scavo" in "Desperate Housewives" bekannt geworden. Außerdem spielte er den "Ethan" in "Teen Wolf". Jetzt hat sich der Schauspieler aus San Francisco als schwul geoutet.

Insgesamt fünf Instagram-Fotos hat es gebraucht, weil seine dazugehörige Geschichte so lange ist. Darin erklärt er ausführlich, weshalb er mit seiner sexuellen Orientierung jetzt an die Öffentlichkeit geht.

Auf dem Foto, das er postet, steht "Sei der, den du gebraucht hast, als du jung warst". Er erzählt davon, dass er eigentlich nicht auf "inspirierende Zitate" steht, aber dass ihn dieses Bild einfach nicht losgelassen habe. Ein Jahr lang hatte er es unter seinen Favoriten gespeichert.

"Ich habe mich für die Worte Ich bin schwul gehasst"

"Ich habe in diesem Alter gemerkt, dass ich irgendwie anders bin als die anderen Jungs in meiner Klasse", schreibt er. "Mit der Zeit ist dieses Gefühl gewachsen und hat sich gesteigert zu einer verzweifelten Geste. Ich habe drei Worte gesagt: "Ich bin schwul". Ich habe sie zuerst zu mir selbst gesagt, um zu sehen, wie sie sich anfühlen. Sie hörten sich wahr an, und ich habe mich für sie gehasst. Ich war zwölf."


"Ich identifiziere mich als schwul. Und kümmert das jemanden? Als junger Mann habe ich jemanden gebraucht, der das in Hollywood sagt. Ich schulde mir selbst, mehr als alles andere, der zu sein, den ich damals gebraucht hätte."


Es habe einige Jahre gedauert, bis er die Worte jemand anderem gegenüber wiederholen konnte und sich bei seiner Familie outete. Bis es so weit war, hat er den Satz so lange vor sich selbst gesagt, bis er sich wohl damit fühlte.

Mit seinem TV-Debut hat sich alles verändert

Dann gibt er allen, die vor einem ähnlichen Schritt stehen, einen Tipp: "Ein Coming-out ist zuallererst eine persönliche und private Angelegenheit. Wenn du dich bereit und sicher fühlst, denk darüber nach, diesen Teil von dir mit anderen zu teilen." Er sei privilegiert, weil seine sexuelle Orientierung von seiner Familie "gefeiert" wurde. "Wenn du dich outen willst, mach dir erst klar, ob du sicher bist und Unterstützung hast."

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"Je mehr ich mich daran gewöhnt habe, nach außen mit dieser Ehrlichkeit zu leben, desto besser fühlte ich mich", schreibt er weiter. Doch dann hat er begonnen, fürs Fernsehen zu drehen. Plötzlich haben ihn Leute auf der Straße erkannt.

Er wollte keine Aufmerksamkeit für seine sexuelle Orientierung


"Wenn ich zwischen öffentlich und privat unterscheide, dachte ich, dass meine sexuelle Orientierung kein Thema sein müsste. Während mein Coming-out für mich selbst sehr wichtig war, wollte ich glauben, dass wir in einer Welt leben, in der die sexuelle Orientierung irrelevant ist." Selbst die Worte "Coming-out" haben ihn genervt. Denn der 27-Jährige hat sie immer damit verbunden, dafür Aufmerksamkeit haben zu wollen.

"Aufmerksamkeit für etwas, was ich lieber als einfach nur menschlich sehen würde. Ich wollte nicht durch meine Sexualität definiert werden. Sicher, ich bin ein stolzer schwuler Mann, aber ich identifiziere mich nicht als Schwuler Mann oder als SCHWULER Mann oder nur als schwul."

"Ich sehne mich nach einer Welt, in der jeder glücklich sein kann"

Außerdem hatte er die Angst, durch ein öffentliches Bekenntnis zu seiner Homosexualität könnte er sich in Hollywood in eine Schublade stecken, was er nicht wollte. Doch "das ändert sich in dem Business gerade und wird sich auch weiter ändern", ist er sich sicher.

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Denn abschließend erklärt Charlie, wieso er sich denn nun outet. Er schreibt davon, wie bewegt er sei, wenn ein Jahrgang eine Transgender-Person zum Abschlussballkönig oder königin wählt, oder wenn sich auf Twitter über Ungerechtigkeit beschwert wird.

"Wie kann ich ein Teil davon sein?", fragt er sich

"Ich sehne mich nach einer einfachen Welt, in der jeder glücklich und sicher sein kann, wie er oder sie als Individuum und Mitglied einer Community ist."

"Doch was kann ich tun? Wie kann ich ein Teil davon sein? Ehrlichkeit ist wahrscheinlich ein Schritt in die richtige Richtung. Ich glaube jetzt, wenn ich diesen Teil von mir nicht erwähne, halte ich das Leiden, die Angst und die Scham aufrecht, die so viele auf dieser Welt spüren."

Sein Zwillingsbruder ist nicht schwul, aber genauso cool


"Also: Ich identifiziere mich als schwul. Und kümmert das jemanden?" Dann nimmt er wieder Bezug auf das Foto: "Als junger Mann habe ich jemanden gebraucht, der das in Hollywood sagt. Ich schulde mir selbst, mehr als alles andere, der zu sein, den ich damals gebraucht hätte." 

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Wow, was für eine Nachricht. Sorry, Charlie, dass wir dir dafür Aufmerksamkeit schenken. Doch deine Worte müssen wir einfach teilen. Dafür sind sie zu ehrlich, zu wahr, zu inspirierend. Über seinen Zwillingsbruder sagt er übrigens, der sei genaus cool, weil er hetero ist.

Erst Anfang des Jahres hat sich Colton Haynes, auch ein Star aus "Teen Wolf" geoutet.

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Weitere Quellen: Wikimedia/Gage Skidmore