Manches Beet muss härter beackert werden

Redaktion Von Redaktion

Seit 2007 existiert die Jugendgruppe Queerbeet in Augsburg. Der inzwischen eingetretene Erfolg mit hohen Besucherzahlen ist für die drei Jugendleiter Jasmin, Martin und Lucas nicht selbstverständlich. dbna berichtet.

Sommerzeit heißt CSD-Zeit und auch in Augsburg fand Anfang August ein Christopher-Street-Day statt, obwohl ohne Parade, sondern als einfaches Straßenfest. Darauf bereiteten sich die Mädels und Jungs der noch recht jungen Jugendgruppe Queerbeet Augsburg gemeinsam vor: Plakate und T-Shirts wurden ge- bzw- bemalt. Man will sich ja nicht nur als Stand, sondern ebenso als Gemeinschaft deutlich nach außen präsentieren.

Im Sommer 2009, keine zwei Jahre nach ihrer Gründung, steht die Gruppe gut da. "Woche für Woche kommen donnerstags um 19 Uhr gut ein Dutzend Lesben, Schwule und Bisexuelle zusammen", berichtet Lucas, einer der drei Gruppenleiter. Abwechselnd trifft man sich dann in den Räumen des AWO-Zentrums für Aids-Arbeit Schwaben (ZAS) und im Café Corso in der Augsburger Maxstraße. Die Altersgrenzen der Gruppe bewegen sich im üblichen Rahmen: 14 bis 25 dürfen die Besucher der Jugendgruppe sein.

"Toleranz muss man üben"

Bewusst habe man sich damals dafür entschieden, eine gemischte Gruppe mit Lesben, Schwulen und Bisexuellen zu sein. "Wir wollen mehr Toleranz und das können wir nur gemeinsam erreichen", begründet die 21-jährige Gruppenleiterin Jasmin. Und sie erklärt weiter: "Toleranz muss man in der Gruppe üben und das schafft man aus unserer Sicht am besten in einer gemischten Gruppe."

Das mag gerade für Augsburg die richtige Entscheidung gewesen sein, ist doch dort die Szene aufgrund der großen Fluktuation der Personen recht schwierig, Kontinuität kaum herstellbar. "Gerade daher stellt es einen Fortschritt dar, dass wir mit Queerbeet Augsburg auch als eingetragener Verein eine feste Form geschaffen haben, die mehr Kontinuität verspricht", berichtet Martin, der sich gleichfalls für das Schwulenreferat der Uni Augsburg engagiert.

Volles Engagement für die Sache

Für den Dipl. Informatik-Studenten mit Anwendungsfach BWL sind gerade die recht kurzlebigen Vorgängerprojekte des Think Positive e.V. und der Augsburger Lesben- und Schwulen Organisation (ALSO) sowie diverse Versuche von Lambda Bayern mahnende Beispiele. "Es funktioniert nichts ohne volles Engagement für die Sache, vor allem am Anfang", unterstreicht Martin.

Auch der direkte Vorgänger, aus dem Queerbeet Augsburg hervorgegangen ist, soll nicht vergessen werden: Der Schwullesbische Jugendtreff in Augsburg formierte sich im August 2006 und hatte einen vergleichsweise guten Start, doch bald trat eine Stagnation ein. Richtig professionell zogen das Projekt aber erst Martin und Jasmin ab Herbst 2007 auf. Gerade Jasmin konnte ihre Erfahrungen aus dem Lehrgang, auf dem sie die Jugendleiter-Card (Juleica) erworben hat, einbringen. Die Juleica ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter in der Jugendarbeit, die zur Legitimation und als Qualifikationsnachweis der Inhaber gilt. Auch war ihr Pädagogikwissen aus dem Lehramtsstudium hilfreich. So fand eine gewisse Arbeitsteilung statt: Während sich Martin um die Kontakte zu den Studenten bemühte und einen Netzauftritt entwarf, sind der Name und das Logo auf Jasmins Kreativität zurückzuführen. Zusammen standen sie die ersten schweren Monate durch, bis Lucas als dritter Leiter Anfang 2008 zu ihnen stieß.

Schnelle Fortschritte

Bald war ein eingetragener Verein gegründet, eine Kooperation mit Lambda Bayern abgeschlossen und die Aufnahme in den Stadtjugendring gelungen. "Es gab da nur zwei Gegenstimmen, aber die belasten uns nicht weiter", erklärt der Zivildienstleistende Lucas. Die jetzige Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring sei gut, man habe nur positive Erfahrungen machen können. Martin betont: "Wenn wir etwas brauchen, können wir jederzeit auf den Stadtjugendring zurückgreifen, das ist sehr entlastend."

Um zukünftig noch professioneller zu werden, entschieden sich die drei Leiter für eine weitere Vernetzung mit Lambda Bayern, die mit dem Frühjahrsvernetzungstreffen 2007 quasi begann. Lambda Bayern sieht sich nämlich als Anlaufstelle für alle schwuLesBischen Jugendgruppen des Bundeslandes. Die Ausbildung der Gruppenleiter findet über Lambda statt, deren Gruppenleiterkurs einen guten Ruf genießt und die strengen Anforderungen des Deutschen Bundesjugendrings (DBJR) für die Ausstellung einer JuLeiCa (Jugend-Leiter-Card) erfüllt. Dieser Kurs schließt ebenso spielerische Elemente ein, welche auch in Augsburg eingesetzt werden. Zur Auflockerung wird am Beginn des Gruppenabends ein Aufwärmspiel veranstaltet. Die dadurch entstehende positive Stimmung trägt sich dann über den gesamten Abend. Vor allem erleichtert dies auch Neuankömmlingen, mit denen Martin, Jasmin und Lucas jederzeit rechnen, das Kennenlernen und die Integration. Natürlich ist hier gerade das Fingerspitzengefühl der Leiter gefragt.

CO ist selbstverständlich

Queerbeet sieht sich heute als Anlaufstelle für soziosexuelle Minderheiten. "Wobei", grinst Lucas, "wir natürlich auch für Mehrheitsgruppen offenstehen es soll sich ja niemand diskriminiert fühlen." Die Hilfe beim Coming-Out ist dabei für die Leiter selbstverständlich, aber nicht der einzige oder vordergründige Zweck. "Queerbeet bietet ein breitgefächertes Freizeitangebot, es ist eigentlich für jeden etwas dabei", bekräftigt Martin. Tatsächlich werden Spiele- und Themenabende (z.B. zur Geschichte der Homosexualität, zu HIV und Aids sowie zu den Simpsons) geboten, ebenso wie Bowling, Gemeinschaftskochen, Filmabende, aber auch gemeinsame Besuche von umliegenden Jugendgruppen. Der Vernetzungsgedanke findet sich hier einmal mehr wieder.

Gleichzeitig stoßen die offenen Stammtische, die alle zwei Wochen stattfinden, auf einen ziemlichen Zuspruch. Bei gutem Wetter wurden im Café Corso schon über zwanzig Mitglieder und Freunde Queerbeets gesichtet, die fast den gesamten Außenbereich des Lokals für sich in Anspruch nahmen. Die gute Stimmung dort konnte auch die Kellnerin nicht trüben, die der Gruppe für andere Gäste den einen oder anderen Tisch abrang.

Queerbeet ist noch jung, aber mit einem engagierten Team wie dem aus Martin, Jasmin und Lucas sowie absolut netten und humorvollen Mitgliedern wird sich die Jugendgruppe weiter fest in Augsburg etablieren können. Reinschauen lohnt sich auf jeden Fall Spaß ist garantiert.

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Weitere Quellen: Alexander