Mit den Eltern in die Schwulengruppe

Redaktion Von Redaktion
Mit den Eltern in die Schwulengruppe
queerblick e.V.

Wie sah ein Coming Out in den 70ern aus? Entertainer Thomas Hermanns erzählt von seinen Erfahrungen, dass die Schwulendisko der Feind war und er an der Seite der Hippies kämpfte.

Millionen Deutsche kennen ihn vom Quatsch-Comedy-Club oder als das breiteste Lächeln des deutschen Showbusiness: der Entertainer Thomas Hermanns. Auf der Bühne hat er stets einen Witz auf den Lippen und vergöttert ABBA gern einmal öffentlich.

Vielen ist klar: Der Hermanns, der ist doch schwul. Und sie haben Recht: 2008 heiratete Hermanns den Medienunternehmer Wolfgang Macht. Aber das ist auch alles, was aus dem Privatleben des Strahlemanns zu erfahren ist. Ansonsten wird seine Sexualität nicht öffentlich thematisiert. Zumindest bisher nicht.

Für den Verein Coming-Out-Day e.V, dessen Schirmherr Thomas Hermanns ist, trat er nun vor die Kamera. Dort erzählt er über sein Schwulsein und die Erfahrungen, die er als Jugendlicher gemacht hat. Den Weg zum Outing - vom Kinderzimmer ins Wohnzimmer- empfand er als "die längsten zehn Meter, die man laufen kann." Aber seine Eltern reagierten gelassen.

Schon zwei Monate später gingen sie in die schwule Jugendgruppe in Nürnberg, um Thomas Hermanns bei seinen Travestie-Auftritten zuzuschauen. Überhaupt waren Hermanns erste Schritte in der Szene anders als für viele Schwule und Lesben heute. Gemeinsam mit Hippies malte er Plakate und kämpfte für die Freiheit von Schwulen und Lesben.

Und so verwundert es, dass Thomas Hermanns heute gar nicht hippiemäßig in schrillen Glitzeranzügen auf der Bühne steht. Dabei war selbst "die klassische Schwulendiskothek der Feind. Das war Subkultur, die unsere Unterdrückung unterstützt. Da durfte man gar nicht hin." Trotzdem blieb er der ein oder anderen Partynacht dort nicht fern.

So viel Spaß und Glück Thomas Hermanns auch mit seinem Outing hatte, bedauert er eine Sache. Im Gegensatz zur heutigen Generation von schwulen Jugendlichen konnte er sich damals nicht vorstellen, später einmal Kinder zu haben. Mittlerweile sei das für ihn zu spät. Aber gerade deshalb schätzt er die heutige Generation von schwulen Jugendlichen, die mit mehr Rechten und Möglichkeiten aufwachsen.
 
Was Thomas Hermanns sonst noch zu erzählen hat, gibt es im Video zu sehen.

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Weitere Quellen: queerblick e.V.