"Mit der Kussszene hatte ich kein Problem"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Mit der Kussszene hatte ich kein Problem"
anyway

Der Film "Zwei Gesichter" vom "Julian"-Team feiert bald Premiere. Die Schauspieler erzählen über die Dreharbeiten, die Arbeit mit echten Stars und die Kuss- und Intimszenen.

Es ist die erste Hauptrolle für David Brückner und sofort muss der 22-jährige Nachwuchsschauspieler einen Mann küssen, obwohl er eigentlich hetero ist. "Ich hatte gar kein Problem mit der Kussszene", sagt der 22-Jährige überzeugend. "Aber die Intimszene, das war eine richtige Hemmschwelle. Richtig krass." Im Film spielt er Jonathan, einen jungen Fußballprofi. Er lebt sein Schwulsein nur geheim aus mit Nicklas zum Beispiel, seinem Lover. Nicklas wird gespielt vom 18-jährigen Lean Fargel. "Ich fand die Kussszene viel intimer. Ich habe mir vorgestellt, dass du ein Mädchen bist", sagt er zu seinem Kollegen David. Beide müssen lachen. Auf die Frage, ob er denn wenigstens gut geküsst habe, antwortet Lean nichts. Seine Blicken verraten alles das gesamte Team lacht.

Man merkt den jungen Schauspielern an, dass sie sich auf Anhieb gut verstanden haben. An sieben Drehtagen haben sie "Zwei Gesichter" gedreht. Der Film stammt vom selben Team, das auch schon "Julian junge liebe anders" produziert hat. In Zusammenarbeit mit der Film- und Videoproduktion moviio wurde ein Kurzfilm produziert, der die Geschichte eines jungen, schwulen Fußballers auf dem Weg in eine Profikarriere erzählt. Mit dem etwa 25-minütigen Film sind die Jugendlichen und jungen Erwachsenen vom Jugendzentrum anyway in Köln noch professioneller geworden. "Wir hatten über 80 Komparsen, viele Drehortwechsel und große Motiven wie das Kölner Südstadion", sagt Regisseur Christian Schäfer in seiner gewohnt bodenständigen Art. Man könnte meinen, das Team sei nach dem bahnbrechenden Erfolg von "Julian" abgehoben doch weit gefehlt.

anyway/Patricia Ahrens
Das Team am Set.

Das Team am Set.

Noch mehr bekannte Gesichter


Wie auch schon bei "Julian" unterstützen wieder erfahrene Profi-Schauspieler den Film. Mit dabei sind Klaus Nierhoff, der Julians Vater gespielt hat, und Hanno Friedrich, bekannt aus der TV-Serie "Sechserpack". "Hanno hat immer gute Laune am Set verbreitet", sagt Glen, der das Drehbuch geschrieben hat. "Es war wirklich interessant, mit Leuten zu spielen, die schon richtig im Business sind", sagt Lean. Der 18-Jährige studiert Schauspiel in Alfter und war schön öfter am Jungen Theater Bonn auf der Bühne. "Zwei Gesichter" ist sein erstes Filmprojekt. Leopold Klieeisen, der den besten Freund von Jonathan spielt, war schon in "Hanni und Nanni 3" im Kino zu sehen. Trotzdem hat auch der 18-Jährige sehr von der Arbeit mit erfahrenen Schauspielern profitiert. "Neben solchen Stars fühlt man sich wirklich wie das kleinere Licht", findet auch David, der von "den Großen" aber auch so einiges gelernt hat.

Lernen mussten David und Lean auch, wie man sich in einen schwulen Charakter hineinversetzt. "Es war anders, neu und natürlich interessant", sagt David, "außerdem war es ja keine typische Klischeerolle." Denn Fußball und Schwulsein, das widerspricht sich in vielen Köpfen noch immer. Von den Schauspielerkollegen bekamen David, Lean und Leopold Klieeisen, der den besten Freund von Jonathan spielt, aber meistens nur positives Feedback. "Gut, manche haben einen Spaß daraus gemacht", sagt David leicht genervt. "Es kamen die typischen Fragen und darauf die typischen Antworten." Dabei sei es doch ein ernstes Problem, über das man keine Witze machen muss.

anyway/Patricia Ahrens
Bei den Dreharbeiten.

Bei den Dreharbeiten.

Aus dem Super-GAU wird ein großes Glück


Egal wie gut sich das Team auf den Dreh vorbereitet hat, vor unvorhersehbaren Ereignissen waren sie nicht sicher. Einmal haben sie am Abend vorher erfahren, dass sie am nächsten Tag nicht auf den Rasen im Stadion können, sondern auf den Ascheplatz ausweichen müssen, "Das war der Super-GAU", erinnert sich Glen, "alleine schon wegen der hohen Verletzungsgefahr." Der Ascheplatz stellte sich jedoch als großes Glück heraus: "Durch den aufwirbelnden Staub hatte das eine super Stimmung."

Die Zuschauer ahnen gar nicht, wie viel Arbeit in einem Film steckt, der am Ende knapp 25 Minuten lang ist. Das 25-köpfige Team hat im Januar angefangen, das Drehbuch zu schreiben, die Schauspieler zu casten und den Dreh zu organisieren. Im Frühjahr wurde gedreht, "zum Teil bis vier Uhr nachts", wie sich Christian erinnert. "Nur weil Drehschluss im Plan steht, heißt das noch lange nicht, dass wir fertig sind." Am 20. November, elf Monate später, feiert "Zwei Gesichter" Premiere im Sport- und Olympiamuseum in Köln. Mit dabei sind Vertreter der DFB-Kulturstiftung, des DFB, des Fußball-Verbandes Mittelrhein, des Come-Together-Cup und des Coming Out Day, die das Projekt sowohl finanziell als auch ideell fördern. Danach soll der Film online gestellt werden und später auch auf Festivals laufen.

Doch mit der Premiere lehnen sich die Filmemacher keineswegs zurück: Das anyway-Filmteam hat schon viele neue Ideen. "Zurzeit arbeiten wir schon an einem neuen Projekt. Eins können wir schon verraten: Es wird wieder eine Webserie und wird Kuntergrau heißen" , ergänzt Jonas Fohrbeck, der auch bei allen drei Staffeln von "Julian" mitgewirkt hat. Es geht um eine Clique schwuler Jungs im Alter von 18 bis 22. Sie leben in Köln und schlagen sich durch den Alltag und die Wirren der Szene auf der Suche nach Freundschaft, Liebe und Sex.

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