Münchner Streetboys

Redaktion Von Redaktion

Dass Fußball kein reiner Heterosport ist, das beweisen die Streetboys aus München. Ein Fußballteam der besonderen Art, denn jeder der etwa 50 Spieler ist schwul. Wir haben uns den Verein ein wenig angeschaut.

Die Fußball WM steht vor der Tür und eingefleischte Fans sitzen schon jetzt auf glühenden Kohlen. Doch Vorurteilen zum Trotz freuen sich nicht nur Heteros auf die WM - es gibt auch genügend Schwule, die sich ebenso für Fußball interessieren. Darunter die Jungs der Streetboys, einem schwulen Fußballteam aus München. Sie zeigen uns, dass Fußball nicht nur unter Heteros gespielt wird.

"Den meisten sieht man nicht an, dass sie schwul sind"

Nils ist seit 2003 mit dabei. Neben seiner Funktion als Mittelfeldspieler übernimmt er die Promotion und ist verantwortlich für den Internetauftritt. Er ist durch Zufall auf die Streetboys gestoßen. "Ich habe jemanden in einer Kneipe getroffen, der mir dann von dem Verein erzählt hat. Konnte es anfangs gar nicht glauben!", erzählt Nils im Interview.
Die Geschichte der Streetboys beginnt im Februar 1994. Damals entschied sich eine Hand voll Hobbykicker dazu, eine Fußballmannschaft der besonderen Art auf die Beine zu stellen. Aus anfänglich 5-6 Spielern ist mittlerweile ein eingetragener Verein mit gut 50 Mitgliedern geworden.

Wer jetzt aber denkt, die Jungs gehen geschminkt auf den Platz und bewerfen sich mit Watte, der irrt sich gewaltig. "Den meisten sieht man nicht an, dass sie schwul sind. Weder auf dem Platz noch außerhalb.", antwortet Nils auf die Frage, ob auch richtige "Beautyqueens" mit auf dem Spielfeld stehen. "Man sieht nur wenigen auf dem Platz an, dass der Ball sie mehr beherrscht als sie den Ball. Das bildet eher die Ausnahme"

Von regelulärem Ligabetrieb bis hin zu den OutGames

Gespielt wird im offiziellen Ligabetrieb der B-Klasse. Dafür trainieren sie auch zweimal die Woche. Und der Fleiß wird belohnt: Die Jungs können mit nationalen und internationalen Erfolgen glänzen, auch wenn es derzeit nicht ganz so rund läuft und man im Ligabetrieb im ungewohnten Abstiegskampf steckt. In der Liga wird nur gegen Heterovereine gespielt. International kann man die Streetboys jedoch zu den besten schwulen Mannschaften der Welt zählen. Und die Zukunft sieht nicht weniger Interessant aus. Ende April gehts nach Hamburg zum Alstercup, einem schwulen Hallenfußballturnier. Den Saisonabschluss bildet ein Mini-WM-Turnier in Karlsruhe. Im Juli gehts sogar zu den OutGames nach Montreal und für manche auch nach Chicago zu den GayGames. Die OutGames und GayGames sind eine Art  "schwule Olympiade". Hier werden neben Fußballturnieren zum Beispiel noch Badminton-, Schwimm- oder Volleyballturniere angeboten.

Players wanted!

"Trotz allem sind wir froh über jeden neuen Spieler, den wir für uns gewinnen können!", sagt Nils im Interview. "Wahrscheinlich wissen viele Jungs gar nicht, dass es schwule Fußballclubs gibt, trainieren in Heterovereinen - und verstecken sich oder besitzen das Vorurteil, Schwule hätten kein Fußball zu spielen." Bist du auch interessiert? Informationen zur Mannschaft und Kontaktmöglichkeiten findest du auf der Homepage der Streetboys, die unter unserem Artikel verlinkt ist.

Doch nicht nur in München besteht die Möglichkeit einem schwulen Fußballverein beizutreten. In vielen Ballungsgebieten gibt es Vereine. In Köln kicken die "anyway-Hotshots", für Bielefeld sind die Kicker von "Warminia Bielefeld" am Start und in Berlin flitzen die Spieler von "Vorspiel Berlin" über den Platz - und das ist nur eine kleine Auswahl an Vereinen. Über google lassen sich noch weit mehr finden!

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Weitere Quellen: Quelle: Streetboys; Bilder: Streetboys, Photocase