Preisgekrönt

Redaktion Von Redaktion
Preisgekrönt
Indigo

Engagement für eine gute Sache lohnt sich. Das beweist die schwule Jugendgruppe Indigo mit ihren Leitern Dirk und André, die schon kurz nach ihrer Gründung eine Auszeichnung erhielten.

Für den Wettbewerb mit Pfiff des Kreisjugendrings Pinneberg hatten sich André und Dirk im vergangenen Sommer ordentlich ins Zeug gelegt: Um 12 Uhr begann ihr Programm "Indigo Day mit Pfiff", zu dem Livemusik, Theatereinlagen, schwule Kurzfilme sowie Häppchen gehörten.

Auch eine Podiumsdiskussion mit Politiker und Theologen über "Adoption durch Homosexuelle" hatten sie zusammen und Dank Finanzierungshilfe der örtlichen Sparkasse auf die Beine gestellt. So hofften sie, mit Indigo, ihrer schwulen Jugendgruppe für 14- bis 21-Jährige, den ersten Platz zu belegen.

Der Wettbewerb ist speziell zur Förderung und öffentlicher Würdigung jugendlichen Engagements im Ehrenamt gedacht.

Indigo
Mit Plakaten wird die Zielgruppe offensiv angesprochen.

Mit Plakaten wird die Zielgruppe offensiv angesprochen.

Der stärkste Farbton

Die Gründung Indigos Anfang 2011 in Elmshorn geht auf den 21-jährigen Dirk zurück. Weil er bei seinem Coming-out relativ alleine da stand, beschloss er, dass es anderen in der gleichen Situation nicht genauso gehen sollte. In André, der mit seinen 19 Jahren bereits als Industriekaufmann fest im Berufsalltag steht, hat er einen passenden Mitstreiter gefunden.

Der Name "Indigo" selbst stamme aus der Metaphorik, erklärt Dirk: "Indigo ist der letzte Farbton, den das menschliche Auge sehen kann. Trotz des Daseins als Randfarbe (= Randgruppe) ist er dennoch, gemessen an den Wellenlängen, der stärkste Farbton. Wie auch Indigo, möchten wir zwar als Randgruppe verstanden werden, dennoch sind wir stark."

Für beide war ihr eigenes Coming-out nicht einfach, sowohl André als auch Dirk brauchten Zeit, um zu sich selbst zu finden und zu stehen. Während Dirk sein eigenes Verhalten bis ins Detail streng überwachte, versuchte André fast schon krampfhaft sich in Mädchen zu verlieben, weshalb er einen hohen "Frauenverschleiß" hatte.

Doch das äußere Coming-out verlief für beide dann problemlos, auch bei Dirk, der sich wegen seines Vaters große Gedanken gemacht hatte. Diese Erfahrungen wollen sie gemeinsam für andere durch Indigo nutzbar machen.

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Das gemütliche und moderne Jugendcafé des Apollo dient als Treffpunkt Indigos.

Das gemütliche und moderne Jugendcafé des Apollo dient als Treffpunkt Indigos.

Altersgrenze von Mitgliedern selbst festgelegt

Bei ProJugend Elmshorn e.V., der als Organisation engagierten Jugendlichen für die Umsetzung ihrer eigenen Ideen und Projekte eine Plattform bietet, stieß man auf offene Ohren. Man stimmte dem Konzept, das Dirk, der ein duales Studium absolviert, ausarbeitete, zu und übertrug ihm und André die Leitung. Seitdem trifft sich einmal wöchentlich jeden Sonntag Indigo um 17 Uhr im Jugend- und Kulturcafé Apollo in Elmshorn.

Die Anwesenden sind dabei recht jung, so bewegen sich die Jüngsten in einem Alter zwischen 14 und 15, die Ältesten sind 20. Die Altersgrenze von 21 Jahren kam dabei durch die Mitglieder selbst zustande. "Eine Altersgrenze von 27 Jahren war unseren jungen Mitgliedern zu alt, neben diesen würden sie sich unwohl fühlen", berichtet André von den Bedenken der jüngsten Mitglieder.

Zudem gebe es Hamburg für die Älteren als Anlaufstation, dies sei für die Jüngeren in aller Regel keine Option vor allem wegen Geldmangels. Daher läge auf der Schwerpunkt der Gruppe in der Region. "Mit Hamburg wollen wir definitiv nicht konkurrieren", hält Dirk fest. Er ist sich auch selbst bewusst, dass er bald die Grenze überschreiten wird. "Dann müssen wir eben einen Nachfolger finden", meint er ganz nüchtern.

Dennoch sei man flexibel. Letztlich käme es auf die Person, deren Persönlichkeit und natürlich die Gruppe selbst an, ob man nicht beispielsweise doch einen 25-Jährigen teilhaben lasse.

Als Gruppe des Projugend e.V. genießt Indigo die nötige Unterstützung, aber auch Freiheit. Niemand der zu Indigo geht, muss dem "Dachverein" beitreten und kann dennoch das kostenlose Angebot annehmen, sich einbringen, Verbesserungen vorschlagen oder auch kritisieren. Die stetige Verbesserung ist den beiden Leitern wichtig, da nur so die Jugendlichen mitgenommen werden könnten.

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Für den Indigo Day mit Pfiff schafften sich die Jungs extra eigene T-Shirts an: Hier Gruppenleiter André.

Für den Indigo Day mit Pfiff schafften sich die Jungs extra eigene T-Shirts an: Hier Gruppenleiter André.

Gestaltung und Mitarbeit aller

Facebook als soziales Netzwerk ist dabei für Indigo ein wichtiges Werkzeug: Dort stellt man sich nicht nur öffentlich dar, sondern die geschlossene Gruppe, in der alle zu finden sind, dient der Organisation, Kommunikation und Diskussion. "Geschlossen ist sie zum Schutze der Mitglieder sie sollen bei Facebook nicht an den Pranger gestellt werden", erklärt André.

"Natürlich finden auch Planungen bei unseren regelmäßig Treffen statt", ergänzt Dirk. Das sei effektiver als eine reine online Organisation. Zudem seien die Treffen ja auch öffentlich und damit für wirklich jeden transparent und öffentlich. Als "Macher" wollen er und André aber nicht gelten: "Alle arbeiten an Indigo mit und gestalten so die Gruppe, denn mehr Köpfe denken besser als einer und so kriegen wir zudem viele nützliche Infos. Und wir können feststellen: Das Mitarbeiten macht den Mitgliedern Spaß."

Was man so dann gemeinsam unternimmt, liegt also ganz in den Händen der Gruppenmitglieder. So war man zusammen schon auf der GayVention, dem Hamburger CSD, besuchte die Gay-Filmnacht und ging auch mal Bowlen oder nahm sich andere Gruppenspiele vor. Zudem standen DVD- Abende immer mal wieder auf dem Programm. Im Zentrum stehen aber immer der Austausch, die Diskussion und die Hilfe über Probleme rund um die Themen Coming-out und Homosexualität.

Vernetzung = A und O

Um ihre Zielgruppe zu erreichen, verwendet Indigo nicht nur Facebook und den eigenen Netzauftritt. Indigo ist bei Lambda unter den Gruppen aufgeführt, bei hamburg.gay-web.de befindet sich ein Eintrag, natürlich auch auf der Homepage von Pro Jugend Elmshorn. Doch auch ganz ordinäre mit Flyern, die unters Volk gebracht werden. Die lokale Presse um Elmshorn unterstützt Indigo auch, schon mehrfach erschienen dort Artikel, die auf Indigo direkt, aber auch indirekt aufmerksam machen.

Indigo
Am Indigo Day im Jugendzentrum Apollo war alles ordentlich vorbereitet.

Am Indigo Day im Jugendzentrum Apollo war alles ordentlich vorbereitet.

Für André ist das nicht nur Öffentlichkeitsarbeit: "Gutes Netzwerkeln ist einfach vonnöten, es ist das A und O. Wir möchten, dass jeder Jugendliche auf den thematischen Seiten auf uns stößt, um uns zumindest in Betracht ziehen zu können." Was leicht klinge, sei aber teils schwerer als erwartet. Denn: "Netzwerke und Kontakte müssen aufgebaut und gepflegt werden. In der sozialen Arbeit profitiert jeder von jedem und so müssen wir uns auch darum kümmern, unsere Partner voran zu bringen", erläutert der Industriekaufmann.

So sei der Kontakt zu Lambda auch eng, mit denen man für die Leiter Schulungen durchführen wolle. Auch mit dem magnus-hirschfeld-centrum, Hamburgs lesbisch-schwulem Zentrum für Beratung, Kommunikation, Kultur und Jugend, stehe man in Kontakt.

Wirken über die Gruppe hinaus

Das Engagement bleibt aber nicht auf den Gruppenrahmen beschränkt. Vor allem Dirk ist motiviert, weiter auszugreifen, indem er auch an die Schulen geht, um dort Homosexualität im Philosophieunterricht zu thematisieren. "Bei der Bildung beginnt die Emanzipation", ist der Student überzeugt.

Dass gerade zu Beginn die Hürden hoch sind, wissen die beiden Leiter Indigos. Die Etablierung eines schwulen Jugendtreffs in Großstadtnähe benötigt Kondition sowie auch eine gewisse Abhärtung der Verantwortlichen.

Doch seit ihrer Gründung war die Resonanz eigentlich nur positiv. Es seien nur wenige Stimmen gewesen, die sich missgestimmt oder verärgert darüber zeigten, dass eine solche Gruppe existiere, erklärt der Student Dirk.

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Die Preisverleihung für den Indigo Day war ein besonderer Höhepunkt für die Jungs aus Elmshorn: Sebastian, André, Dirk (v.l.n.r.)

Die Preisverleihung für den Indigo Day war ein besonderer Höhepunkt für die Jungs aus Elmshorn: Sebastian, André, Dirk (v.l.n.r.)

  1. Platz errungen!

    Die Preisverleihung zum KJR-Wettbewerbs im Dezember wurde dann mit Spannung erwartet. Doch viele Hoffnungen hatte der 21-jährige Dirk eigentlich nicht mehr: "Die Beteiligung war nicht so groß, wie wir sie uns eigentlich gewünscht hatten." Doch dann kam doch die Überraschung: Indigo machte den zweiten Platz und zum ersten hatte auch nicht viel gefehlt. Die 500 Euro, die mit der Auszeichnung verbunden sind, kann Indigo gut gebrauchen.

    Im Blick haben die beiden Leiter da ihre Bibliothek, die sie begonnen haben, anzulegen, da es Bücher und Filme gegeben habe, die sowohl ihnen bei ihrem eigenen Coming-out weiterhalfen. Diese seien aber teuer. "Wir bauen daher eine kleine Bibliothek auf, in der die Jugendlichen auch von den Medien profitieren können", erläutert André.

    Das Ausbaupotential ließe aber noch viel Spielraum nach oben. Doch Spenden, Eigenanschaffungen und kleine Zuschüsse seien sehr nützlich. "Wir freuen uns ziemlich über jegliche Unterstützung, die wir in diesem Bereich erfahren können, damit wir unser Angebot ausbauen können", bekundet der Dirk.

    Die gewonnenen 500 Euro sollen ihnen dabei helfen. Auch sehen Dirk und André diesen überraschenden Gewinn als Ansporn: "Diese Ehre, diese Anerkennung gibt uns Mut und Kraft. Wir danken allen, die uns auf diesem unglaublichen Weg unterstützt haben!", bekunden sie einhellig.
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