"Unsere Jugendlichen sollen bei uns mitreden!"

Redaktion Von Redaktion

Während des Sommerfestes von Uferlos - Schwulen und Lesben in Bamberg e.V. traf dbna auf die Bamberger Jugendgruppe Uferlos Young und erfuhr mehr über lesbischwule Jugendarbeit in Oberfranken.

Groß, bunt und fröhlich springt einem das Plakat von Uferlos Young, der LesBiSchwulen Jugendgruppe Bambergs, gegenüber der Staatlichen Berufsschule II ins Auge. Anläßlich des Tags der Jugend, der vom Stadtjugendring Bamberg organisiert wird, wollen so auch Christian, Markus und Dominik, die den Vorstand von Uferlos Young bilden, offensiv auf ihren Stand dort aufmerksam machen. Drei Schlagworte ragen aus dem Plakat heraus: Coming-Out-Hilfe, Jugendarbeit, Fun.

Dieser seit gut 5 Jahren regelmäßig stattfindende Tag der Jugend soll dabei aber nicht nur uferlos-young, als Plattform dienen, sondern allen Jugendgruppen und -verbänden ohne politischen Hintergrund die Möglichkeit bieten, sich selbst vorzustellen. Gruppen-Chef Christian, der bereits seit 2002 der Gruppe angehört, ist von dem positiven Nutzen dieser Veranstaltung überzeugt: "In der Zeit nach dem Tag der Jugend können wir immer wieder einen vermehrten Zugriff auf unsere Internet-Seite feststellen." Aber auch Reaktionen von Lehrern und Schülern bestätigen den 26-Jährigen in seiner Auffassung: "Dank dem Tag der Jugend werden wir von beiden Gruppen um Info-Material gebeten."

Skepsis bei kirchlichen Jugendvertretern

Dass sich Uferlos Young allerdings auf dieser Stadtjugendring-Veranstaltung zeigen darf, war nicht immer so klar. Als die Gruppe den Antrag auf Aufnahme in den Stadtjugendring stellt, waren die kirchlichen Jugendvertreter mehr als skeptisch. Dennoch konnte man sich durchsetzen. "Inzwischen besteht eine wirklich gute Zusammenarbeit, letztendlich auch vor allem seit wir uns auch in die Vorstandsarbeit des Stadtjugendrings einbringen", stellt Christian fest, der dort stellvertretender Vorsitzer ist.

Aber nicht nur auf im Stadtjugendring herrschte skeptisch. Als Uferlos Young sich 1997 gründete, befürchtete man auch bei uferlos e.V., dem Hauptverein für Schwule und Lesben in Bamberg, eine Abspaltung. Letztendlich hat sich das aber nicht bewahrheitet. "Wir sind sehr unabhängig, haben eine eigene Kasse und eine eigene Satzung, aber wir sind immer noch eine Untergruppe von uferlos e.V. wobei die Zusammenarbeit eng und problemlos verläuft", hält Dominik, der wie auch Markus seit 2005 dabei ist und sich inzwischen als Schriftführer nützlich macht, fest.

Initiative der Mitglieder mehr als erwünscht

Regelmäßig kommen die Mitglieder der Jugendgruppe am 1. Dienstag des Monats ab 20 Uhr in der Galerie am Stephansberg zu einem offenen Stammtisch zusammen, wobei dort die Altersgrenze aufgehoben ist. Die sonstigen, unregelmäßigen Treffen sind ansonsten auf das Mitgliedsalter (16-25) beschränkt. Der 22-jährige Dominik erklärt das so: "Wir machen diese außerordentlichen Treffen auf Nachfrage unserer Mitglieder, wobei (fast) alle Ideen willkommen sind. Uns ist die Eigenbeteiligung wirklich wichtig." Und Christian ergänzt: "Unsere Jugendlichen sollen bei uns mitreden. Wir sind von unten nach oben organisiert und daher von den Ideen unserer Mitglieder abhängig. Als Leiter sehen wir uns nur als Sprachrohr für die Jugendlichen."

Als die Überlegung im Raum stand nach der Raucherclubgründung im Stammtischlokal von Uferlos Young das Lokal zu wechseln, wurden dann auch die Mitglieder gefragt. "Für uns Leiter war ein wenn auch reduzierter Mitgliedsbeitrag für einen Raucherclub nicht akzeptabel und zudem eine Mitgliedschaft nicht mit dem Jugend- und Gesundheitsschutzgedanken vereinbar, eben weil bei uns  auch Minderjährige zu den Mitgliedern zählen," erzählt Markus, der 26jährige Kassenwart der Gruppe. Anfangs habe es auch kein Verständnis von Seiten der Lokalinhaber gegeben, als der Beschluss fiel, nicht mehr in diese Szenebar zu gehen. Nun ist man seit über einem Jahr in der Galerie am Stephansberg. Beschwerden? "Keine!" stellen alle drei einstimmig fest.

Öffentlichkeitsarbeit Plus

Bei dieser Entscheidung der Mitglieder spielte auch der Öffentlichkeitsgedanke eine Rolle. "Wir hätten uns auch in nicht-öffentlichen Räumen treffen können. Wir wollten aber die Öffentlichkeit", betont Markus. Die Öffentlichkeitsarbeit spielt für die Gruppe eine entscheidende Rolle. So beteiligt man sich auch an dem Kanada-Projekt von Lambda-Bayern. Dabei besuchen fünf kanadische Schüler, die alle schwul, lesbisch oder bi sind, im September das Bundesland Bayern, wo sie Aufklärung an Schulen betreiben und währenddessen von einem Fernsehteam begleitet werden. Dabei führt sie ihr Weg aufgrund des Engagements von Uferlos Young auch nach Bamberg. Ein Empfang mit dem Oberbürgermeister wie auch ein Schulbesuch sind vorgesehen. "Das beweist, dass sich die enge Zusammenarbeit mit Lambda Bayern, die auch für unsere Jugendgruppenleiterausbildung zuständig sind, lohnt", zeigt sich Christian überzeugt. Und auch sonst ist man präsent: Stände zu den CSDs in Würzburg und Nürnberg sind selbstverständlich.

Als Teil der Öffentlichkeitsarbeit kann man auch die Planetpink sehen eine Party, die von Uferlos Young in Bamberg organisiert wurde. Natürlich soll dabei auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommen. Nachdem man aus dem Bamberger Jugendzentrum JUZ quasi hinausbefördert wurde, da den Betreibern des JUZ der Altersdurchschnitt zu hoch war, suchte man sich schließlich einen komerziellen Disko-Betreiber. "Allerdings", räumt Markus ein, "liegt die Party derzeit auf Eis." Da in der Umgebung, also vor allem Nürnberg und Würzburg, inzwischen recht viele Szene-Partys stattfänden, fehle es mit der Zeit an Kundschaft. "Für uns war es auch immer Ziel mit dieser Party unsere Jugendarbeit zu finanzieren. Aber wenn Besucher ausbleiben und wir in die roten Zahlen rutschen, ist das kontraproduktiv", erklärt der Kassenwart. Auch die Absprache mit dem Partyorganisator konnte das nicht ändern. "Wir beobachten das aber weiter und werden es auch sicherlich wieder probieren." Davon ist Christian überzeugt.

Zukunft? Rosig!

Dass sich Durchhaltevermögen auszahlt, hat Uferlos Young in seiner 12jährigen Geschichte selbst erleben dürfen. Nachdem sich einige Mitglieder wegen Unzufriedenheit und Unstimmigkeiten abspalteten und die Gruppe "queerdenker" gründeten, zeigt man sich davon nicht irritiert und machte weiter. Tatsächlich hielten die queerdenker nicht lange durch und ging wegen interner Streitigkeiten bald von selbst ein.

Erfreut zeigt sich Dominik über die Entwicklung in den letzten Jahren: "Wir kriegen inzwischen vermehrt Anfragen von ganz jungen." Der jüngste Stammtischbesucher sei dementsprechend auch 15 und habe kein Problem mit dem sonstigen Altersdurchschnitt von knapp 22 Jahren. Christian fügt hinzu: "Die Gruppe ist ausgewogen und ist fähig Neulinge gut zu integrieren, so dass wir mit den bestehenden Altersunterschieden keine Probleme haben." Aufgrund der ländlichen Region seien eher Beziehungen unter Gruppenlingen hin und wieder problematisch, was sich aber über die Zeit auch relativere.

Die Jungs von Uferlos Young haben auf jeden Fall keinen Grund sich entmutigen zu lassen, die Geschichte der Gruppe spricht für sich. Da die Gruppe auch fleißig beim Sommerfest des "Muttervereins" Uferlos e.V., mit dem man den 30.Geburstag des Hauptvereins feierte, mithalf, dürfte der Erfahrungsschatz nützlich sein, um damit selbst in drei Jahren den eigenen 15. Geburtstag groß zu begehen hoffentlich mit einer Vielzahl neuer Gesichter bis dahin.

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: dbna - du bist nicht allein e.V.