Alpha aus Zweibrücken

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Alpha aus Zweibrücken
Alpha

Alpha (19) aus Zweibrücken erzählt von Mobbing in der Schule, dass seine Mum ihn nach dem Coming-out rausgeschmissen hat und wie er das erste Mal Schnee gesehen hat. Unser dbna'ler des Monats März.

Im September fängst du eine Ausbildung zum Krankenpfleger an. Wieso hast du dich dafür entschieden?


Ich habe gerne mit Menschen zu tun und finde es einfach interessant, etwas über den menschlichen Körper herauszufinden. Berührungsängste habe ich dabei überhaupt nicht. Außerdem kann ich den Job gut von meinem Privatleben trennen. Ich will alles, was im Krankenhaus passiert, auch dort lassen und nicht mit heim nehmen.



Vor deinem Coming-out hattest du ziemlich große Angst. Wieso?


In meiner Familie geht Schwulsein einfach nicht. Das hat kulturelle Gründe, meine Mutter kommt aus der Elfenbeinküste. Wir sind Moslems über Schwulsein redet man da einfach nicht.



Du bist auch in der Elfenbeinküste geboren. Mit acht kamst du dann nach Deutschland. Wie war das?


Ich war total aufgeregt! Es war ja eine komplett neue Welt für mich. Ich bin im Januar gekommen, das weiß ich noch genau, weil es kurz vor meinem Geburtstag war. Ich habe mich so auf den Schnee gefreut, den kannte ich sonst ja nur aus dem Fernsehen. Ich wollte endlich wissen, wie er sich anfühlt! Als es kurze Zeit später wirklich geschneit hat, habe ich mich voll gefreut. Aber ich war auch aufgeregt wegen der vielen neuen Menschen, der Sprache. Ich war ganz verrückt, alles neu kennenzulernen.

Alpha

Du konntest ja kein Deutsch, musstest also wieder in die erste Klasse. Wie war deine Schulzeit?




Das erste Jahr war wirklich das schwierigste. In der Schule habe ich nicht so gute Erfahrungen gemacht. Ich musste Beleidigungen und Schläge einstecken, ich war ein Außenseiter, bis ich in die dritte Klasse kam. Irgendwann habe ich mit Karate angefangen, weil ich es mir nicht mehr gefallen lassen wollte, was die anderen gesagt und gemacht haben. Mit elf sind wir dann von Saarbrücken nach Zweibrücken umgezogen. Dort wurde alles besser.



Wurdest du wegen deiner Hautfarbe diskriminiert?




Auf jeden Fall. Von Anfang an. Schon in der ersten Klasse hat das angefangen. Als Kind 
nimmt man das ja ganz anders war. Ich kannte Rassismus ja gar nicht, ich dachte, jeder würde damit klarkommen. Ich finde es komisch, dass man jemanden runtermacht für etwas, wofür er gar nichts kann. Ich habe mit meiner Mutter darüber geredet. Sie hat mit meinen Lehrern darüber gesprochen. Die haben aber nicht wirklich geholfen. Sie haben gesagt, sie würden das nicht mitbekommen. Das war echt blöd für mich, weil sie mir nicht geglaubt haben. Ich denke aber eher, dass die Lehrer es nicht sehen wollten, um nichts damit zu tun zu haben.



Was denkst du, wenn du heute von Pegida-Demonstrationen hörst, bei denen viele Menschen gegen Ausländer auf die Straße gehen?




Ich finde es traurig. Sie sind gegen Menschen, die anders aussehen oder aus einem anderen Land kommen. Was können die dafür? Ich finde es zwar wichtig, dass man sich integriert, einlebt und zum Beispiel die Sprache lernt. Aber dass man heutzutage noch mit Ausländern Probleme hat, verstehe ich einfach nicht.

Alpha

Wann warst du das letzte mal in der Elfenbeinküste?


Das war 2010. Ich habe noch ein paar Tanten und andere Verwandte dort. Die meisten wohnen aber in Europa: In Paris und in Italien zum Beispiel, überall in der Welt verteilt. Es war etwas komisch und anders dort. Zu der Zeit waren die Straßenkämpfe bereits voll im Gange. Das war krass, das mit anzusehen. Da kann man wirklich froh sein, nicht mehr dort zu leben. Der größte Unterschied zwischen Deutschland und der Elfenbeinküste sind die Menschen: Hier lebt jeder so für sich selbst, dort lebt man wie eine große Familie. Jeder hilft jedem und alle verstehen sich. Es ist eine große Gemeinschaft.



Du hast gesagt, du hattest große Angst vor deinem Coming-out. Wie war es denn?


Es war nicht schön. Ich hatte einigen Stress deshalb. Ich würde es nicht noch einmal machen wollen. Ich habe es meiner Mum gesagt, ohne lange nachzudenken. Ich habe es ihr einfach so ins Gesicht gesagt. Hätte ich zu lange überlegt, was ich sage, hätte ich es wohl doch nicht gesagt. Sie hat mich dann rausgeschmissen. Ich habe drei Wochen bei einer Freundin gewohnt, bis wir miteinander telefoniert haben. Sie hat gesagt, sie hätte noch Probleme damit, aber will es versuchen.


Und wie ist es heute?


Es ist viel lockerer. Wir haben viel darüber geredet. Es ist cool, weil ich nicht gedacht hätte, dass sie so viel besser damit umgehen kann. Es ist kein Tabu-Thema mehr. Heute bin ich echt froh, dass ich es ihr gesagt habe.



Du hattest schon eine zweijährige Beziehung. Wie habt ihr euch denn kennengelernt?


Wir waren damals beide 13 und haben uns über Freunde kennengelernt. Später kam er auch in meine Klasse und wir haben uns immer besser kennengelernt. Anfangs ist alles noch echt gut gelaufen, aber später würde es echt blöd. Wir haben uns auseinander gelebt. Außerdem hatte er falsche Freunde und er hat mich angelogen. Wir sehen uns heute noch manchmal, aber haben nicht wirklich etwas miteinander zu tun.



Wie muss denn dein Traummann sein, damit es noch länger hält?


Die Frage ist böse! Das finde ich echt schwer Er muss auf jeden Fall ein lustiger Typ sein. Und es muss halt einfach passen. Auf jeden Fall stehe ich auf große, sportliche Männer. Sonst lege ich mich beim Äußeren nicht so sehr fest. Er muss ehrlich und treu sein eine offene Beziehung kommt nicht in Frage. Und er soll auch mal über sich selbst lachen können und nicht immer alles so ernst sehen. Ich will einfach locker und offen mit ihm reden können.

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Weitere Quellen: Alpha/Privat