Chris (22) aus Hamburg

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Chris (22) aus Hamburg

Chris will Mr. Gay Germany werden. Im Interview erzählt er, wieso ihm der Titel wichtig ist, wovor er Angst bei seinem Coming-out hatte und was er von einer offenen Beziehung hält.

Chris, wieso möchtest du Mr. Gay Germany werden?

Ich habe den Castingaufruf hier bei dbna gesehen und fand es irgendwie interessant. Es ist ja nicht nur eine Miss-Wahl, sondern man kann da wirklich was bewegen. Außerdem fand ich es für mich persönlich spannend zu sehen, wie weit ich es schaffen kann. Ich sehe es als Herausforderung und ich will sehen, ob ich dem gewachsen bin. Eine Art Feedback an mich selbst.

Es geht also um mehr als nur gutes Aussehen?

Auf jeden Fall. Wer sich bewirbt und weiterkommt, der muss verschiedene Challenges bestehen.  Beim Vorentscheid mit den besten 35 gab es zum Beispiel ein Interview und einen schriftlichen Test. Die besten zwölf kamen ins Halbfinale.

Und du warst einer von ihnen. Herzlichen Glückwunsch! Was musstet ihr denn im Halbfinale machen?

Auch da gab es wieder ein Interview vor der Jury, eine Sportchallenge, ein Fotoshooting und einen Fragebogen zu LGBTIQ*-Themen. Außerdem musste jeder seine Kampagne vorstellen. Ich habe mir eine ausgesucht, mit der ich mich besonders gut identifizieren kann: Bei mir geht es um die Probleme rund ums Coming-out. Ich habe dazu einen Kurzfilm gedreht. Er handelt von den Ängsten, die Jugendliche vor dem Coming-out haben. Ich will damit vor allem Außenstehenden zeigen, welche Probleme da auf einen zukommen. Denn die können sich gar nicht vorstellen, wie schwer es viele Jungs haben. Mir ist es wichtig, dass sie ihre Ängste überwinden können. Deshalb will ich zeigen, dass man eben nicht alleine ist. Man macht sich selbst zu viel Druck.

Chris
Treue ist für Chris die Priorität Nummer Eins bei einem Partner.

Treue ist für Chris die Priorität Nummer Eins bei einem Partner.

Das kam anscheinend gut an, denn du hast es unter die Top 8 und damit ins Finale geschafft. Wie ist denn die Stimmung unter den Kandidaten? Ihr seid ja immerhin Konkurrenten.

Wir gehen total gut miteinander um. Das ist überhaupt nicht wie im Fernsehen bei Germanys Next Topmodel oder so. Wir verhalten uns eher kumpelhaft. Ich habe auch tolle neue Leute kennengelernt. Die sind alle super gut drauf und haben einen tollen Charakter. Ich komme mit allen zurecht. Darüber bin ich auch mega froh drum. Aber natürlich kann nur einer gewinnen.

Und du bist siegessicher?

Das ist eine gute Frage. Eine berechtigte Frage (lacht). Ich investiere echt viel in die Sache, wie die anderen wohl auch. Die sind echt gut, wirklich. Ich stecke viel Zeit und Energie rein und rechne mir schon gute Chancen aus. Aber ich gönne es allen anderen auch. Wir sitzen ja alle im selben Boot. Natürlich will ich aber selbst gewinnen.

Wie reagiert denn dein Umfeld auf den Wettbewerb?

Die wussten nicht, wie groß das wird, und ich wusste es ja selbst nicht. Aber alle finden es super. Sogar Leute, mit denen ich lange nichts zu tun hatte, schreiben mir, dass sie Respekt davor haben. Dass meine Freunde hinter mir stehen, gibt mir erst die Motivation. Die sind ganz, ganz wichtig für mich. Und sie sind auch meine Inspiration. Jetzt müssen wir zum Beispiel für die Kampagne ein T-Shirt designen. Da bringen sie auch neue Ideen mit rein. Das ist super wichtig.

Chris
Seine Freunde und Familie unterstützen seine Bewerbung als Mr. Gay Germany.

Seine Freunde und Familie unterstützen seine Bewerbung als Mr. Gay Germany.

Du hast gesagt, dass dir das Thema Coming-out sehr am Herzen liegt. Wie war denn dein eigenes?

Angefangen habe ich bei meiner Mutter. Nach meinem Realschulabschluss waren wir zusammen essen. Da war ich 17. Auf einmal meinte ich, dass ich ihr etwas erzählen müsste, nämlich dass ich eine Beziehung habe. Da hat sie gefragt, mit wem. "Mit einem Jungen", habe ich geantwortet. Sie hat ganz cool reagiert. Ich habe sogar noch gefragt, ob sie nichts dagegen hätte. Sie hat sogar, wie Bubbles aus "Little Britain", "Champagner für alle!" gerufen. Das fand ich total lustig und werde ich nie vergessen.

Und bei deinen Freunden?

Da war es nicht so schwer. Vor allem bei meinen Freundinnen war es kein Problem. Bei meinen Kumpels habe ich mir etwas länger Zeit gelassen. Aber auch da ist alles gut gegangen. Ich finde es super, dass da niemand was gesagt hat.

Welche Ängste hattest du vor deinem Coming-out?

Ich hatte Angst, dass meine Kumpels mich ausgrenzen oder das Gefühl haben, ich könnte auf sie stehen. Ich hatte mega Angst, dass sie nichts mehr mit mir machen wollen. Bei meiner Familie hatte ich Angst, dass sie mich anders behandeln. Mein Bruder ist ein typischer Sohn: Er spielt Fußball, hat eine Freundin und so. Und ich bin eben anders, da wusste ich nicht, wie sie reagieren. Aber es gab zum Glück ja nie Probleme.

Wer hat dich denn beim Coming-out unterstützt?

Vor allem Freundinnen aus der Schule. Sie haben mich motiviert, zu mir zu stehen. So konnte ich endlich zu mir stehen und die Wahrheit sagen. Dann musste ich mich und andere nicht mehr anlügen. Man baut sich selbst innerlich so einen Druck auf, da finde ich es ganz wichtig, jemanden zu haben, der einem Rückendeckung gibt. Denn man braucht keine Angst zu haben.

Chris
Sein Coming-out verlief problemlos. Trotzdem weiß er, dass sich viele Jugendliche schwertun.

Sein Coming-out verlief problemlos. Trotzdem weiß er, dass sich viele Jugendliche schwertun.

Bist du eigentlich in der Szene unterwegs?

Ab und an gehe ich mal schwul feiern oder in einer schwule Bar. Und meine Hetero-Freunde kommen auch gerne mit. Sie sagen, Schwule machen die besten Partys (lacht). Ich gehe nicht jedes Wochenende aus, aber schon manchmal. So viel kann man in Hamburg aber nicht machen. Ich fände es nicht schlecht, wenn es ein bisschen mehr geben würde, wie in Köln oder Berlin. Dann hätte man mehr Vielfalt.

Wie muss dein Traummann aussehen?

Gute Frage (lacht). Ich bin ja schon seit eineinhalb Jahren single. Er sollte auf jeden Fall Persönlichkeit haben. Einen Typen habe ich eigentlich nicht. Ob er zum Beispiel blond oder braunhaarig ist, ist mir total egal. Meine Priorität Eins ist Treue. Da bin ich sensibel, weil ich einige schlechte Erfahrungen gemacht habe. Außerdem sollte er lustig sein und sportlich. Denn ich liebe Sport. Insgesamt ist mir der Charakter aber super wichtig. Aber die Erfahrung macht wohl jeder: Nur weil jemand gut aussieht, bringt einem das nichts, wenn der Charakter schlecht ist.

Dir ist Treue sehr wichtig. Könntest du dir eine offene Beziehung vorstellen?

Niemals, nie im Leben! Wenn ich mit jemandem eine Beziehung führe, dann ist das Zweisamkeit und nicht Dreisamkeit. Ich investiere Zeit und Kraft in die Beziehung und das will ich nicht teilen. Es gibt ja viele Leute, die das machen, und das ist absolut okay, aber für mich ist das überhaupt nichts.

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