dbna'ler des Monats – Februar 2011

Redaktion Von Redaktion
dbna'ler des Monats – Februar 2011
privat, mattjeacock-istockphoto.com

dbna'ler des Monats Februar ist Eric. Er ist 17 und kommt aus Gera. dbna hat ihm einige Fragen gestellt...

War Dein Coming-out mit negativen Ereignissen verbunden?
Eric: Mein Coming-Out selber war total entspannt. Meine Mutter kam nach Andeutungen von selbst darauf. Außerdem sagte ich ihr, dass ich jemanden kennengelernt hätte und ich mit offenen Karten spielen wollte. Dieses zu verheimlichen wäre für mich eine nervliche Tortur gewesen. Erst später kamen die Folgen dazu: Der Freund meiner Mutter ist rechtsradikal.

Ich kam mit seiner Einstellung nie so wirklich klar, was mich sogar soweit brachte, dass ich einfach von Zuhause weg wollte. Ich bin schnurstracks einfach zu meinem neuen Freund gezogen, nach Saarbrücken, und das mit 16. Damals war mir nicht bewusst, dass das nie hätte klappen können. Aber zurück wollte ich auch nicht. Seitdem lebe ich bis zum heutigen Zeitpunkt in einem Heim aber dennoch auf freiwilliger Basis. Und es geht mir gut hier. Ich bin froh darüber. Und ich danke den Menschen, die mir hier helfen.

Wie war die Reaktion deiner Eltern, als du dich geoutet hast?
Eric: Ich habe es nicht beiden gleichzeitig erzählt. Zuerst outete ich mich mit 15 bei meiner Mutter. Sie stand in der Küche und kochte etwas. Ich hatte ziemlich Angst und zitterte überall. Sie war eigentlich immer sehr konservativ eingestellt und daher wusste ich, dass ich es ruhig angehen sollte. Ich habe Andeutungen gemacht. Und dann nach fünf Minuten kam sie selbst drauf und fragte mich: "Du bist doch nicht doch etwa ..." und ich halt: "Jaaaa."

Sie lief sofort ins Wohnzimmer und lachte erst einmal. Naja, es war eher ein weinendes Lachen. Aber ... ich fand diese Reaktion weitaus besser als eine total unlogische Antwort wie: "Ach, das sind nur deine Hormone."
Alles in allem hat sie es gut aufgenommen. Meinem Vater hab ich es erst mit 16 erzählt und der fand dies überhaupt nicht schlimm. Er findet es nur schade, dass er keine Enkel haben wird. Aber die kriegt er bestimmt ... irgendwie ...

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Eric (17) aus Gera

Eric (17) aus Gera

Ergänze den Satz: "Familie bedeutet mir..."
Eric: ... sehr viel. Ich meine, was soll ich da jetzt auch noch sagen? Da ich nie irgendwie das Gefühl hatte, eine zu haben, möchte ich mir diese selbst aufbauen. Das wird schwierig und vor allem als Homosexueller. Aber ich glaube daran und ich glaube auch daran, dass jemand diese Einstellung teilt. Und meine Vorstellung ist es nicht, einen Freund zu haben, der unseren eventuellen Hund als Kinderersatz versteht.

Wie stellst du dir dein Leben in zehn Jahren vor?
Eric: In zehn Jahren? Ich weiß nicht. Ich hoffe, dass ich mein Leben in den Griff bekomme. Ich arbeite zurzeit sehr hart daran. Aber ich möchte jetzt nichts Genaues planen und das sollte generell keiner. Das Leben ist nicht vorhersehbar. Aber es wäre wünschenswert, wenn ich mein Fachabitur hinkriege und ich nicht allzu lange brauche, um mal jemanden gescheites kennenzulernen.

Es ist nicht so, dass ich niemanden finde, aber viele überzeugen einfach nicht. Lieber bleibe ich lange solo, als mir einen Idioten nach dem anderen zu holen und mich selber damit fertig zu machen.

Was war bisher die peinlichste Situation, die du selbst durchlebt hast?
Eric: Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich schmunzeln. Ich war damals in der Schule und bei uns auf dem Pausenhof gab es einen Kiosk. Ich wollte mir dort etwas kaufen und griff in meine Jackentasche. Als ich das Geld dann rauszog, habe ich einen unbenutzten Tampon mit herausgezogen und jeder hat es gesehen. Ich frage mich bis heute, wie der da reingekommen ist.

Sex und Liebe sind für dich was?
Eric: Liebe ist für mich wichtig. Sex gehört nur irgendwo dazu und spielt keine große Rolle. Ich glaube, dass ich schon mal richtig verliebt war. Und dieses Gefühl macht einen total glücklich. Dennoch geht man ein großes Risiko ein. Entweder ist man total glücklich oder todunglücklich. Und mit dem Tod kann man es dann auch etwas genauer nehmen. Meine erste Liebe wurde leider nicht bestätigt. Und es fühlte sich relativ grausam an. Erst dann konnte ich die Leute verstehen, die sich deswegen verletzen oder auch den Suizid als Option sehen.

Ich wette, dass viele, die das lesen, auch dieses Gefühl schon einmal hatten. Ein höllischer Druck lastet in einem und man weiß nicht, wie man diesen Druck loswird. Man wird fast verrückt, kriegt Krämpfe und auch Nervenzusammenbrüche. Das hört sich alles sehr dramatisch an und deswegen auch an die Skeptiker: Wartet ab bis ihr diese Erfahrung macht. Und dennoch ... Liebe ist etwas Wunderbares. Man muss nur aufpassen, wem man sein Herz schenkt. Natürlich gibt es nie eine Bestätigung, aber man versucht ja auch nicht, eine zu kriegen. Die muss von selbst kommen. Und darauf sollte man achten.

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Eric (17) aus Gera

Eric (17) aus Gera

Was darf für dich in eine Beziehung niemals vorkommen?
Eric: Untreue wäre da das Thema Nummer 1. Ich weiß nicht, ob man von gegenseitiger Liebe sprechen kann, wenn man sie mit jemand fremdem teilt. Es sollten generell einfach keine Ausrutscher passieren. Wenn man keine Gefühle mehr hat und man mit jemanden anderes etwas machen möchte, egal in sexueller Beziehung oder nicht, dann wäre die Entscheidung, Schluss zu machen, natürlich die richtige. Erst einmal braucht man sich nicht mehr mit der alten Beziehung herumquälen und dem anderen geht es dann auch besser, als wenn man ihn betrügt.

Auch Gewalt, nicht nur körperlich sondern auch seelisch, wäre ein Tabu. Wenn mich mein Freund schlagen würde, würde ich knallhart zurückschlagen. Ich habe schon zu viele Erfahrungen gemacht, um mir solche Dinge gefallen zu lassen.

Aber es muss ja nicht nur der Partner sein. Fehler macht man auch selber, ohne es zu merken. Einfach mal an die eigene Nase fassen und über sich nachdenken. Ein klärendes Gespräch am Ende muss sein.

Welcher Augenblick war für dich bisher der romantischste?
Eric: Es klingt vielleicht ein bisschen langweilig, aber ich stand mit jemand auf einer Burg und wir haben über die Stadt geschaut. Es war schön warm und die Sonne ging unter. Die Stadt erstrahlte in einem roten Licht und er umarmte mich von hinten. Wir streichelten uns ein wenig und plauderten über allgemeine Dinge. Es war einfach wunderschön. Ich fühlte mich total verstanden und gleichzeitig geborgen. Schade nur, dass ich so einen Moment nur einmal hatte.

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Ergänze den Satz: "In der Öffentlichkeit ist Händchen halten mit
meinem Freund für mich..."
Eric: kein Problem. Es ist schwierig überhaupt jemanden zu haben, der das auch möchte oder damit kein Problem hat. Klar wird man manchmal noch doof angeschaut. Vor allem hier in meiner Stadt, in Gera. Es gibt nun einmal Vorurteile, aber damit muss man umgehen können. Mir selbst macht es nichts aus. Die Meinung der anderen ist mir, was das angeht, ziemlich egal.

Wenn du jemanden kennenlernst, auf was achtest du besonders?
Eric: Äußerlich muss er mir schon gefallen aber ich hab keine großen Erwartungen. Niemand ist perfekt. Ein hübsches Gesicht sollte er haben und ich hab da meine eigenen Vorstellungen. Zuerst schaut man ihn vielleicht an und denkt sich: "Naja, ist ganz ok." Aber nach einiger Zeit schaut man genauer hin und auf einmal fällt einem das wunderschöne Lächeln oder die zarten weichen Augen in dem recht strengen Gesicht auf. Erst dann fällt mir auch auf, wie wunderschön dieser Mensch ist.

Das ist aber leider oder auch zum Glück nicht alles. Nicht jeder schöne Mensch ist auch von innen so schön. Ich achte besonderes darauf, wie ich mich mit ihm verstehe und ob sich ein kennenlernen überhaupt lohnt. Wenn es ein totales Arschloch ist, lass ich es gleich bleiben. Aber wenn jemand auf meiner Wellenlänge ist und ich merke, wie er ungefähr tickt, dann kann ich schauen, ob sich etwas entwickeln kann. Nicht die Schönheit entscheidet, wen man liebt. Die Liebe entscheidet, wen man schön findet.

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