dbna’ler des Monats: Konstantin (15) aus Wuppertal

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
dbna’ler des Monats: Konstantin (15) aus Wuppertal

dbna/Konstantin

Der Schüler liebt es, sich die Haare kunterbunt zu färben und sich zu schminken. Am Anfang hat sein Umfeld sehr negativ reagiert, doch mittlerweile haben sich alle daran gewöhnt. Sein Hobby würde er am liebsten zum Beruf machen.

Konstantin, welche Haarfarbe hast du gerade?

Gerade habe ich lilafarbene Braids drin, das sind eine Art reingeflochtene Rastazöpfe. Die kommen aber am Wochenende wieder raus, weil ich dort auf einer Party bin und dort Locken tragen will. Die Braids habe ich immer wieder mal drin, die kann man häufiger verwenden.

Wann hast du angefangen, dir die Haare so bunt zu färben?

Mit Ende 13 ungefähr. Angefangen habe ich mit einer einzelnen blonden Strähne, auch wenn das bescheuert klingt (lacht). Dann habe ich mir die kompletten Haare kükenblond gefärbt. Danach silberfarben und dann ging es los mit den Farben. Mittlerweile habe ich ausnahmslos alle Farben durch.

Wieso machst du das?

Einerseits denke ich, dass meine natürliche Haarfarbe langweilig ist. Außerdem stehen mir bunte Haarfarben einfach besser, finde ich. Ich kann nicht die ganze Zeit auf ein und dieselbe Farbe starren. Ich versuche alles mögliche mit meinen Haaren, immer eine andere Farbe, mal heller, mal intensiver.

Wie hat dein Umfeld reagiert?

Am Anfang war das in der Schule eine komplette Katastrophe. Ich wurde ausgegrenzt und habe blöde Sprüche gehört. Mittlerweile bin ich aber begeistert davon, wie krass akzeptiert das wird. Jetzt ist es normal und die ganze Schule stellt sich darauf ein, dass ich alle zwei bis drei Wochen eine neue Haarfarbe habe. Meine Eltern sind ganz am Anfang, als ich mir mein erstes Ohrloch selbst gestochen habe, komplett ausgerastet. Meine Mutter findet jeden Schmuck schwul und damit erst einmal schlecht… Aber jetzt mittlerweile hat sich das gelegt.

Das klingt, als wäre deine Mutter nicht so begeistert gewesen, als du dich geoutet hast?

Mit Anfang 14 habe ich ihr irgendwann gesagt, dass ihr Sohn schwul ist. Anfangs meinte sie, das sei nur eine Phase und dass jeder mal experimentiert. Jetzt hat sie kapiert, dass es keine Phase ist. Sie akzeptiert das

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Ist das ein Thema bei euch in der Familie?

Nicht wirklich. Ich habe seit sieben Monaten einen Freund und sie weiß davon. Ich darf auch bei ihm übernachten. Anfangs war sie kritisch, aber jetzt ist alles im grünen Bereich. Nur er kann nicht bei mir übernachten, das will meine Mutter nicht, auch wegen meines kleinen Bruders.

Wo hast du deinen Freund kennengelernt?

Wir kennen uns seit über zwei Jahren und haben uns auf einer Anime Convention kennengelernt. Wir haben öfter miteinander geredet und sind uns irgendwann nähergekommen. Das Tolle an der Anime-Szene ist, dass niemand dort etwas gegen Schwule hat. Viele feiern das sogar.

Du sagst, dass dein größtes Hobby Make-up ist. Wie kommst du dazu?

Make-up ist auf jeden Fall mein größtes Hobby! Wie man ja auch auf meinen Bildern sieht, ist Make-up für mich eine Leidenschaft, eine richtige Kunst. Das Gesicht ist eine riesengroße Leinwand, die bemalt werden möchte. Angefangen hat das mit 13 in der Emo-Szene mit einem ganz leichten Kajal. Dieses Jahr seit den Osterferien mache ich das professioneller und ich glaube, dass ich das mittlerweile ganz gut mache

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Trägst du auch im Alltag Make-up?

Ja, eigentlich jeden Tag - mit Freude. Immer das volle Programm: Puder, Concealer, Foundation, Lidschatten – eigentlich alles, je nach Lust und Laune mal mehr oder mal weniger. Ich kann auch ein richtig bunter Vogel sein. Dafür brauche ich so eine halbe bis ganze Stunde. Das heißt leider: Früh aufstehen, die Lieblingsbeschäftigung des Schülers (lacht).

Ist es dir das wert?

Auf jeden Fall. Ich weiß nicht, ich habe da so eine kleine Freiheit für mich entdeckt. Da kann ich so sein, wie ich möchte, wie ich es mir ausgesucht habe. Dabei ist mir auch komplett egal, ob es den anderen gefällt. Ich mache da mein Ding.

Wie reagieren die Leute auf dein Make-up?

Viele Mädels sagen, dass ich das falsch mache, obwohl sie es selbst falsch machen (lacht). Was Make-up angeht, habe ich ein Idol, nämlich den YouTuber Marvyn Macnificent. Der ist auch schwul und Make-up-Artist und bei dem ist auch nicht alles perfekt. Was ich so an ihm mag ist, dass er so lebt, wie er ist, und sich nie für jemanden verändern würde.

Kommen auch wirklich negative Reaktionen auf dein Make-up?

Ja, hin und wieder kommt was, aber das ist nicht wirklich schlimm. Viele Jungs in meiner Schule sind da eher ruhig, da konnte ich mir Respekt verschaffen. Die machen da keinen Stress. Auf der Straße höre ich manchmal Kommentare von Leuten, die ich nicht kenne. Andere kichern, wenn ich vorbeilaufe. Aber ich habe auch total viele positive Kommentare bekommen: Dass ich ein cooles Make-up habe oder geile Haare, wie ich das mache, wer mein Friseur ist und so weiter. Dabei mache ich alles selbst (lacht).

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Teilt dein Freund deine Leidenschaft?

Er liebt es auch, sich die Haare zu färben, und schminkt sich auch. Aber viel, viel weniger als ich. Einmal durfte ich ihn für ein YouTube-Video auf meinem Kanal auch schminken. Auf YouTube möchte ich auch ein Vorbild für andere sein, weil ich selbst gemerkt habe, dass ich dort damals einige hilfreiche Videos gefunden habe.

Könntest du dir vorstellen, das auch beruflich zu machen?

Ja, weil ich glaube, dass ich wirklich Potenzial dazu habe. Mir macht das so viel Spaß, wieso sollte ich das nicht zu meinem Job machen. Es gibt verschiedene Wege, Make-up-Artist zu werden, weil es kein staatlich anerkannter Beruf ist. Zum Beispiel über eine private Schule, die kostet aber 6000 Euro. Ich will aber bei Douglas eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann machen, wofür ich gerade auch schon fleißig Bewerbungen schreibe. Da kann man dann viele Aus- und Fortbildungen zu Make-up machen.

Du gehst auch regelmäßig zu einer Jugendgruppe. Welche ist das?

Das ist die Gruppe BJ Wuppertal, das steht für bunte Jugend und ist eine Gruppe für LGBTIQ* bis 27. Ich bin da öfter, weil das wie eine Art Sicherheitsraum für mich ist. Da sind Leute, die mich verstehen. Ein richtiger Schutzraum, wo ich auch hingegangen bin, als es mir schlecht ging. Da konnte ich über alles reden. Man trifft sich dort zum Quatschen, manchmal gibt es auch Aktivitäten. Bald haben wir eine Weihnachtsfeier, wir backen, im Sommer gehen wir campen…

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