dbna’ler des Monats: Nico (20) aus Kreimbach-Kaulbach

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
dbna’ler des Monats: Nico (20) aus Kreimbach-Kaulbach

Nico/dbna

Der Auszubildende kämpft noch immer mit der Trennung von seinem Freund, die ihn in ein richtiges Loch gestürzt hat. Für ihn war er die erste große Liebe. Doch die Trennung hatte auch etwas Gutes, erzählt er im Interview.

Nico, mit 17 hast du dich ganz unfreiwillig geoutet. Wie kam das?

Ein Mädchen hat sich zu der Zeit in mich verknallt, aber ich mich nicht in sie. Ihre Mutter hatte aber den richtigen Riecher und den Verdacht, dass ich schwul sei. Das hat sie meinem Vater erzählt – und der meiner Mutter. Die hat mich dann gefragt, und ich meinte: Ja, so ein bisschen… Ich wollte eigentlich schon länger sagen, dass ich schwul bin, aber habe mich nie getraut. Ich habe mich lange nicht damit auseinandergesetzt. Meine Eltern hatten dann aber absolut kein Problem damit und mich gleich nach Kaiserslautern zur Aidshilfe geschleppt, weil es da immer mittwochs einen queeren Treff gibt. Dort wurde ich mit dem Thema Homosexualität dann das erste Mal konfrontiert. Ich erfuhr dort von dbna. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt, habe mich aber dann gleich registriert.

Dann hast du auch die ersten schwulen Jungs im echten Leben kennengelernt.

Genau. Vor meinem Coming-out wollte ich das gar nicht, aber dann war es raus und ich war total fixiert darauf, einen Freund zu haben. Ich habe einige Jungs gedatet, bei ein paar habe ich ein bisschen was gefühlt, aber es wurde nichts Ernstes daraus

dbna/Nico

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Das hat sich erst geändert, als du deinen Exfreund kennengelernt hast.

Wir haben auf dbna geschrieben und uns zwei Wochen später auch dort in der Aidshilfe getroffen. Danach ist er noch mit zu mir. Er ist immerhin extra aus Mainz hergefahren und weil ich in der Nähe von Mainz arbeite, konnte ich ihn am nächsten Tag mitnehmen. Das Wochenende darauf haben wir uns wieder gesehen und dann immer öfter. Ich bin eigentlich eher ein Einzelgänger, der viel für sich alleine macht, aber er war der erste, der nicht nur ein Partner, sondern auch ein bester Freund für mich war. Wir waren wie ein Reißverschluss, der perfekt ineinandergepasst hat. Besser hätte ich mir das nicht vorstellen können.

Durch ihn hast du dich auch auf der Arbeit geoutet.

Ich mache eine Ausbildung als Zerspanungsmechaniker. Das ist ein reiner Männerberuf, Frauen gibt’s in meinem Betrieb eigentlich gar keine. Aus diesem Grund habe ich mich dort auch nicht geoutet – bis mein Freund kam. Wir waren sehr eindeutig auf meinem WhatsApp-Profilbild als Pärchen zu erkennen. Ein Kollege hat das gesehen und so kam das raus. Ich war aber so überglücklich mit ihm, dass mir total egal war, was andere darüber denken. Eigentlich ist es mir das auch. Ich bin komplett geoutet. Nur auf der Arbeit kam das mit meinem Exfreund erst raus und nun weiß es jeder. Negative Kommentare gab es dazu allerdings keine. In der Berufsschule ist einer, der meint, mich damit jetzt aufziehen zu müssen, aber das ist mir auch egal. Solchen Leuten begegnet man schließlich immer wieder mal

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Was hast du mit deinem Freund unternommen?


Wir haben so gut wie jeden Tag aufeinandergehockt. Ich habe oft bei ihm geschlafen, er war aber auch oft bei mir. Ich habe ihm immer beim Fußball zugeschaut und sonst waren wir sehr viel auf Tour. Bevor wir zusammen waren, war er nicht bei seinen Eltern geoutet, aber nach einer Woche hat er mich ihnen dann vorgestellt. „Das ist mein Freund“, hat er zu seiner Mutter gesagt. Die hat das sofort verstanden, auch weil sie schon länger vermutet hatte, dass er schwul ist. Sie hat mich auch richtig gemocht, das habe ich gemerkt.

Dann wart ihr zusammen im Urlaub…

Ja, das war ganz spontan. Wir hatten die Idee, für ein Wochenende wegzufahren, und seine Mutter hat sofort nach Städten und Hotels gesucht. Wir waren dann für ein langes Wochenende in Hamburg und an der Ost- und Nordsee. Das war ein richtig tolles Wochenende und wir haben gleich geplant, dass wir bald wieder zusammen Urlaub machen wollen

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Doch nach sechs Wochen hat er Schluss gemacht.

Er war mit seinen Eltern im Urlaub auf Gran Canaria. Erst habe ich überlegt mitzufliegen, aber ich hatte wenig Zeit und es war teuer. Wir haben dann jeden Tag vier- bis fünfmal telefoniert. Bis zu diesem einen Tag, aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe mich einfach gefreut, dass er bald wieder da ist. Als ich ihn dann Anfang September in Mainz am Bahnhof abgeholt hab, habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Er hat mir bei sich zu Hause dann gesagt, dass er im Urlaub jemand anderen kennengelernt hat. 

Wie hat sich das für dich angefühlt?

Das kam so unvorhergesehen. Ich musste mich erstmal zwei Wochen auf der Arbeit krankmelden. Es ging gar nichts mehr. Ich habe gemerkt, wie sehr ich in ihn verknallt war, und er war es in mich ja auch. Er hat immerhin zuerst „Ich liebe dich“ gesagt. Doch plötzlich hatte ich seine Nähe nicht mehr. Ich bin dann noch ein paar Mal zu ihm gefahren, aber er war nie Daheim. Drei Tage nach der Trennung habe ich ihn nochmal angerufen und so geheult. Ich habe gefragt, ob es denn vorbei sei, und er hat nur Ja gesagt. Ich habe später sogar mal mit seiner Mutter telefoniert, aber was sollte die schon machen. Ich habe noch oft angerufen, aber er hat mich immer weggedrückt. Dann hat mir sein Neuer eine Sprachnachricht geschickt, in der er mich richtig beleidigt hat. Dass er mir sowas antut, geht nicht in meinen Kopf

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Wie bist du mit der Trennung umgegangen?

Zuerst wollte ich mit niemandem mehr etwas zu tun haben und keine neuen Leute kennenlernen, aber dann bin ich doch wieder zu dem queeren Treff in Kaiserslautern gegangen und bin auch mal nach Mainz zu einer schwulen Jugendgruppe. Das war auf jeden Fall gut. Aber meine Eltern waren auch sehr wichtig. Ich war ja daheim nur am Heulen und hatte nachts auch Ausbrüche. Nach ein paar Wochen hat sich das gelegt. Ich weiß, dass ich ihn irgendwann verarbeitet habe, und ich freue mich auf den Tag, wenn es soweit ist. Ab und zu kommt es immer noch hoch und ich bin deprimiert. Das große Heulen ist aber vorbei.

Was ist dein Tipp für andere mit so großem Liebeskummer?

Meine Eltern haben schon lange zu mir gesagt, ich sollte doch mal ins Fitnessstudio gehen. Die Trennung war wie ein Arschtritt, das auch zu machen. Ich bin nun schon neun Wochen dort und will auf jeden Fall weitermachen. Meine Schwester hat neulich sogar gesagt, man würde schon eine Veränderung sehen. Eigentlich bin ich überhaupt kein Sport-Typ, ich habe nie etwas gemacht. Aber das Fitnessstudio macht richtig Bock und lenkt ab. Mir ist da neulich sogar ein Junge aufgefallen. Ich habe noch nie einen Fremden einfach so angesprochen, aber da dachte ich mir: Scheiß drauf. Ich habe ihn dann ganz direkt gefragt ob er schwul ist. Er hat gelacht und leider gesagt, dass er es nicht ist. Aber er fühlte sich von mir geschmeichelt (lacht). 


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