dbna'ler im August

Redaktion Von Redaktion
dbna'ler im August
dbna, privat

Trashy (23) aus Hainburg ist unser dbna'ler des Monats August. Er spricht über sein Coming-out, Treue und Musik.

Trashy, wann und wie hast du selbst festgestellt, dass du auf Männer stehst?
Trashy: Als ich vor sehr langer Zeit zum ersten Mal in den Spiegel blickte, stand mir ein Mann gegenüber mit schönem blonden langen vollem Haar und einem wunderschönem Kussmund. Als ich genauer hinsah merkte ich, dass der Typ anders aussah als Mama. Die Jahre vergingen und ich sah den Mann jeden Tag im Spiegel und verliebte mich in ihn...

dbna

Naja,  genauso genommen wusste ich schon immer, dass ich auf Männer stehe. Ich schaute immer den Jungs hinterher und liebte längere Haare. Aber ich mochte keine Mädchenfrisuren, auch wenn ich früher selbst fast aussah wie eines . In jungen Jahren machte ich dann schon auf Klassenfahrten oder Sprachreisen erste Erfahrungen mit Jungs, redete mir aber immer, ein ich sei hetero.

Mit 13 war ich in England auf Sprachreise und da war ein sehr süßer Typ. An einem langen Abend am Strand gestand ich mir und ihm in leicht alkoholisiertem Zustand, dass ich mich in ihn verknallt hätte. Ab diesem Tag war ich bi, und mit 18 gestand ich mir nach etlichen gescheiterten Beziehungen mit Mädchen ein, dass ich schwul bin und Mädchen nur im angezogenem Zustand hübsch anzusehen sind.

Bei wem hast du dich zuallererst geoutet?
Trashy: Zuerst hatte ich mich bei dem Junge geoutet, danach verbreitete sich natürlich alles wie ein Lauffeuer. Aus Angst vor Reaktionen begann ich es bei den meisten Menschen zu leugnen, die mich darauf ansprachen, was allerdings nicht sehr viel nutzte.

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War dein Coming-out mit negativen Ereignissen verbunden?
Trashy: Mein Comingout war mit negativen Ereignissen belastet sowie China mit seinem CO2-Ausstoß unsere Umwelt belastet. Ich denke, es ist einfach das übliche, man hat mit vielen unreifen Menschen zu tun, die Angst haben, weil man "anders" ist, dabei ist es meist die Angst, auch selbst "anders" zu sein. Freunde verließen mich, ich war die Schwuchtel, der Gaylord und wurde mit Vorsicht behandelt. Auf Freizeiten wollten einige nicht in meinem Zimmer schlafen, aber all das ist für mich normal und auch verständlich, wenn man bedenkt, wie jung wir doch all waren.

Aber trotzdem war mein Coming-Out kein Horrortrip sondern eine wunderbare Zeit. Die Spreu trennte sich vom Weizen, am Ende blieben die wahren Freunde und wir rückten noch mehr zusammen. Ich fand tolle neue Freunde und sehr viele Leute mochten mich, weil ich schwul war. Die wollten mich auch häufig zum besten Freund, warm auch immer.
Also ein Coming-Out ist wie alles im Leben mit Höhen und Tiefen.

Warst du jemals in einer Beziehung untreu?
Trashy: Als Teenie ging ich fremd wie verrückt! Damals hatte ich noch Beziehungen mit Mädchen, mal hier geküsst, mal dort. Aber da war ich noch Kind, ich würde das auch nicht unbedingt als Liebe & Beziehung bezeichnen. In meiner ersten richtig langen Beziehung ging ich zu meiner Schande fremd. Und ich bereue es heute noch, aber ändern kann man es leider nicht.

Nur, wenn ein Partner fremdgeht, gibt es immer Gründe. Ich glaube heute zu wissen, was der Grund bei mir war: Obwohl ich meinem Freund damals jeden seiner vielen Fehltritte, die ich herausfand, nach außen verziehen habe, sah es in meinem Inneren aber eher anders aus. Das war wie ein Apfel, der außen glänzt, aber innen sitzt der Wurm, der sich fett frisst und die Basis zerstört.

Naja, direkt danach beendete ich die Beziehung vorerst.

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Welche Werte vertrittst du offen nach außen?
Trashy: Das is eine sehr schwierige Frage, weil jeder, der mich kennt und das liest, wird gleich sagen: "Haha, was der labert. Trashy kennt keine Werte!" Und teilweise haben sie Recht. Aber nur teilweise. Eigentlich finde ich, Eigenverantwortung, Ehrlichkeit, Lebenslust, Offenheit und Unabhängigkeit sind so das wichtigste und beschreiben ganz gut, was ich vertrete.

Ich bin ein sehr guter Lügner und lüge viel, aber diese Lügen sind keine schwerwiegenden, sondern dienen meist der Belustigung. Bei wirklich wichtigen Dingen bin ich der ehrlichste Mensch der Welt und eigentlich, egal was man fragt, bekommt man auch prompt die Wahrheit ins Gesicht, selbst wenn diese einen noch so hart trifft. Zum Thema Eigenverantwortung kann ich nur sagen, jeder sollte für sein Handeln die Verantwortung übernehmen, es ist leicht alles auf andere zu schieben und macht sicherlich auch Spaß, aber ist das dümmste was man tun kann.

Lebenslust und Unabhängigkeit liegen sehr nah beieinander und beeinflussen sich gegenseitig. Leute, welche die Lebenslust verlieren das ist nicht mit Suizidgedanken gleichzusetzen (das verachte ich total!) können nicht unabhängig sein und ich hasse solche Leute! In Trashys Leben ist kein Platz für so was, mein Leben ist Lebensfreude pur, weil jeder Tag, egal wie beschissen es lief, ein Geschenk ist, für das man dankbar sein muss!

Welches war das entfernteste Land, in das du je gereist bist?
Trashy: Spanien, oder ist England weiter? Ich glaube nicht... Googlemaps? Ach... egal... In Geographie hatte ich immer eine 5 oder eine Gnaden-4. Wie auch immer. Es sind beides supertolle Länder, wobei ich in England besonders den Londoner Stadtteil Camden Town liebe. In Spanien war ich mit meinem Design LK und musste dadurch viele Mussen und so ansehen.

In London bin ich meist auf Konzerten einer befreundeten Band aus London, dann suche ich mir immer Leute zum Übernachten oder geh feiern und am nächsten Morgen geht es dann zurück. Das sind also nur Eintagestripps, aber man lernt dort die schrägsten und tollsten Leute kennen.

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Was ist deiner Meinung nach deine größte Begabung?
Trashy: Nichts zu können und trotzdem so zu tun, als ob ich es könnte das ist mal eine Begabung, oder? Das ist jetzt vielleicht etwas übertrieben, eigentlich bin ich ein sehr kreativer, durchgeknallter Mensch und es gibt nichts, was ich mir nicht wirklich zu traue. Wenn ich etwas machen will, dann mache ich es  irgendwie und finde schon eine Lösung. Egal ob jetzt im handwerklichen, kreativen oder arbeitstechnischem Bereich, das Endprodukt zählt für mich und das kann man mit Herumexperimentieren meist mehr oder weniger gut erheischen.

Nennen wir meine Begabung vielleicht mal Do-It-Yourself-und-hols-beste-aus-der scheisse-raus.

Was bedeutet Dir Musik?
Trashy: Musik ist mein Ein und Alles. Ohne Musik würde ich nicht leben wollen. Seit ich denken kann, lebe und liebe ich Musik, sei es nun als Fan von Bands, früher im Chor, im Orchester oder mit einer eigenen Band. Gerade in den letzten beiden Jahren bestimmte die Musik mein Leben, denn vor zwei Jahren lernte ich die Band "The Twisted Strings" kennen. Damals waren es noch drei süße Jungs, die einen Bassist gesucht haben, und als ich das Wohnzimmer unseres Drummers betrat, war es Liebe auf den ersten Blick, seitdem gehen wir durch dick und dünn.

Selbst mein Berufsleben ist von der Musik beeinflusst, so dass ich nach meiner Ausbildung  beschloss, aus der Gastronomie rauszugehen, weil sich die Arbeitszeiten nicht mit Konzerten und Proben vereinbaren ließen.

Wie stellst du dir dein Leben in zehn Jahren vor?
Trashy: Das Leben in zehn Jahren stelle ich mir nicht viel anders vor als jetzt. Ich werde der gleiche Freak sein wie heute, werde nur mehr Tattoos haben, hoffentlich schlank sein und die engsten Hosen tragen, die ich finde.
Dann stell ich es mir natürlich so vor, dass das Debütalbum meiner Band, das dieses Jahr noch europaweit erscheinen wird, einschlägt wie eine Bombe und der Name "The Twisted Strings"  überall bekannt wird, wir Touren spielen, und noch ganz viele weitere Alben veröffentlichen können. In zehn Jahren werde ich weiterhin ein Rockstar sein, der keine Drogen nimmt, keinen Alkohol trinkt und sich einigermaßen gesund ernährt.

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Gibt es eine Situation, eine Person oder einen Moment, über die bzw. den du sagen würdest, das war deine Rettung?
Trashy: Meine Rettung? Von diesen Situationen und Personen gibt es sehr viele, weil ich ein sehr exzessiven Lebensstil habe und hatte, aber langsam werde ich alt und komme zur Ruhe.

Neben meinen Freunden und meiner Band, die mich jeden Tag auf's Neue retten, sollte ich hier mal An Selm nennen, der erst letzte Woche dafür sorgte, dass Klein-Trashy auf der Autobahn nicht mit dem bösen LKW kuschelte, sondern lediglich die Leitplanke zerschrammelte. Hätte er nicht rechtzeitig eingegriffen, wären wir nicht mehr ganz so fit.

Und letztes Jahr holte mich ein Freund aus einer extrem langen Depression und  Schmerzmittelsucht heraus. Da muss ich Lukas danken, der für mich Arzttermine ausmachte und mich überallhin begleitete. Selbst aus weiter Ferne er wohnt in England gab er mir das Gefühl ,stets bei mir zu sein, und gab mir Kraft, die Liebe und viel Stress hinter mir zu lassen. Er öffnete mir die Augen, dass ich ja eigentlich alles besitze, was ich brauche: die besten Freunde, die man haben kann, meine Band, die zu meiner Familie gehört, und meine Arbeit, die ich liebe.

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