Fabian (19) aus Grenzach-Wyhlen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Fabian (19) aus Grenzach-Wyhlen
Fabian

Fabian erzählt über seinen Bundesfreiwilligendienst und wieso das Coming-out seines Freundes dazu geführt hat, dass der mit ihm Schluss gemacht hat. Außerdem verrät er, wie sein schwierigster Einsatz mit der Feuerwehr war.

Fabian, du arbeitest in einer Kinderkrippe. Was genau machst du da?

Ich mache einen Bundesfreiwilligendienst. Anfangs habe ich eher gekocht und den Haushalt geschmissen, aber mittlerweile arbeite ich fast wie ein Erzieher. Ich füttere und wickele die Kinder, spiele mit ihnen, beschäftige sie und bringe sie zum Schlafen.

Wie gefällt dir das? Bist du nicht manchmal genervt von den Kindern?

Eigentlich gar nicht. Klar, es gibt anstrengende Momente, aber ich bin ein ruhiger Mensch. Bis mein Geduldsfaden reißt, muss man lange dran zerren. Es gefällt mir sehr gut, weil ich sowieso viel mit Kindern und Jugendlichen mache. Ich habe mir die Stelle ja bewusst ausgesucht.

Wieso wolltest du nicht gleich nach dem Abitur studieren?

Während des Abis habe ich meinen Wunschstudiengang gefunden, nämlich soziale Arbeit als duales Studium. Da muss man sich aber ein Jahr vorher bewerben. Außerdem wollte ich sowieso nicht sofort studieren und der Bundesfreiwilligendienst hat gepasst. So kriege ich die Zeit rum, habe was zu tun und sitze nicht nur daheim rum.

Willst du denn auch selbst Kinder haben?

Ich liebe Kinder und komme total gut mit ihnen klar. Viele sagen auch, ich habe eine gute Wirkung auf sie. Als ich in der Krippe angefangen habe, habe ich aber gemerkt, wie anstrengend Kinder auch sein können, vor allem wenn man sie den ganzen Tag hat. Aber wer weiß, wie es nach dem Studium ist. Mit 19 ist es ja etwas früh für die Familienplanung. Ich schließe es nicht aus, aber kann es nicht zu hundert Prozent sagen.

Bist du denn bei deiner Familie und deinen Freunden geoutet?

Bei meinen Freunden bin ich geoutet, theoretisch sogar in einem großen Bekanntenkreis. Und es wissen sogar Leute, die ich nicht kenne. Und mein älterer Bruder weiß es.

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Fabian in seiner Abizeitung - passend zum Motto "Casino" mit Geldscheinen.

Fabian in seiner Abizeitung - passend zum Motto "Casino" mit Geldscheinen.

Deine Eltern aber nicht?

Das ist so eine Geschichte...Ich habe es mal meiner Mutter gesagt, so mit 14 oder 15. Aber das stieß nicht auf gute Resonanz. Sie hat das Übliche gesagt: Ob es nicht eine Phase sein könnte, woher ich es denn wissen würde und so weiter. Es war nichts Vorwerfendes, sie war nicht geschockt. Trotzdem habe ich mich rück-geoutet. Ich weiß gar nicht, ob der Begriff existiert (lacht). Ich hatte dann Freundinnen, aber das war nichts Richtiges.

Wie war das mit den Freundinnen?

Ich war mir eigentlich recht sicher, dass ich schwul bin. Aber die Reaktion meiner Mutter hat mich aus der Bahn geworfen. Also habe ich angefangen, Mädchen zu daten, und das hat auch geklappt ich hatte eine Freundin. Aber es war mehr so, dass ich anfangs nicht wusste, was es bedeutet. Erst danach habe ich gemerkt, dass es nicht so das Wahre ist.

Hast du das deiner Freundin damals gesagt?

Nicht direkt danach. Wie es so ist, hatten wir uns danach erst einmal nicht so viel zu sagen. Mittlerweile wissen sie es und wir verstehen uns ganz normal und reden miteinander. Sie finden es okay und weil wir nie wirklich intim miteinander wurden, fühlen sie sich auch nicht ausgenutzt oder so.

Hattest du denn danach einen Freund?

Ja, mit Tim (Name geändert) war ich für meine Verhältnisse recht lange zusammen, nämlich zehn Monate. Ich war 18 und er 17, und wir kamen letztes Jahr im März zusammen. Es ist aber gescheitert, weil wir beide nicht bei unseren Eltern geoutet waren. Wir hatten das Problem, uns zu sehen. Wir hatten beide sowieso wenig Zeit und konnten nicht zu mir oder zu ihm.

Fabian
Fabian ist auch musikalisch unterwegs: Er spielt Klavier.

Fabian ist auch musikalisch unterwegs: Er spielt Klavier.

Woran ist es dann konkret gescheitert?

Er hat es seinen Eltern gesagt. Die waren schockiert. Seine Mutter kannte mich zwar, weil ich auf Tims Konfirmation gesungen habe. Sie fand mich gut, nur als ich der Freund ihres Sohnes war, fand sie das nicht mehr so gut. Sie haben gesagt, er könne es ja gar nicht wissen, und soll erst einmal Mädchen ausprobieren. Schwul zu sein ist nicht natürlich, haben sie gesagt. Dann hat er es seinen Eltern nicht mehr gesagt, wenn wir uns gesehen haben, sondern hat gesagt, er trifft Freunde.

Und wieso hat er Schluss gemacht?

Er war so hin- und hergerissen. Seine Eltern bedeuten ihm viel. Als er im Januar mit mir Schluss gemacht hat, hat er nur um den heißen Brei geredet. In jedem zweiten Satz hat er sich entschuldigt, das klang alles so gezwungen. Glücklicherweise hat er es mir live gesagt, er war mir gegenüber. Am selben Abend hat er mir dann noch geschrieben, dass es ihm so leid tut. "Meine Scheißeltern", hat er geschrieben. Es war irgendwie nicht seine Entscheidung. Danach haben wir uns immer wieder gesehen, zuletzt an Fastnacht. Nach einer Party bin ich nach Hause gelaufen und er ist mir nachgegangen. Er hat mir erzählt, wie leid es ihm tut. Aber ich habe ihn stehen lassen, weil es mich verletzt hat. Er hat mich gefragt, was er machen soll, und ob er mich küssen soll. Ich bin dann nach Hause gelaufen.

Und seitdem habt ihr keinen Kontakt mehr?

Wir sind fast Nachbarn, aber seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ich habe auch seine Nummer nicht mehr und habe ihn blockiert. Bevor da wieder Wunde aufreißen. Er hat mich ziemlich verletzt. Er war meine erste große Liebe, und es hat echt so gut gehalten. Ich habe viel dafür getan, ich habe oft gehört, dass ich der tollste Freund bin, den man sich wünschen kann. Ich habe lange damit gekämpft, aber mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Das Leben geht weiter, man kann es nicht ändern. Und ganz ehrlich: Ich hätte es nicht gewollt, mit ihm zusammen zu sein, wenn seine Familie es nicht akzeptiert. Das wäre zu belastend gewesen.

Fabian
Fabian bekommt nach einem langen Tag eine Massage von einer Mitschülerin.

Fabian bekommt nach einem langen Tag eine Massage von einer Mitschülerin.

Das stimmt auf jeden Fall. Lass uns über etwas anderes reden: Du bist bei der Freiwilligen Feuerwehr...

Genau. Ich habe eine Grundausbildung zum Feuerwehrmann gemacht und habe einen Piepser daheim. Wenn der losgeht, renne ich los zur Feuerwehr. Mit elf bin ich zur Jugendfeuerwehr gegangen, wo man spielerisch auf den aktiven Dienst vorbereitet wird. Mit 18 kam dann die Grundausbildung, und seit März 2014 kann ich eben gerufen werden.

Wie oft kommt das so vor?

Öfter als man denkt. Die Feuerwehr kommt ja nicht nur, wenn es brennt, sondern auch bei Unwetter oder Verkehrsunfälle. Letztes Jahr hatten wir knapp 150 Einsätze.

Hattest du schon mal einen schwierigen Einsatz?

Schwierige Einsätze sind, wenn es um Menschenleben geht. Teilweise kann man Personen nur noch bergen, aber da an vorderster Front zu sein, ist kein Muss. Wer sich das nicht zutraut, wird auch zu nichts gezwungen. Ich habe mir das aber auch mal aus nächster Nähe angesehen, darüber darf ich aber wegen der Schweigepflicht nicht sprechen.

Wie war das für dich?

Für mich ist es so, dass der Adrenalinspiegel total steigt, wenn der Melder geht. Ich kann das gar nicht genau beschreiben, aber man lernt abzuschalten und distanzierter zu werden.

Was ist deine Motivation dahinter?

Ich bin ein Mensch, der es allen recht machen will, und ich will Leuten helfen. Ich will Leute aus Notlagen retten, deshalb auch das soziale Studium. Ich glaube, dass ich ein ziemlich sozialer Mensch bin.

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