Felix (16) aus Frankfurt

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Felix (16) aus Frankfurt
Felix

Alte Ruinen, verfallene Industrieanlagen oder ausgediente Flugplätze: Urban Exploring ist das größte Hobby von Felix. Außerdem erzählt der Azubi von seinem ungewöhnlichen Beruf und wieso sein erster Kuss aufregend war.

Felix, du bist Urban Explorer. Was verbirgt sich hinter diesem Hobby?

Urban Exploring ist das Fotografieren und Erkunden von verlassenen Orten. Von sogenannten Spuk-Orten, also zum Beispiel Ruinen, alten Bunkern oder auch der Stadtkanalisation. Wir erkunden sie, fotografieren sie ab und dokumentieren so den Zerfall. Das ist der Kick dabei, die Aufregung, etwas Neues auszuprobieren. Man kann das alleine oder in der Gruppe machen. Ich bin oft mit meinem besten Freund unterwegs. Aber ich kann da auch mal ganz für mich allein sein.

Woher weißt du denn, wo solche abgefahrenen Orte sind?

Es gibt Foren im Internet, aber die meisten Lost Places entdecke ich selbst. Zum Beispiel von oben über Google Earth oder durch Zufall, wenn ich dran vorbeifahre.

Wo warst du zuletzt?

Gestern war ich in Wiesbaden, in einem verlassenen Hochhaus, das bald abgerissen wird. Bei mir in der Nähe gibt es aber auch einen verlassenen Militärstützpunkt der US-Amerikaner und einen alten Flugplatz der Deutschen im Zweiten Weltkrieg. Oder verlassene Villen, Krankenhäuser, Industrieanlagen, Fabriken, Lagerhallen, Bahnhöfe

Ist das denn legal?

Naja, wo kein Kläger ist, da ist kein Richter (lacht). Ganz streng genommen ist das nicht erlaubt, aber da die Gebäude leer stehen, interessiert das sowieso keinen. Militäranlagen dagegen sind besser bewacht.

Felix
Felix auf der Internationalen Automesse IAA.

Felix auf der Internationalen Automesse IAA.

Was ist denn dein Lieblings-Lost-Place?

In Offenbach gibt es zwei alte Bürotürme von Siemens, die mindestens 25 Stockwerke haben. Da hat man einen richtig coolen Blick auf Offenbach und Frankfurt. Aber die sind im Moment geschlossen, und ich konnte das letzte Mal nicht rein. Es gibt Gerüchte, dass sie abgerissen werden. Vor allem, weil es da viel Vandalismus gibt. Graffitis und so. Aber da sind alle Urban Explorer total dagegen.

Hattest du denn schon einmal gefährliche Situationen?

Also ein Haus ist noch nicht eingestürzt (lacht), aber in den Siemens-Türmen war ich mal mit meinem besten Freund in einem Raum auf dem Dach eingeschlossen. Das war so ein Lüftungsraum, und der war nur von außen zu öffnen. Dann sind wir rein und die Tür ist zugefallen. Zum Glück war aber das Fenster kaputt und wir konnten wieder raus.

Welche Lost Places willst du denn in Zukunft noch erkunden?

Bis jetzt war ich hauptsächlich in Hessen unterwegs, aber im Dezember fahre ich nach Berlin. Sieben Tage lang und ganz allein. Sozusagen ein Urban-Exploring-Urlaub. In Berlin gibts ja an jeder Ecke etwas. Den Teufelsberg oder im Umkreis die Beelitz Heilstätten.

Nicht nur dein Hobby ist außergewöhnlich, dein Ausbildungsberuf ist es auch

Genau. Ich mache eine Ausbildung zum Geomatiker beim Amt für Bodenmanagement. Die gibt es erst seit 2010 und ist eine Mischung aus einem Vermessungstechniker und einem Kartografen. Wir erstellen Karten, Landkarten oder Jagdkataster. Wir sind verantwortlich, dass wir alle über Google Maps den Weg zur Arbeit finden (lacht).

Felix
Das Dr. Anna L Haus: Ein Foto aus Felix' Blog.

Das Dr. Anna L Haus: Ein Foto aus Felix' Blog.

Wie bist du denn darauf gekommen?

Ich habe das im Jobcenter gefunden. Ich will später Geografie studieren, aber hatte jetzt keine Lust aufs Abi. Also habe ich nach einer Ausbildung gesucht, die was damit zu tun hat. Mir gefällt es bisher super. Es ist sehr abwechslungsreich und ich bin viel draußen, um zu lernen, wo Geodaten herkommen. Wir vermessen auch Häuser, Straßen und so weiter.

Du schreibst auch Geschichten

Ja, ich schreibe im Moment fiktive Horrorgeschichten, die ich später auf meinem Blog veröffentlichen will. Es geht um einen Jungen, der eine schwere Vergangenheit hatte, sich deswegen umbringen wollte und nun im Koma liegt und quasi das alles in seinen Träumen wiedererlebt  Aber mehr will ich noch nicht verraten.

Ganz anderes Thema: Du hast dich ja schon recht früh geoutet, oder?

Genau, mit 14. Anfangs wollte ich mich gar nicht outen, weil ich dachte, dass es doch eh keinen interessiert. Dann habe ich es doch einer Freundin erzählt um zu sehen, wie sie reagiert. Sie hat super reagiert! Dann habe ich es erst einmal eine Zeitlang keinem erzählt. Anfang letzten Jahres habe ich es dann meinem Vater im Auto erzählt. Der hat auch sehr gut reagiert. Irgendwann musste ich es meinen Eltern ja sagen, dachte ich. Nach und nach habe ich es dann immer mehr Freunden gesagt.

Felix
Felix hat sich schon mit 14 geoutet und dabei nur positive Erfahrungen gemacht.

Felix hat sich schon mit 14 geoutet und dabei nur positive Erfahrungen gemacht.

Wann hast du denn überhaupt gemerkt, dass dir Jungs gefallen?

So mit 13, würde ich sagen. Ich habe einfach mehr auf Jungs geachtet als auf Mädchen. Aber anfangs habe ich mir da keine Gedanken gemacht, weil ich dachte, dass das bei allen so ist (lacht). Aber es war für mich nie ein Problem, das zu akzeptieren. Am Anfang war es vielleicht etwas komisch, weil ich mich gefragt habe, wie das eigentlich geht (lacht).

Hattest du denn schon einen Freund?

Ja, Anfang des Jahres. Meinen ersten und bisher einzigen. Das ging aber auch höchstens einen Monat. Dann habe ich gemerkt, dass er nicht so mein Typ ist und dass da auch nicht so die Gefühle dabei waren. Wir haben uns über dbna kennengelernt und uns dann in Darmstadt getroffen. Abends haben wir uns vor dem Einkaufszentrum ewig unterhalten und irgendwann geküsst.

Wie war dein erster Kuss?

Aufregend! Ich konnte es gar nicht glauben, dass ich einen Jungen geküsst habe. Es war komisch, aber auch toll. Es war in der Öffentlichkeit, aber uns hat wohl keiner gesehen. Aber es ist mir auch egal, was andere Leute denken.

Suchst du denn im Moment wieder eine Beziehung?

Im Moment schon, ja. Weil ich keine Lust habe, alleine zu sein. Ich mag jemanden an meiner Seite haben. Wenn ich auf der Straße so viele Pärchen sehe, dann ist das schon frustrierend, wenn man alleine ist und die so verliebt

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