Julian aus Dorsten

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Julian aus Dorsten
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Julian, 18 Jahre aus Dorsten, spricht über seine schwersten Zeiten in seinem Leben, seinen ersten Freund und seinen Vorstellung von einer Beziehung. Der dbna'ler des Monats Juli 2012.

Julian, du meinst, du hättest lange gebraucht, um den Mut zu finden, über die Tiefen deines Lebens zu sprechen. Was gibt dir jetzt diesen Mut, es doch zu tun?
Julian: Also ich hatte im Februar einen Suizidversuch. Ursache war, dass ich immer alles in mich "hinein gefressen" habe und nie mit anderen über meine Probleme, Gefühle und Ängste geredet habe. Ich habe gemerkt, dass ich Menschen damit wehgetan habe, Menschen, die mir viel bedeuten, und dies tut mir noch immer sehr leid.
Ich habe danach angefangen, über vieles zu reden, und habe gemerkt, dass es hilft, dass man sich freier und wohler fühlt. Zusätzlich habe ich gemerkt, wie mich meine Familie unterstützt hat und es noch immer tut. Sie gibt mir die meiste Kraft zusammen mit meinen Freunden.

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Gibt es eine Situation, eine Person oder einen Moment, über die/den du sagen würdest, das war deine Rettung?
Julian: Ja, ich dachte immer, dass mich keiner so wirklich mag, aber nachdem ich den Suizidversuch hatte, habe ich mein Handy wieder angemacht und mir die Nachrichten angehört: von meiner Familie, die mich gesucht hatte, von meinem Ex-Freund, von meinen Freunden, sogar von Arbeitskollegen. Alle hatten sich um mich Sorgen gemacht, mir Nachrichten geschickt. Dadurch habe ich gemerkt, dass ich anderen Menschen nicht egal bin, und das war der Augenblick, in dem ich zu mir gesagt habe: "Neuanfang!" Ich lebe jetzt so, wie ich bin und nicht so, wie mich Leute gerne hätten.

Du hast deinen ersten Freund bei dbna kennengelernt. Wie bist du überhaupt auf dbna aufmerksam geworden?
Julian: Also als ich mir eingestanden habe, dass ich eben schwul bin, habe ich mich bei Google auf die Suche nach online-Ratgebern und Chatseiten gemacht. Nachdem ich mich als erstes bei Seiten wie GR und FB angemeldet hatte, aber dort meistens nur von Älteren angeschrieben wurde, war ich dort selten on. Einer, mit dem ich mal am Chatten war, hatte mir dann geschrieben, das ich mich mal bei dbna anmelden soll, weil das eben mehr für Leute in meinem Alter sei. Und so habe ich mich dann hier angemeldet.

Und wie hast du ihn hier dann kennengelernt?
Julian: Ich habe abends die ausführliche Suche ausgefüllt und es wurden mir nur ein paar Leute aus meinem Bundesland angezeigt. Die meisten haben mich optisch nicht angesprochen und mein Ex hatte damals noch kein Bild. Ich wollte aber wenigstens mal wissen, wie die Person aussieht, die mir angezeigt wurde. Also habe ich ihn angeschrieben, und nach seinem Album-Passwort gefragt. Er sah gut aus und wir kamen ins Gespräch, haben jeden Abend geschrieben und am Ende haben wir uns eben mal getroffen.

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Letztlich ist die Beziehung ja an der Entfernung gescheitert. Stehst du deswegen Fernbeziehungen nun absolut ablehnend gegenüber?
Julian: Nein, ich habe deswegen Fernbeziehung nicht abgelehnt, da man sich ja nicht aussuchen kann, wen man liebt. Wenn man eine Person wirklich mag, weiß man, dass es der richtige ist und sich versteht, dann darf das nicht von Bedeutung sein. Es ist vielleicht nicht immer einfach, aber man sollte es wenigstens versuchen und nicht sofort Nein sagen. Denn man weiß ja nie, vielleicht ist das der Mann fürs Leben.

Und wie stehst du zu einer offenen Beziehung?
Julian: So etwas ist nichts für mich! Denn eine Beziehung geht man nur ein, wenn man sich liebt. Wenn man dies tut, hat man auch ein Interesse daran, treu zu sein. Alles andere ist für mich eine Affäre. Und bei einer offenen Beziehung ist auch die Gefahr groß, dass sich der Partner verlieben könnte und er nur noch an seinen Sexpartner denkt.
Das ist für mich keine Beziehung wo man aufeinander aufbauen kann. 

Was ist dein Lebenstraum?
Julian: Mein Lebenstraum ist, dass ich einen Freund oder Mann habe, den ich liebe und der mich genauso liebt; dass man zusammen glücklich ist; dass wir beide Erfolg in unseren Berufen haben und ich mich selbstständig mache; dass wir viel Zeit zusammen verbringen. Wenn es ginge, würde ich auch gerne ein Kind adoptieren.

Was hältst du eigentlich von der Szene?
Julian: Ich halte von der Szene nicht wirklich viel, da es dort meistens nur um Sex geht. Man lernt jemanden kennen, hat zusammen vielleicht eine Nacht Spaß und das war es dann.
Es gibt bestimmt auch nette Leute dort, die nicht nur das eine wollen, aber das ist selten.

Zum Schluss vervollständige mir doch bitte den Satz: "Wenn ich auf eine einsame Insel nur drei Dinge mitnehmen könnte, dann wären das"
Julian:
1. Laptop, um mit meinen Freunden weiterhin zu chatten ,
2. Sommerkleider inklusive Schmuck, falls ich einem gut aussehendem Mann begegne,
3. meine Kamera, um viele Bilder von der Insel zu machen.

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