Nils aus Köln

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Nils aus Köln
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Nils (23) aus Köln spricht über seine Beschneidung, seine Gründe dafür und seinen Vorstellungen zu seinem Partner. Der dbna'ler des Monats September 2012.

Nils, Du hast mit 23 Jahren beschlossen, dich beschneiden zu lassen. Wie lange hat dich diese Frage schon beschäftigt?
Nils: Mit dem Thema bin ich schon früh in Kontakt gekommen, da ich wie viele Jungs unter einer sog. Phimose, also einer Vorhautverengung litt. Das Problem wurde aber schon vor ca. 15 Jahren chirurgisch durch eine Art Vorhautdehnung aus der Welt geschafft. Abgeschnitten hat man damals nichts.

Dann, mit Anfang 20, wurde ich zunehmend unzufriedener, obwohl eigentlich alles funktionierte. Ich mochte das Aussehen nicht und hatte immer das Gefühl mangelnder Hygiene, egal wie viel Mühe ich mir da auch gab. Immerhin pinkelt man mit demselben Organ und man schwitzt dort sehr viel.

Mit der Entscheidung, mich beschneiden zu lassen, habe ich dann noch einige Wochen gekämpft. Ich habe viele Freunde, meine Eltern und einen Arzt konsultiert und natürlich das Internet durchstöbert. Es hat ein bisschen gedauert, aber dann war ich mir sicher.

Bestand denn bei dir eine medizinische Notwendigkeit oder aus welchem Grund hast du die Beschneidung in Erwägung gezogen?
Nils: Es hat alles funktioniert, wie es funktionieren sollte. Ich war aber sehr unzufrieden und darunter haben mein Selbstbewusstsein und auch mein Sexleben gelitten. Ich habe mich letztlich vollkommen freiwillig dazu entschieden, rein aus ästhetischen und hygienischen Gründen. Man senkt mit einer Beschneidung außerdem erwiesenermaßen das Risiko vieler Krankheiten. Die Entscheidung dazu hat sich sehr erwachsen angefühlt und der Urologe hat das Gefühl nur bekräftigt.

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Viele beschnittene Männer berichten, dass sie sexuell unempfindlicher geworden sind. Hat dich das nicht abgeschreckt?
Nils: Ganz im Gegenteil. Das war nur ein weiteres Argument für die Beschneidung. Welcher Mann will nicht etwas länger im Bett "können" können? Ehrlich gesagt hatte ich zuletzt jemanden kennengelernt, der mit seinem Penis einen Text in Stein hätte meißeln können, so unempfindlich war er. Das ist aber ja nichts Schlimmes. Es hat mir sogar sehr gefallen. Ich muss zugeben, dass dieser Kerl meine Gedanken an eine Beschneidung erst so richtig ins Rollen gebracht hat. Wahrscheinlich weiß er das gar nicht.

Du hast dich im Vorfeld und auch danach mit Freunden und Bekannten darüber unterhalten. Welche Reaktionen sind dir am Nachhaltigsten in Erinnerung geblieben?
Nils: Ich erinnere mich daran, von meinen Eltern für diese reifen Gedanken gelobt worden zu sein, nachdem ich mich echt überwinden musste, es ihnen zu sagen. Ich erinnere mich auch daran, wie der Urologe jeden letzten Zweifel innerhalb von einer Minute beseitigt hat und ich sofort einen OP-Termin vereinbart habe. Zuletzt weiß ich aber auch, dass mich einige Menschen für verrückt erklärt haben. Wie könne man nur freiwillig an seinem besten Stück herumschneiden lassen? Es war gut, so viel Pro und Contra zu hören. So habe ich mir viele Gedanken gemacht. Es war insgesamt wirklich toll, mit Freunden darüber zu reden. Viele sind selber beschnitten, was ich nie gedacht hätte, und haben von ihren Erfahrungen berichtet.

Die Beschneidung ist nun ein paar Monate her. Ganz ehrlich: Was ist nun für Dich anders?
Nils: In erster Linie sieht es natürlich ganz anders und besser aus als vorher. Die Narbe wird noch ein paar Monate heilen. Ich bin mit dem Ergebnis aber sehr zufrieden. Für den Chirurgen war der Eingriff wohl so unkompliziert wie Blut abnehmen. Ich fühle mich jetzt endlich wohl damit. Die Beschneidung hat mir also Selbstbewusstsein gegeben. Ich traue mich jetzt zum Beispiel, nackt mit Anderen im Schwimmbad zu duschen. Das wäre vorher nie passiert. Außerdem kommt es mir hygienischer vor und bei mir hat sich die Empfindlichkeit tatsächlich ein wenig verändert. Aber das ist großartig!

Gerade im Moment werden viele Diskussionen um das Thema Beschneidung von Kindern geführt. Wie nimmst du diese Debatte war?
Nils: Es ist eine Debatte, auf der ich beide Seiten gut verstehen kann. Es wird schwierig werden, einen Kompromiss zu finden. Es geht in der Debatte hauptsächlich darum, dass Kinder einer bestimmten Glaubensrichtung nicht selbst über ihre Beschneidung entscheiden können. Ihnen wird einfach etwas genommen. Ein Freund von mir nimmt nun genau das als sehr traumatisch wahr. Er ist Jude und fühlt sich wie verstümmelt. Das nimmt er seinen Eltern sehr übel.

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Würdest du eigentlich auch von deinem Partner erwarten, dass er beschnitten ist?
Nils: Hygiene ist das A und O. Wenn mein Partner die im Griff hat, dann ist es mir egal, ob er beschnitten ist oder nicht. Sowohl beschnittene, als auch unbeschnittene Penisse haben doch so ihre Vorzüge. Ich glaube nicht, dass das eine oder das andere besser ist. Es kommt ja beispielsweise auch weniger auf die Größe an, als vielmehr darauf, was der Mann damit anstellt. Von meinem Partner erhoffe ich mir einfach, dass er mit seinem Penis umzugehen weiß.

Welche Vorstellungen hast du denn sonst von deinem Partner? Was dürfte beispielsweise nie vorkommen?
Nils: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, eine offene Beziehung zu führen. Insofern ist also auch jede Form des Fremdgehens eine ganz furchtbare Vorstellung für mich. Ansonsten sollte er im Herzen jung, aber im Kopf schon sehr erwachsen sein. Aus dem Alter des Experimentierens bin ich raus. So langsam weiß ich, was ich im Leben will und wo ich hingehöre und was aus mir werden wird. Wenn mein Partner das von sich noch nicht weiß, passen wir bestimmt nicht gut zusammen. Wichtig ist aber natürlich auch die Fähigkeit, jemanden zum Lachen bringen und überraschen zu können.

Wie alt warst du denn, als du deinen ersten Freund hattest und wie lange ward ihr zusammen?
Nils: Da war ich 21 und wir waren nur etwas mehr als fünf Monate zusammen.

Wenn du jemanden kennenlernst, auf was achtest du besonders?
Nils: Derjenige muss einfach Ausstrahlung haben. Dann sind Augen, Haare, Figur oder der Hintern echt egal. Ich muss aber zugeben, dass ich vor allem im Sommer auf eine Sache ganz besonders achte: Das sind die Beine der Männer. Ich finde, dass die Beine in Sachen Farbe, Behaarung, Form etc. immer schon eine kleine Vorschau auf den Rest des Körpers geben und diese Vorstellung finde ich sehr aufregend.

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