Patrick aus Hamburg

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Patrick aus Hamburg
Patrick

Patrick (17) lässt nicht jeden an sich heran und vergisst gerne mal seine Burger am McDrive Schalter. Unser dbna'ler im Monat Februar.

Wenn du jemanden kennenlernst, auf was achtest du besonders?

Patrick: Als aller Erstes achte ich auf die Ausstrahlung der Person. Das Gesamtpaket muss stimmen und sollte natürlich auch so rüberkommen. Ich mag es nicht, wenn sich ein Typ von Anfang an selbst in den Vordergrund drängen möchte und somit einseitige und flache Gespräche entstehen. Es sollte von Anfang an eine gute Mischung von Witz & Ernst, Wortgewandtheit und Schlagfertigkeit herrschen. Vorträge über den Ex-Freund sind bei mir beim ersten Date ein No-Go.

Wenn man es sich dann aber in einem Café gemütlich gemacht hat, achte ich besonders auf die Hände. Zu lange oder dreckige Fingernägel sind für mich ein Zeichen von Ungepflegtheit. Zusammengefasst muss das Gesamtpaket gepflegt, humorvoll und natürlich sein. Und sollte ich dann kein Interesse haben, werde ich dies sehr schnell mitteilen. Nicht so, dass es arrogant wirkt oder weh tut, aber so, dass man es sich denken kann, wie das Treffen ausgeht.

Patrick

Deine Fotos zeigen dich in der Natur mit deinem Hund. Bist du oft an der frischen Luft unterwegs oder womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?

Patrick: Früher war ich sogar sehr oft in der Natur unterwegs, da ich Rennradfahrer gewesen bin und der Asphalt mein zweites zu Hause war. Da ich nun aber im zweiten Semester der Studienstufe bin, bleibt mir nicht mehr allzu viel Zeit frische Luft zu schnappen, außer wenn ich in der Stadt bin und die Straßenseite wechseln muss, um zum anderen Laden zu gelangen. Dabei wären wir dann bei noch einem sehr ausgeprägten Hobby von mir Shoppen. Ob alleine oder mit Freunden zusammen, Kleidung kaufen macht mir immer Spaß und hilft mir meist dabei, einen freien Kopf zu bekommen und Gedanken loszulassen. Wenn ich aber mal richtig viel Zeit habe, dann treffe ich mich mit Freunden, wir gehen feiern oder machen zusammen einen netten Abend.

Was war bisher die peinlichste Situation die du je erlebt hast?

Patrick: Da ich hervorragend über mich selbst lachen kann, gibts bei mir das Wort "peinlich" eigentlich gar nicht. Wenn eine Situation noch so beknackt ist, dass es Anlass zu Schadenfreude oder sonstigen Lachern gibt, dann finde ich das meistens am Lustigsten. Obwohl ich die folgende Situation niemals vergessen werde: Wie gewohnt habe ich bei McDonalds im McDrive am Sprechkasten bestellt, bin zum ersten Fenster weitergefahren, habe bezahlt, bin dann wieder weitergefahren und am zweiten Häuschen vorbei. Hab das Essen vergessen! Mein Vater aufm Beifahrersitz amüsiert sich prächtig als ich zurücklief und die ganzen Lacher der Verkäufer erntete.

Patrick

Welche Charaktereigenschaften schätzt du an dir besonders?

Patrick: Es ist immer schwierig, sich selbst zu beurteilen, obwohl man sich ja am besten kennen sollte.
Ich denke, dass ich sehr kontaktfreudig bin und gerne neue Leute kennenlernen möchte. Ebenso bin ich zuverlässig und pünktlich. Lieber ein paar Minuten früher am Treffpunkt stehen als zu spät kommen, denn das hinterlässt wohl nie einen guten Eindruck, da Zuverlässigkeit in einer Beziehung ja auch eine große Rolle spielt.

Bei Diskussionen und Gesprächen mit Freunden kommt mein Einfühlungsvermögen auch immer wieder zur Geltung. Es ist wichtig, sich in die Sicht einer anderen Person zu versetzten, um sie besser verstehen zu können.
Und jaaa, humorvoll bin ich definitiv. Wenn man mit mir durch die Stadt läuft, merkt man durch und durch wie tollpatschig ich bin. Doch das macht nichts, da ich wie schon gesagt selbst darüber lachen kann.

Welche Charaktereigenschaft hättest du am liebsten gar nicht?

Patrick: Das Motivationsproblem bis ich ein Zeitproblem habe. Ganz schlimm. Es gibt Tage, an denen ich mich so sehr langweile und dann zwanghaft etwas unternehmen will. Bin ich dann beispielsweise shoppen, fällt mir ein, dass ich noch so viele Hausaufgaben zu erledigen habe, ein Treffen wahrnehmen muss, Abendessen kochen sollte usw. Dann kommt plötzlich das Zeitproblem auf, sodass ich gar nicht mehr weiß, wie ich all meine Aufgaben erledigen kann. Ich hoffe, dass sich das mit einem Terminplaner in weit entfernter Zukunft ein bisschen ändern lässt.

Patrick

Wann und wie hast du überhaupt selbst festgestellt, dass du auf Männer stehst?

Patrick: Das war relativ früh, ich denke so mit dreizehn. In der siebten Klasse ging es dann los, dass sich mit der Zeit immer mehr Pärchen bildeten, ich aber ein totales Desinteresse an Mädchen zeigte. Besser gesagt, ich war eher eifersüchtig auf sie.

Es war Anfangs sehr schwer für mich, mich so zu akzeptieren wie ich bin: schwul. Dabei wusste ich nicht einmal genau, was schwul bedeutet. Ich bestellte mir in einem Bücherladen einen Ratgeber über das Thema "Homosexualität" und es war mir extrem peinlich, dieses Buch dann im Laden abzuholen. Als ich dann jedoch die ersten Seiten las, stellte sich das Wort "schwul" als überhaupt nicht schlimm heraus.

Mit Ende 14 schrieb ich einen ewig langen Brief an meine Mutter, da ich mich nicht traute, es ihr persönlich zu beichten. Kurz nachdem ich ihr diesen Brief gegeben hatte, folgte sie mir in mein Zimmer, nahm mich fest in den Arm und sagte mir, dass sie mich doch trotzdem sehr lieb habe und ich immer ihr "Kleiner" sein werde. Ich freute mich natürlich tierisch über das was sie sagte, und auch meinem Vater, der es einen Tag später erfuhr, machte es nichts aus, einen homosexuellen Sohn zu haben, er sei trotzdem sehr stolz auf mich. Aus familiärer Sicht bekam ich immer Rückenwind bei dem was ich tat, ich wurde unterstützt und genauso geliebt wie vorher.

Im alten Freundeskreis gab es jedoch auch welche, die mit meiner Homosexualität nicht klar kamen und mich als einen völlig anderen Menschen ansahen, was natürlich völliger Schwachsinn war. Durch mein Outing gewann ich unerwarteter Weise ziemlich viele neue Freunde, mit denen ich auch heute noch sehr viel Kontakt habe. Sich zu outen kann ich jedem empfehlen, der stolz auf seine sexuelle Orientierung ist und mit dem Versteckspielen endlich Schluss machen will.

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