Rene (18) aus Braunschweig

Redaktion Von Redaktion
Rene (18) aus Braunschweig
Rene

Im nicht ganz winterlichen Februar berichtet uns Rene von seiner Regenbogenfamilie, wieso er so stolz auf sie ist und wie sein Coming-out war. Hier erfahrt ihr mehr von Rene...

Du hast mir bereits von deiner Regenbogenfamilie erzählt. Was dürfen wir uns darunter vorstellen?

Rene: Meine Regenbogenfamlie: Meine Schwester ist lesbisch, mein Onkel ist schwul und eine meiner Tanten ist bi. Außergewöhnlich viele in einer Familie, weshalb ich mich auch nicht alleine fühle und immer einen Ansprechpartner in der Familie habe. Ich denke nicht, dass es viele Familien gibt, bei denen die Sexualität so toleriert wird wie bei mir. Deswegen bin ich auch überglücklich und stolz auf meine Familie.

Wann und wie hast du festgestellt, dass du auf Männer stehst?

Rene: Das war schon relativ früh, mit 10 oder 11 Jahren war es glaube ich. Anfänglich war es mir gar nicht bewusst. Das kam erst ein Jahr später. Anfänglich waren es einfach nur Träume zusammen mit Jungs. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon den Aufklärungsunterricht in der Schule hinter uns. Deshalb habe ich mir auch weiter meine Gedanken gemacht, wie es denn mit einem Jungen im Bett wäre. Von vielen habe ich oft gehört, dass ich frühreif wäre.

Rene

Was hat dich dann zu einem Coming-out bewegt und wie sah es aus?

Rene: Geoutet habe ich mich gleich als ich mir zu 100% sicher war. Das war als ich mich in meinen damals besten Freund verliebt habe. In meiner Klasse habe ich es frei raus erzählt. Da es sehr früh war und wir noch alle "jung" waren, hat es keiner wirklich ernst genommen und haben es einfach so hingenommen. Bei meiner Mutter habe ich mich per SMS geoutet.

Ich: Mama, ich bin schwul!

Sie: Wir reden, wenn du von der Schule kommst

Ich hatte an dem Tag so Angst nach Hause zu gehen, aber ich hatte natürlich keine andere Wahl. Es kam aber nie zu einem Gespräch, denn sie hat mich nie darauf angesprochen. Sie hat es dann dem Rest der Familie gesagt, die es auch alle nie angesprochen haben. Nur dass sie stolz auf mich seien und sie mich genau so lieben wie früher. Selbst mein Vater hat meine bisherigen Freunde sehr herzlich aufgenommen.

Mit 15 zog ich von Hannover nach Braunschweig, dort wollte ich mich natürlich nicht sofort outen, sondern erst Freunde finden und mich einleben. Leider kam es doch irgendwie nach zwei, drei Monaten heraus und darauf folgte für mich einen Monat blanker Horror. Es war schmerzhaft von vielen "Du Schwuchtel!" hören  zu müssen.

Meine Trauer und Wut schluckte ich Wochen lang. Wenn ich mich zurück erinnere, kommt es mir aber wie Jahre vor.

Rene

Du bist auch bei der Feuerwehr geoutet und bei deinem Nebenjob. Wie haben deine Kollegen reagiert?

Rene: Angst hatte ich mehr bei der Feuerwehr zu outen, als mich bei meinen Kollegen bei McDonalds. Da die Feuerwehr ja etwas für "harte Kerle" ist. Dennoch tat ich den Schritt mich zu outen, denn ich möchte mein wahres Ich nicht verbergen müssen.

Als ich dann die Prüfung zum Feuerwehrmann mit einem Schnitt von gesamt 1,5 bestand, war das Staunen recht groß und es wagte keiner meine Persönlichkeit anzuzweifeln.

Bei McDonalds war es sehr positiv, vor allem die weibliche Belegschaft ist von mir angetan. Trotz des alltäglichen Stresses habe ich die nettesten und tolerantesten Kollegen, die man sich nur vorstellen kann.

Wenn du dir deinen Traummann backen könntest, wie sollte er sein?

Rene: Ich möchte mir gar keinen Traummann backen, denn dann wäre es ja total langweilig für mich. Ich möchte keinen perfekten Freund, ich möchte jemanden, der nicht perfekt ist. So wie ich. Ich bin nicht perfekt und mache meine Fehler. Die sollte mein "Traummann" auch machen dürfen.

Außerdem spielt meiner Meinung nach Toleranz, Ehrlichkeit und Offenheit eine der größten Rolle in einer Beziehung und diese Eigenschaften sollte mein "Traummann" schon haben. Ich stelle nicht viele Ansprüche, aber einen Traummann backen? Darauf verzichte ich.

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