Sven aus Stuttgart

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Sven aus Stuttgart
Sven

Sven (21) spricht über sein "schüchternes Selbstbewusstsein" und seinem ehrenamtlichen Engagement. Unser dbna'ler im Monat März.

Du hast mir bereits von deinem "schüchternen Selbstbewusstsein" erzählt. Was kann ich mir darunter vorstellen?

Sven: Ein guter Freund von mir hat dies als Eigenschaft über mich genannt, welche er an mir toll findet. Es kommt daher, dass ich immer ein zurückhaltender und sehr schüchterner Mensch war. In den letzten zwei Jahren hat sich dies insofern verändert, dass mein Selbstbewusstsein gestiegen ist. Dazu haben viele Faktoren beigetragen. Hauptsächlich meine Freunde, die immer hinter mir stehen, aber auch das schwule Sommercamp am Bodensee, welches jedes Jahr im August stattfindet. "Schüchternes Selbstbewusstsein" eben deswegen, weil meine Schüchternheit anfangs immer noch vertreten ist, was ich auch gut so finde, denn so bin ich eben und das ist das Wichtigste.

Womit beschäftigst du dich in deiner Freizeit?

sven

Sven: In meiner Freizeit zeichne ich sehr gerne die verschiedensten Dinge. Mit einem Stift und einem Blatt Papier lässt sich einiges ausdrücken. Seit kurzem versuche ich mich auch mit Öl zu malen, doch das zeichnen mit Stift und Papier klappt bisher noch deutlich besser. Vor allem im Frühjahr und Sommer finde ich im Freien die meiste Inspiration. Ansonsten gehe ich gern Schwimmen oder zur Abwechslung ins Fitnessstudio oder bin an der frischen Luft Joggen. Am allerliebsten aber, steht meine Freizeit meinen Freunden zur Verfügung, mit denen man immer etwas Schönes Unternehmen kann.

Wann und wie hast du festgestellt, dass du auf Männer stehst?

Sven: Einen Zeitpunkt dafür zu nennen, finde ich sehr schwer. Man kommt in die Pubertät und merkt, dass die Interessen sich mehr und mehr von den anderen Jungs abkapseln und man anders zu Jungs steht. Wirklich Gedanken habe ich mir nie darüber gemacht, dass ich lieber den Jungs in der Sportumkleide zugeschaut habe, als mich an den Gesprächen über Frauen zu beteiligen. Mit 17 habe ich dann begonnen, mich selbst über das Internet und die schwulen Communitys zu informieren und mit andere Gleichgesinnten auszutauschen.

Sven

Heute mit 21 bin ich Gruppensprecher einer schwulen Jugendgruppe in Stuttgart, den "Königskindern",  zu denen ich gekommen bin als ich 20 war. Ich frage mich oft, ob es nicht einiges erleichtert hätte, wenn ich auf diese Gruppe schon mit 17 aufmerksam geworden wäre.
Denn das, ist der deutlich schönere Weg Freundschaften in der schwulen Welt zu schließen und sich mit anderen auszutauschen.

Das klingt wirklich interessant. Kannst du mir mehr über die "Königskinder" und deinen Aufgaben dort erzählen?

Sven: Gerne. Wir sind eine schwule Jugendgruppe in Stuttgart von 16 bis 27 Jahren und treffen uns einmal in der Woche, immer mittwochs ab 19.30 Uhr im schwul-lesbischen Zentrum Weissenburg in Stuttgart. Seit November letzten Jahres bin ich dort Gruppensprecher und kümmere mich mit meinem Kollegen um die Organisation, den Newsletter oder anstehende Events, wie zum Beispiel DVD-Abende, Kino-Besuche, CSD-Besuche außerhalb Stuttgarts und vieles mehr. Ich mache den Gruppensprecherposten sehr gerne und mich freut es immer wieder sehr zu sehen, wie schnell neue Jungs in der Gruppe, die anfangs etwas schüchtern sind,  sehr schnell aufblühen und sich in die Gruppe integrieren und Anschluss finden. Falls jemand Interesse und Lust hat mal vorbeizuschauen, würde ich mich sehr freuen!
Wir sind auch auf dbna als "Königskinder" bei den Gruppen vertreten.

Sven

Wie war dein Coming-Out?

Sven: Schnell und Spontan. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass es so abgelaufen ist, denn so blieb mir ein langes "Versteckspiel" erspart. Angefangen hat es damit, dass ich zum ersten Mal bei meinem Freund übernachten wollte. Ich habe mich dann zu meiner Mutter gesetzt und sie gefragt, ob ich am Wochenende bei meiner "Freundin" übernachten darf. Daraufhin schaute sie mich skeptisch an und fragte mich, ob ich denn sicher bin, dass es eine "Freund" und kein Freund ist. Im ersten Moment war ich sehr geschockt, doch dann erklärte sie mir, dass sie in meinem Zimmer eine schwulen Zeitschrift entdeckt hatte und es schon länger wusste.

Damit war es raus und es war gut so. Mein Vater hat ein paar Tage gebraucht alles zu verarbeiten, hat aber mittlerweile auch absolut kein Problem mehr damit und steht, wie der Rest der Familie, sowie alle meine Freunde komplett hinter mir. Ich glaube viele Leute machen sich, wie auch ich selber damals, viel zu große Gedanken über das Coming-Out. Klar gibt es immer noch Leute die es nicht positiv aufnehmen. Aber die Leute denen man wichtig ist, ob Familie oder Freunde, werden es akzeptieren, auch wenn der ein oder andere mehr Zeit dafür braucht.

Was bedeutet dein Nickname?

Sven: "Feuerherz" ist der Name eines Buch-Helden, welcher mir von Anfang an sehr gefallen hat. Er steht für Leidenschaft, Mut, Treue und für ein großes Herz. Alles Eigenschaften die hilfreich sind, um sich in der schwulen, sowie auch in der restlichen Welt behaupten zu können.

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Weitere Quellen: dbna, Sven