Tim (22) aus Frankfurt

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Tim (22) aus Frankfurt
Tim

Im November stellen wir euch Tim vor. Er erzählt, wie es ihm das erste Mal auf einer Schwulenparty gefallen hat, welche Bedeutung sein Tattoo hat und was ihn an seinem ersten Freund gestört hat.

dbna: Tim, Du lebst seit einem halben Jahr in Frankfurt, davor hast Du am Stadtrand gewohnt. Was hat sich seitdem verändert?



Tim: Weil ich in Frankfurt arbeite, wollte ich auch dorthin ziehen. Da spare ich mir wirklich viel Zeit, die sonst auf der Strecke bleiben würde. Ich wollte aber nicht alleine wohnen, deshalb habe ich mit einer Arbeitskollegin eine WG gegründet. Wir kannten uns schon ein halbes Jahr aus der Ausbildung und sind dann zusammengezogen und es klappt super! Seit ich in der Stadt wohne, gehe ich auch in die schwule Szene.



Wie fandest Du es in der Szene?



Ich hätte nicht gedacht, dass es so abgeht (lacht). Davor war ich immer auf Hetero-Partys. Aber ich gehe sowieso zum Feiern dahin und nicht, um zu flirten.



Wie hast du denn deinen ersten Freund kennengelernt?



Ich habe ihn in der Schule schon gekannt. Nur durch dbna habe ich heraus gefunden, dass er schwul ist. Vorher hatte er noch nicht mit mir darüber gesprochen.



Er war nicht geoutet. Hat dich das gestört?



Ja, es hat mich total gestört! Ich war zwar damals auch nicht bei meinen Eltern geoutet, aber meine Freunde wussten es. Seine nicht, deshalb habe ich sie auch gar nicht kennengelernt. Außerdem will man doch allen davon erzählen, dass man vergeben ist, oder?


Mittlerweile bist du auch bei deinen Eltern geoutet. Wie lief das ab?



Eigentlich wusste ich schon mit 16, dass ich auf Jungs stehe. Bis ich das aber eingesehen habe, hat es etwas gedauert. Ich hatte immer das Bild von Frau, Kind und Haus im Kopf. Erst vor eineinhalb Jahren verschwand dieser Gedanke. Ich habe lange überlegt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es überhaupt nicht schlimm ist, wenn ich anders bin. Meine Mutter hat es aber schon mitbekommen, als ich mich übers Schwulsein im Internet informiert habe, also so mit 16.

Tim

Ich habe einmal vergessen, den Verlauf am gemeinsamen Computer zu löschen. Darauf hat sie mich angesprochen und ich habe geheult ohne Ende, so dramatisch wie das in so einem Moment nun mal ist. Sie hat aber gesagt, dass es überhaupt nicht schlimm ist. Ich sollte nur aufpassen, wen ich treffe. Seitdem haben wir das Thema aber fallen gelassen. Ich habe ihr von meinem Freund erzählt, aber ein "ich bin schwul!" gab es nie. Es ist einfach egal, wen ich liebe.

Wie war es bei deinem Vater?



Er hat es irgendwie durch seine Freundin, meine Stiefmutter erfahren. Aber auch bei ihm habe ich mich nie eindeutig geoutet, genau wie bei meiner Mutter. Wir reden nicht explizit darüber, aber er fragt schon immer wieder, ob ich einen Freund habe. Und er will unbedingt, dass ich jemandem mit zu seinem 60-jährigen Geburtstag mitbringe. "Wir wollen endlich jemanden kennenlernen", sagt er immer.



Dein Freund soll also geoutet sein. Welche Eigenschaften muss er noch haben?



Vom Äußeren ist mir wichtig, dass er sich um seinen Körper kümmert. Außerdem soll er witzig sein und hinter mir stehen, egal was auch passiert. Er sollte auch nicht zu weit weg wohnen. Und er muss irgendetwas haben, was mich fasziniert. Das kann eine Kleinigkeit sein. Bei meinem Ex war das zum Beispiel, wie er gezwinkert und halb gegrinst hat, wenn er mich lieb angeguckt hat. Da wollte ich immer der Grund sein, dass er das öfter macht, weil ich es so süß fand! Er sollte außerdem wissen, was er erreichen will und wohin er später möchte.



Weißt Du das denn schon so genau?



Im Moment mache ich eine Ausbildung zum Hotelfachmann mit Zusatzqualifikation und die gefällt mir wirklich gut. Mir macht der Job Spaß, aber ich weiß nicht, ob ich das für immer machen möchte. Ich sehe mich da nicht für den Rest meines Lebens. Ich würde gerne im Ausland arbeiten, vielleicht auch für immer. London wäre super, da sind die Männer so höflich (lacht). Aber ich will mich auch gar nicht festlegen. Ich könnte mir vorstellen, noch zu studieren. Psychologie, Übersetzen oder allgemein etwas mit Sprachen ich mag so viele verschiedene Bereiche. Oder ich mache mein Hobby zum Beruf und werde Tanzlehrer.

Tim

Was ist denn dein Lieblingstanz?



Da habe ich eigentlich keinen, weil ich alle so mag. Ich tanze seit fünf Jahren Standard und Latein, heute mache ich das drei- bis viermal in der Woche. Ich bin auch Assistent der Tanzlehrer und mache die Schritte für die anderen vor. Angefangen hat das alles mit einer Kurzschlussreaktion: Ich habe einfach beschlossen, das zu machen. Viele haben gesagt, dass ich das doch sowieso bald wieder aufhören werde aber ich habe weitergemacht.



Ein Vollzeitjob, dazu das Tanzen, dem du viel Zeit gibst. Wie sieht denn dein perfektes Wochenende aus, um zu entspannen?


Am Freitagabend würde ich mit meinen Freunden feiern gehen, um dann am Samstag ganz lange auszuschlafen. Den Tag über mache ich dann wieder etwas mit meinen Freunden: Tanzen, ins Kino oder essen gehen zum Beispiel. Abends schauen wir dann zusammen Filme. Am Sonntag würde ich morgens aufräumen, damit ich mich in der nächsten Woche wieder wohlfühle. Den restlichen Tag würde ich alles ruhig angehen und entspannen.



Was machst du sonst, um dich wohlzufühlen?


Ganz viel Musik hören! Deshalb habe ich auch einen Notenschlüssel und vier Noten als Tattoo. Ich höre fast immer Musik, das ist mir echt wichtig. Ich mag auch so gut wie jeden Stil, außer vielleicht Metal. Aber über Pop oder Country oder Hip-Hop gefällt mir fast alles. Mit Musik kann ich mich auch abreagieren, wenn es mir mal nicht so gut geht. Aber das kommt sowieso fast nie vor, ich habe eigentlich immer gute Laune. Ich bin überhaupt kein Morgenmuffel und schreie auch um 6 Uhr morgens meine Kollegen im Hotel fröhlich an. Zum Glück ist das aber keine nervige gute Laune, sondern eine ansteckende. Das hoffe ich zumindest (lacht).

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