Tim aus Magdeburg

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Tim aus Magdeburg
Tim

Tim (21) spricht über seine "männlichen" Werte, seinen stets leeren Kühlschrank und großen Zukunftspläne als Model. Unser dbna'ler im Monat Mai.

Vor allem deine Fotos lassen auf eines deiner Hobby schließen, Modeln. Wie kamst du dazu und was bedeutet es dir?

Tim: Damals wurde ich nie auf mein Aussehen angesprochen, ich wurde sogar in meiner Schulzeit deswegen extrem gemobbt. Irgendwann wechselte ich nach der 10. Klasse die Schule und veränderte mein Look etwas. Ich kam gut bei den Leuten an und dadurch stärkte sich mein Selbstbewusstsein spürbar. Ich machte viele Fotos von mir und bekam plötzlich viel Zuspruch, was ich anfangs nicht gewöhnt war. Irgendwann wurden die Fotos dann so gut, dass mich auf Facebook eine Agenturchefin angesprochen hat, ob ich bereits modeln würde.
So kam letztendlich der Stein ins Rollen.

Welche Werte vertrittst du offen nach außen?

Tim: Dies ist eine sehr komplizierte Frage. Ich persönlich finde es sehr wichtig Spaß am Leben zu haben. Natürlich sollte man arbeiten, man sollte sich in wichtigen Situationen angemessen verhalten, jedoch sollte da nie der Spaß daran verloren gehen. Ich bin selbst auch ein sehr gelassener, toleranter Mensch und akzeptiere jeden Menschen so wie er ist. Werte zu vermitteln ist ziemlich schwer. Dadurch dass ich für knapp ein Jahr im Hort mit 6 bis 14-jährigen gearbeitet habe, weiß ich dass es nicht einfach ist den "jungen Menschen" gewisse Werte aufzuzeigen. Nach außen hin bin ich zu jedem freundlich und offen. Ich bin ziemlich redegewandt und unheimlich kindisch und lustig.

Ich selbst bin auch eine ziemlich männlicher Typ. Ich spiele Fußball, mache Kraftsport und unterscheide mich kaum von normalen "Heteros". Für mich war es damals sehr schwer einzusehen dass ich tatsächlich schwul bin. Nicht weil ich mit einem Mann zusammen leben würde, sondern nur weil ich Angst davor hatte was alle anderen von mir denken. Ob sie glauben würden dass ich eine "Tussi" bin oder ob ich mich an meine Kumpels ranschmeißen würde. Mittlerweile habe ich unheimlich viele Leute kennengelernt und sehe, dass es Footballspieler gibt die schwul sind, Chefs ganz weit oben an der Karrierespitze, Fußballspieler, und und und. Ich bin einer von Ihnen und das macht mich mittlerweile sogar stolz.

Tim

Wann und wie hast du festgestellt, dass du auch auf Männer stehst?

Tim: Puh, das ist noch gar nicht so lange her. Ich habe irgendwann einfach gemerkt, dass ich nicht den Mädels auf den Po schaue, sondern eher den Jungs. Ich selber habe jedoch erst jetzt mit 21 Jahren festgestellt, dass es einfach so ist und habe mit dem "Schwulsein" jetzt meinen Seelenfrieden gefunden. Jeder soll einfach wissen dass schwul zu sein, keine Schande ist.

Wie war dein Coming-Out?

Tim: Ich erinnere mich noch, dass ich mit 16 Jahren verzweifelt und weinend auf meinem Bett saß und nicht mehr weiter wusste, weil ich annahm, dass es niemand verstehen würde. Plötzlich kam meine Mutter in mein Zimmer und setzte sich neben mich. Sie fragt was los sei und warum ich weine. Ich meinte nur, dass ich es ihr nicht sagen kann, weil ich sie nicht enttäuschen mag. Sie dachte anfangs dass ich mir das Leben nehmen will oder dass ich Vater werde. Als ich ihr jedoch sagte dass ich schwul bin tröstete Sie mich und sagte als sie aus mein Zimmer ging folgenden Satz: "Ich bin glücklich wenn du glücklich bist und außerdem freue ich mich schon einen richtig tollen Schwiegersohn zu haben!". Diesen Satz habe ich heute nicht vergessen.

Gibt es eine Situation, eine Person oder einen Moment, über die/den du sagen würdest, das war deine Rettung?

Tim: Ja, die gibt es tatsächlich. Damals als ich gemobbt wurde, begann bei mir eine Essstörung, welche knapp 2 Jahre anhielt. Ich konnte einfach nicht mehr essen und mein ganzer Tag drehte sich nur um das Thema "Du musst essen, sonst stirbst du!". Es hat nicht lange gedauert bis ich unheimlich abgemagert war. Mir ging es schlecht und ich dachte tatsächlich mit meinen 14 Jahren, dass mein Leben wohl vorbei sein wird. Meine Oma hat mir dann von Ihrer Kollegin erzählt, dessen Tochter auch magersüchtig war. Sie erzählte von den Torturen die sie durchmachen musste, dass sie sogar von einer Sonde ernährt wurde! Dadurch bekam ich Angst und es legte sich ein richtiger Schalter in meinem Kopf um. "So kann es nicht weiter gehen!". Nach und nach gewöhnte ich mich wieder ans Essen und nahm wieder gut zu.  Heute verschlinge ich mittlerweile so viel, dass der Kühlschrank regelmäßig leer ist.

Tim

Wenn du jemanden kennenlernst, auf was achtest du besonders?

Tim: Aufs Gesicht! Ich könnte nicht einmal sagen was genau daran mir auffallen würde, es muss einfach stimmen. Die Augen müssen mich fesseln. Außerdem mag ich Bärte, aber das ist kein Muss! Da ich selbst Leistungssport betreibe, mag ich natürlich auch sportliche Körper, wobei ich auch Rundungen sehr ansprechend finde. Dadurch dass ich ein ziemlich lustiger und viel lachender Mensch bin, ist Humor für mich mit das wichtigste. Mit Humor und kann man bei mir auf alle Fälle punkten.

Was ist dein Lebenstraum?

Tim: Darüber habe ich mir schon oft Gedanken gemacht. Ich habe mir bereits ein kleines Ziel gesteckt. Wenn ich irgendwann mal mit dem Modeln oder dem Singen groß rauskommen sollte, dann setze ich mich für unterdrückte Minderheiten ein. Ich will Menschen helfen denen es nicht so gut geht. Die in Ihrem Leben vielleicht nicht so viel Spaß und Freude erfahren haben, wie ich es tat. Ich will Menschen zum Lachen bringen, ich will die Welt irgendwie verbessern, auch wenn es schwer ist. Aber es ist mein Ziel.

Außerdem würde ich unheimlich gerne heiraten, einen tollen Mann und auch eigene Kinder haben. Dazu ein Haus und einfach Zufriedenheit und natürlich Gesundheit. Das ist mein Lebenstraum.

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Weitere Quellen: dbna, Tim