Timo (18) aus Wadgassen

Redaktion Von Redaktion
Timo (18) aus Wadgassen
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Timo spricht über sein Coming-out, vor dem er höllische Angst hatte. Außerdem erzählt er uns über seine erste Beziehung und Freundschaften. Der dbna'ler des Monats Februar 2012.

Timo, du hattest vor deinem Coming-out höllische Angst, dich zu öffnen Wie kam das?
Timo: Diese Angst war keineswegs unbegründet. Denn schon zu Kindeszeiten, während der Vorschulzeit und in der Grundschule, war ich äußerst auffällig. Ich war individuell, passte mich niemandem an, trug die Kleidung, die ich zu dieser Zeit für angemessen hielt und verbrachte überwiegend Zeit bzw. meine Freizeit bei und mit Mädchen.

Die Meinungen vieler Jungs: Schwuchtel! Ein Anlass führte zum nächsten. Zu Beginn der 8. Klasse begann ich abzunehmen und erlangte dadurch Anerkennung und verspürte erstmals das Gefühl einer gewissen Beliebtheit. Ein schwules Image geschweige denn ein Coming-out, hätte diese kleine, eigene Idylle radikal zerstört.

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Als mir nun meine beste Freundin, als ich 15 Jahre alt war, erklärte, dass sie definitiv mit einem/ihrem besten Freund als Homosexueller ein Problem hätte, verstärkte sich diese Angst immens. Heute kann ich sagen, dass mein Coming-out, trotz anfänglicher Schwierigkeiten recht gut verlief. Auch meine beste Freundin steht heute zu und hinter mir, unterstützt mich, gibt mir Rat und verleiht meinem Leben eine gewisse Sicherheit.

Selbst deinen damaligen Freund hast du verleugnet und ihn nur als "guten" Freund bezeichnet. Wie ist er denn damit umgegangen?
Timo: Umgehen konnte er damit rein gar nicht. Ständig versetzte er mich in schwierige Situationen, verlieh dem Ganzen sehr viel Druck und ließ gewisse Anspielungen in Gegenwart meiner Mutter vom Stapel. Noch neulich fragte ich mich, weshalb ich jemandem, welcher seinen eigenen Freund so erdrückt, lieben konnte.

Wann und wie hast du überhaupt festgestellt, dass du auf Männer stehst?
Timo: Empfinden tut man die Homosexualität, meiner Ansicht nach, schon während der Grundschulzeit. Man lernt Menschen kennen und merkt, was man für jede einzelne Person spürt. Letztendlich jedoch weiß ich es erst ab dem Zeitpunkt, als ich meine erste Freundin hatte.

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Wie war denn dann schließlich die Reaktion deiner Eltern, als du dich doch getraut hast, dich zu outen?
Timo: Anfangs etwas geschockt, aber dennoch sehr liebevoll. Mein Outing passierte eher aus Zufall und sehr spontan, sodass ich überhaupt keine Zeit hatte, viel darüber nach zu denken. Jedoch finde ich, dass unterm Strich mein Vater besser mit meiner Homosexualität umgeht als meine Mutter.

Ergänze den Satz: "Freundschaft bedeutet mir"
Timo: ...all das Relevante und Unwichtige für einige Zeit zu vergessen. Die Welt, die reine Luft, den Baum, die Farben, den wolkenlosen Himmel und alle anderen Freiheiten genießen zu können und immer zu wissen, dass jemand zur Stelle ist, wenn man seine linke oder rechte Hand benötigt.

Was war bisher die peinlichste Situation, die du selbst durchlebt hast?
Timo: Ich muss gestehen, dass davon nicht sonderlich viele vorhanden sind. Das einzige, an das ich mich noch entsinnen kann, fand in einem Linienbus statt. Ich wollte aufstehen, um mich zur Ausgangstür zu begeben. Währenddessen knallte mein Kopf gegen eine Metallstange, welche über mir hing.

Wenn du jemanden kennen lernst, auf was achtest du besonders?
Timo: Das Aussehen ist bei mir in erster Linie irrelevant. Man sollte sich gut mit ihm unterhalten und auseinandersetzen können. Zudem ist mir eine gewisse Vertrauensbasis sehr wichtig, welche jedoch nur entstehen kann, wenn sich die gegenüber sitzende Person offen zeigt und kommunikativ ist.

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Sex und Liebe sind für dich was?
Timo: Etwas, was es definitiv zu verbinden gilt. Natürlich macht jeder hin und wieder Erfahrungen mit Affären und reinen One-Night-Stands. Jedoch bin ich nicht ein sehr großer Fan davon und somit nicht allzu begeistert von dieser Taktik. Das einzige, was ich sicher weiß, ist, dass sich verliebter Sex auf emotionaler Ebene deutlich angenehmer anfühlt als nur der reine, befriedigende Sex!

Ergänze den Satz: "In der Öffentlichkeit ist Händchen halten mit meinem Freund für mich"
Timo: ... ein reeller Traum. Selbst wenn an einem die Blicke nur so kleben bleiben, halte ich die Person, die ich unendlich liebe, an der Hand und bin mit ihr vereint.

Wenn du einen Wunsch frei hättest, um das Leben von Schwulen und Lesben zu verbessern, dann würdest du dir was wünschen?
Timo: Auch wenn sich die Toleranz in unserer Gesellschaft zunehmend vermehrt, fände ich es sehr angenehm, wenn selbst heterosexuelle Menschen gleichermaßen an Veranstaltungen wie dem CSD teilnehmen würden, sowie wir es bei ihren traditionellen Festen tun. Zudem würde ich es als äußerst positiv empfinden, wenn sich die Anzahl der Menschen, die nicht nur auf Sex aus sind, vermehrt, da es davon leider immer noch viel zu wenige gibt.

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