Tobias aus Bremen

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Tobias aus Bremen
Tobias

Tobias backt sich seinen Traummann, erzählt über sein Schwulsein und wie er sich geoutet hat. Der 17-jährige Bremer ist dbna'ler des Monats Januar.

Du bist sehr musikalisch. Würden wir dich auch eines Tages in einer Castingshow erleben?

Tobias: Ich würde mich selbst nicht als sehr musikalisch beschreiben, da ich nur zum Zeitvertreib mal auf meiner Gitarre spiele und dazu ein wenig singe. Ich denke jeder singt zu seinem Lieblingssong mit wenn er im Radio läuft, so geht es mir auch ungefähr. Außerdem sind die Castingshows heutzutage nur dazu da,  die Jurymitglieder noch berühmter zu machen und bestimmten Sendern höhere Einschaltquoten zu bescheren. Ich kenne im deutschen Fernsehen niemanden, der es zu weltweitem Ruhm gebracht hat. Dazu ist meiner Meinung nach das Internet besser geeignet, da dort richtige Talente zu finden sind. Also falls ich in einer Castingshow auftreten sollte, dann nur um einmal in die Kamera zu grinsen.

Wenn du dir deinen Traummann backen könntest, wie sollte er sein?

Tobias: So etwas wie einen Traummann gibt es für mich leider nicht. Aber wenn ich mir einen backen könnte (und meine Backkünste sind eher weniger ausgeprägt) sollte er auf jeden Fall jemand sein, der denselben Humor hat wie ich. Er sollte nicht alles zu ernst nehmen und mit mir über alles Mögliche lachen und reden können. Reden ist mir sehr wichtig, wie sollte man sich sonst alles vermitteln!? Also wenn mir jemand vortanzen kann, wie sein Tag war, dann bringe er es mir bitte bei. Was mir auch wichtig wäre ist, dass er ähnliche Interessen hat. In der Freizeit einfach mal treffen und zusammen nur entspannen kann genauso schön sein wie ein gemeinsamer Urlaub, um sich eine Stadt anzusehen.

Optisch muss es einfach Klick machen, da lege ich mich ungern fest, ob blond oder grün ist also nebensächlich.

Tobias

Wie stellst du dir ein perfektes Date mit deinem Traummann vor?

Tobias: Einen Ort für mein perfektes Date gibt es nicht Es sollte auf jeden Fall sehr romantisch sein, wie z.B. eine Wiese mit einem gemütlichen Picknick im Sonnenuntergang oder eine kleine Bar mit Kerzenschein. Es wäre bestimmt umwerfend nur die bloße Anwesenheit meines Traummannes zu genießen. Sich tief in die Augen zu schauen und zu wissen, dass es der richtige Typ und dies der richtige Moment ist, macht Alles um einen herum zur Nebensache.

Trotzdem gibt es kein "perfekt", denn Ecken und Kanten machen vieles interessanter. Wenn einem die Tomatensoße beim Essen auf die Hose fällt und man dann herzlich über dieses Missgeschick lacht, ist es viel angenehmer, als wenn man sich die ganze Zeit anschweigt.

Wann und wie hast du festgestellt, dass du auf Männer stehst?

Tobias: Ich wusste schon mit 13, dass ich eine andere Einstellung zu Jungs habe. Ich wollte es nicht wahrhaben und versuchte sehr lange dagegen anzukämpfen. Ich hatte sogar eine lange Beziehung mit einem Mädchen, doch die Beziehung lief nicht so, wie Sie und ich es uns vorgestellt hatten. Danach habe ich mich nach und nach mit dem Gedanken auseinandergesetzt, schwul zu sein.

In vielen Momenten fühlte ich mich von allen anderen verstoßen, doch Musik half mir auch in diesem Abschnitt meines Lebens vieles zu verarbeiten. Ich denke, dass viele Dinge passieren, damit man daraus lernt. Also sehe ich vieles Schlechtes, was mir passiert ist im Nachhinein positiv, denn was bringt es, sein Leben lang traurig zu sein?!

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Was hat dich dann zu einem Coming-Out bewegt und wie sah es aus?

Tobias: Ich bin sehr glücklich, dass ich diesen Schritt gewagt habe. Alleine hätte ich es nie im Leben geschafft und deswegen möchte ich auch meinen beiden besten Freunden danken, die mir immer den Rücken gestärkt haben, wenn ich sie brauchte. Die beiden kenne ich auch von dbna und sie waren mir eine große Inspiration und Stütze.

Zuerst habe ich mich einer guten Freundin anvertraut, welche zuerst sehr geschockt war, weil sie es von mir nie erwartet hätte. Das Coming-Out bei meiner Familie war um einiges schwieriger und es dauerte sehr lange bis sich wieder ein "normales" Verhältnis eingestellt hatte. Letztendlich fühle ich mich jetzt viel freier. Man kann einfach so sein, wie man möchte und das sollte einem niemand zum Vorwurf machen.

Welche Charaktereigenschaften schätzt du an dir besonders?

Tobias: Höflichkeit ist für mich sehr wichtig. Egal wie unfreundlich Andere zu mir sind, ich versuche immer nicht deren Beispiel zu Folgen. Ich zeige für vieles Verständnis, denn alles was man macht hat einen Hintergrund und bevor man Vorurteile schmiedet, sollte jeder sich rechtfertigen dürfen. Etwas, welches gleichzeitig auch eine negative Eigenschaft sein könnte wäre, dass ich mir immer Sorgen machen.

Dennoch kann man mit mir super lachen, auch wenn es für manche albern klingen mag. Wer kennt nicht das Gefühl von dem Gelächter der Freunde angesteckt zu werden. Um etwas poetisch zu werden: "Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag." - Charlie Chaplin

Was bedeutet dein Nickname?

Tobias: Der Nickname spielt auf einen Song von Linkin Park an. Er soll zeigen, dass ich mich oft in einer Situation befinde, in der ich mich zwischen Dingen entscheiden muss. In vielen kleinen Momenten bringt eine Entscheidung etwas hervor egal ob Gutes oder Schlechtes. Nur es ist wichtig eine Entscheidung zu treffen, sonst bleibt man immer in der "Zwischen-Situation".

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Weitere Quellen: dbna, Tobias