Aus dem Auto geschmissen

Redaktion Von Redaktion

Mein Coming Out begann, als ich 16 Jahr alt war. Mir war es schon lange klar, dass ich schwul bin und zeigte keinerlei Interesse an Frauen. Damals war ich verliebt, der Junge ging in meine Ausbildungsklasse.

Alexander, 21: Ich erzählte eines Morgens meiner Mutter. Ich weiß noch ganz genau, dass es morgens um 6 Uhr war. Meine Mutter war noch garnet richtig wach, als ich es ihr erzählte. Sie erklärte, dass ich sie nicht alle habe und das es nur ein Phase sei. Ich nahm es erst mal nur so hin. Ich dachte, ich erzähle es ihr besser zu einem späteren Zeitpunkt nochmal.

Es war dann ein Monat vergangen und ich sagte ihr am Nachmittag, dass ich mich in einen Jungen verliebt habe. Sie antwortete nur, dass sie damit keine Probleme habe, und dass ich doch ihr Sohn sei. Meine Mutter hatte nur die Sorge, dass es mein Vater nicht so gut aufnehmen würde. Dies dachte ich auch und erzählte es ich, erst ein halbes Jahr später. Als ich dann meinem Vater erklärte, dass ich auf Jungs stehe und nicht auf Mädchen, saßen wir im Auto. Ich war so doof und erzählte es ihm während der Fahrt. In mir kam einfach der Gedanke hoch, es ihm jetzt einfach mal zu sagen. Als es dann raus war, legte er eine Vollbremsung hin und fragte, ob ich nicht ganz normal sei, ob ich ein psychologisches Problem habe. Ich antwortete nur: Nein, ich bin nur etwas anders und das nennt sich eben schwul.

Mein Vater fuhr dann weiter und schmiss mich erst mal an der nächsten Bushaltestelle raus. So konnte ich mit dem Bus nach Hause fahren. Kaum zuhause angekommen, sah ich nur wie meine Mutter weinte, vor Schreck rannte ich in mein Zimmer und schloss mein Zimmer Tür ab. Es war für mich und meinen Eltern nicht leicht.

Es vergingen dann ein paar Wochen und es fiel kein Wort über meine Sexualität, aber dies wollte ich nicht so stehen lassen. Ich sprach mein Vater nochmals an, er sagte nur, dass es ihm nicht störe und er habe mich nur aus dem Auto geschmissen, da es für ihn erst einmal ein Schock gewesen sei.

Ich war froh, das gröbste geschafft zu haben. Allerdings blieb da noch mein Bruder, der sollte nicht im Leeren stehen und von nichts wissen. Ich erzählte es ihm und er nahm es ganz gelassen. Er sagte nur: Na, in dieser Zeit ist es normal und man sei doch viel offener als im 19. Jahrhundert.  Er hat es dann auch seiner Frau und die war total glücklich, dass ich schwul bin, naja ein schwuler Schwager halt.

Meinem besten Freund erzählte ich es auch. Er war ziemlich geschockt, dachte ich sei pervers und wolle ihm an die Wäsche, was natürlich nicht stimmte. Er ging mir Wochen und Monate aus dem Weg.

In der Zeit habe ich mich weiter geoutet und die Weiber, die ich als Freundinnen hatte, haben sich wie absolut gefreut. Ich wusste aber, dasa sie nicht die Klappe halten können. Und so wusste es nach ein paar Wochen die ganze Schule, was mich herzlich wenig störte, da ich mit den meisten eh nichts am Hut hatte.

Ein paar Monate später sprach ich mein besten Freund nochmal an und erklärte ihm alles. Ich habe nichts Böses vor und wolle ihm auch nicht Böses tun. Seitdem sind wir wieder wie ein Herz und eine Seele.

Die Verwandtschaft väterlicherseits nahm das alles sehr locker, aber der Verwandschaft meiner Mutter werde ich es nie erzählen, da die sehr rassistisch angehaucht sind. Zum Glück wohnen die nicht in unserer Nähe sondern weit weg. Auch wenn es einfach geklungen haben mag, so einfach war es leider nicht, die Kraft zu finden und die Angst zu überwinden. Ich kann jetzt allerdings offen und frei leben und muss mich nicht mehr verstecken. Doch dafür musste ich kämpfen, auch um mein besten Freund nicht zu verlieren. Merkt euch: Freunde sind echt Gold wert.

Coming-out

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