„Bi ist bi“

Redaktion Von Redaktion

Bei mir begann alles mit zwölf Jahren. Alle Jungs in meinem Alter interessierten sich für Fußball, doch ich hasste Fußball. Ich liebte die Musik. Ich habe mich immer gefragt, wieso ich nicht so bin wie die anderen.

Gino, 14: Zu dem Zeitpunkt habe ich aber nicht dran gedacht, vielleicht bi oder schwul zu sein. Doch als ich mit 13 Jahren immer mehr Jungs hinterher guckte und anfing, sie süß zu finden, machte ich mir ernsthafte Gedanken, ob ich vielleicht bi oder schwul bin.

Es war Anfang Mai, als ich meiner besten Freundin gestand, bisexuell zu sein. Ich fragte sie, ob es für sie denn okay sei. Sie nahm mich in den Arm und sagte: Gino, ich liebe dich so, wie du bist, und das wird auch immer so bleiben! Und ich meine, wünscht sich nicht jedes Mädchen einen schwulen besten Freund? Ich lachte und sagte, dass ich nicht schwul sondern bi sei.

Nach und nach erzählte ich es meinen anderen Freundinnen. Alle reagierten wie meine beste Freundin. Meine Eltern reagierten auch sehr cool. Sie unterstützen mich beim Coming-out und meinten, sie lieben mich so, wie ich bin. Ich war zu dem Zeitpunkt der glücklichste Mensch der Welt.

Mein weiteres Coming-out erfolgte relativ schnell. In Religion hatten wir zu dem Zeitpunkt das Thema Liebe. Ich dachte mir, dass es vielleicht gut sei, auch mal andere Lieben anzusprechen. Ich sprach also mit meiner Religionslehrerin darüber. Sie war ziemlich cool drauf. Sie sagte mir: Yeah, mein bester Freund ist auch schwul! Finde ich echt super, dass du dazu stehst. Ich erwiderte, dass ich bi sei und ging fort.

Was folgte, war der 26. Juli 2012, die zweite Stunde: Religion. Diese sollte mein Leben verändern, es war mein Coming-Out. Meine Lehrerin hatte sich auf den Unterricht gut vorbereitet, denn sie wollte es mir so einfach wie möglich machen. Sie fragte die Klasse, wie sie zu Homosexuellen stehe. Fast alle zeigten auf und meinten dasselbe. Sie sagten, dass sie Homosexuelle akzeptierten und eigentlich ganz korrekt finden. Dann meldete ich mich, schaute meine Freunde an und stand auf. Ich sagte: Leute, ich muss euch etwas sagen... Ich bin Bisexuell. Für ein paar Sekunden war es still. Doch dann standen alle auf und applaudierten. Ich bin froh, diesen Schritt gemacht zu haben.

Am Abend postete ich in Facebook folgenden Satz: Ja, es stimmt, dass ich bi bin, und es stimmt auch, dass ich einen Freund habe. Aber nur weil ich einen Freund habe, heißt das nicht, das ich jetzt schwul bin. (; Bi ist bi und nicht schwul c;. Dieser Satz löste eine Kettenreaktion aus. Am nächsten Tag in der Schule bekam ich von allen, die bei Facebook sind, zu hören: Gino, du hast echt Respekt verdient.

Dieser 26. Juli 2012 hat mein Leben verändert. Ich kann euch nur sagen: Outet euch! Ich habe mich so früh geoutet, weil ich anderen Mut machen will, sich zu outen. Dies hat auch geklappt, denn ein paar Tage später haben sich Freunde von mir als schwul, lesbisch und bi geoutet. Ich bin stolz drauf bi zu sein und das wollte ich nicht geheim halten. Ich hoffe, ich konnte euch auch ein bisschen Mut machen.

Coming-out

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