Bittere Enttäuschung

Redaktion Von Redaktion

Bei mir verlief die Geschichte, wie es zu meinem Coming-Out kam, wesentlich interessanter als mein Coming-Out an sich. Das Ganze ist nicht einmal ein Jahr her.

Florian, 19: Ich war 18 Jahre alt und auf dem Geburtstag von einem Kumpel von mir. Er ist auch schwul. Wir haben uns über das Internet kennengelernt, waren aber nur Freunde dachte ich zumindest. Wir feierten seinen 18. Geburtstag mit circa zwanzig Personen in einer kleinen Kneipe, die wir uns für den Abend angemietet haben.

Es waren auch drei andere schwule Jungs anwesend. Mein Kumpel Henrik, dessen Geburtstag wir gefeiert haben, hat halt viele schwule Freunde. Einer davon war Marius, der auch auf der Party war. Zuvor habe ich nur einmal kurz mit Marius und Henrik über die anstehende Party gechattet. Naja so weit so gut.

Am Tag der Party war ich relativ früh da, weil ich mit dem Auto gut eine Stunde Fahrt hatte und versprochen habe, noch was mit dem Aufbau zu helfen. Also war ich mit Henrik der erste auf der Party. Als wir gerade fertig waren mit dem Aufbau, kam Marius rein. Wir haben bisschen gelabert und ich fand ihn gleich sehr interessant und süß. Je später der Abend wurde, rückten Marius und ich auch immer näher zusammen. So kam es auch, dass wir irgendwann rumgeknutscht haben.

Das Dumme dabei war, das Henrik von mir wohl doch mehr wollte als nur eine Freundschaft. Er war aber nicht nur in mich verliebt sondern auch in Marius. Und an seinem 18. Geburtstag machen dann die beiden zusammen rum. Aber es war nun mal so. Am Tag darauf haben wir mit Henrik gesprochen und es war soweit auch wieder alles in Ordnung.

Marius und ich waren circa drei Wochen zusammen, als ich bei ihm war und wir nicht wussten, was wir tun könnten. Wir haben daraufhin Henrik mit seinem neuen Freund Micha eingeladen. Sie kamen zu uns, wir guckten DVDs und laberten etwas. Ich habe aber gemerkt, dass Marius sich immer mehr mir gegenüber abgewandt hat. Der Grund: Er hat vor den Augen von mir und Henrik mit Micha rumgemacht. Ich war völlig fertig, weil er mein erster Freund war. Naja ich habe erst Henrik nach Hause gefahren und bin dann meinen Heimweg angetreten, der noch über eine Stunde dauerte. Ich habe die ganze Fahrt nur geheult. Als ich zuhause war, habe ich erst einmal eine Flasche Wodka geleert.

Meine Mutter merkte natürlich, dass irgendwas los ist. Auch zwei Tage danach konnte ich an nichts anderes denken und habe nur geheult. Ich musste mit irgendjemanden darüber reden. Also erzählte ich die ganze Geschichte erst meiner Mutter und dann meinen besten Freunden. Die Reaktionen auf mein Coming-out waren äußerst positiv und sie haben mir geholfen, über Marius hinwegzukommen.

Ich weiß nicht, ob ich ohne meine Freunde, die so zu mir standen und die mir geholfen haben, jetzt noch hier wäre. Letztendlich kann ich nur sagen, dass meine erste Liebe zwar eine große Enttäuschung war, ich aber nur durch diese Aktion den Mut gefunden habe, mich zu outen. Außerdem bin ich sehr froh solche Freunde zu haben, die mich immer unterstützen werden!

Mittlerweile wissen (fast) alle, dass ich schwul bin und ich lebe es auch offen aus, da ich mich auch in der Öffentlichkeit nicht verstecken möchte. Warum sollten sich Schwule verstecken müssen? Das machen Heteros ja auch nicht. Mit Henrik bin ich übrigens immer noch gut befreundet.

Coming-out

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