Coming-out via Facebook

Redaktion Von Redaktion

Als erstes outete ich mich vor einigen Jahren bei einer guten Freundin. Die fand es cool, dass sie nun einen schwulen Freund hat. Das war 2009. In den folgenden Jahren outete ich mich bei einigen Freunden, die ich über das Internet kannte. Ihnen vertraute ich, weil ich in der Schule nicht besonders beliebt war. Das hat sich inzwischen gottseidank geändert.

Manu, 16: Dann vor einigen Monaten sagte ich meiner mittlerweile besten Freundin, dass ich mich in einen Jungen verliebt hätte und fragte sie, ob sie etwas daran auszusetzen habe. Sie sagte nein, fand es cool und dann unterhielten wir uns über den Jungen. Nach einigen Wochen kam ich dann mit diesem Jungen zusammen, der Haken an der Sache war, dass es eine Fernbeziehung war und wir uns nicht so oft sehen konnten. Da ich sehr schüchtern bin, kam ich später auf die Idee, uns als Partner auf Facebook einzutragen, da es schnell geht und ich mit niemandem direkt reden musste.

Mittlerweile bereue ich diesen Schritt und rate allen davon ab, weil es einfach feige war und auch Leute davon mitbekommen haben, vor denen ich es besser geheim gehalten hätte. Die Reaktionen in den Kommentaren waren meist positiv, aber glauben wollte es eigentlich keiner. Ich bat auch darum, nichts meinen Eltern zu erzählen, was auch jeder akzeptierte.

Aus Angst vor den Reaktionen in der Schule war ich die nächsten zwei Tage krank. Am Tag danach sprach mich meine Schwester darauf an und sagte, sie hätte es sowieso schon gewusst, weibliche Intuition und so.

Als ich am dritten Tag wieder in die Schule ging, waren die Reaktionen geteilt. Die einen sagten, sie hätten nichts gegen Schwule. Ein Klassenkamerad bot mir sogar Hilfe an, falls ich angefeindet werde. Andere bewarfen mich mit den üblichen Beleidigungen, was ich aber gekonnt ignorierte. Kurz darauf trennte ich mich von meinem Freund und bereute es für eine kurze Zeit, mich überhaupt geoutet zu haben.

Heute ist es allerdings so, als wäre nichts passiert. Ich denke sogar, manche haben es vergessen. Zwar gibt es immer noch Querulanten, die mich ignorieren und überall rumposaunen, dass sie eine olle Schwuchtel in der Klasse hätten. Das ist mir aber egal.

Das nächste was ich noch in Angriff nehmen muss, ist, es meinen Eltern zu sagen, obwohl ich davor sehr große Angst habe, da mein Vater Vorurteile gegenüber allem und jedem hat. Alles in allem bin ich froh, wie alles gelaufen ist, obwohl ich gerne manches ändern würde.

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