Es begann in der Puppenecke...

Redaktion Von Redaktion

Mir ist schon relativ früh aufgefallen, das ich mich mehr für Jungs interessiere. Es begann schon im Kindergarten, indem ich öfters Zeit in der Puppenecke verbrachte, anstatt in der Bauecke.

Markus, 17:

Mit Mädchen habe ich mich immer gut verstanden und hatte mehr weibliche als männliche Freunde. Doch da ich noch sehr jung war, hab ich mir darüber nie Gedanken gemacht. Ein paar Jahre später in der Grundschule war ich auch anderst. Ich hatte zusammen mit meiner damaligen besten Freundin jeden Tag solche kleine Nici-Magnet-Tierchen dabei, mit denen wir in der Schule "Schule" gespielt haben. Die Lehrer fanden dies ganz witzig und da meine Noten damals sehr gut waren, haben sie das nicht groß gestört. Ich weiß nicht mehr, in welcher Klasse das war, entweder in der 2,3 oder 4. Klasse.

Da ist es passiert. Mir fiel ein Typ aus der 5./6. klasse auf, und das war der Zeitpunkt, an dem ich mich in einen Jungen "verliebte". Ihm ist das dann irgendwann aufgefallen, das ich ihn jede Pause anstarre und hat deshalb auch ab und zu hergeschaut. Der muss sich bestimmt gedacht haben, warum der kleine Junge ihn so anstarrt. Leider war ich sehr schüchtern, dass ich mich nie getraut habe, ihn anzusprechen, allein schon deshalb, weil er viele Jahre älter war als ich. Ich weiß noch, wie ich einmal ganz allein auf dem Schulgang war, und dann zu seinem Holzspint" (kleine Garderobe vor dem Klassenzimmer, die man nicht absperren konnte) gegangen bin um herauszufinden, wie er heisst. Ich habe erfahren, dass sein name Dennis war und ich fande diesen namen wunderschön und einzigartig, da ich keinen anderen kannte, der den selben Vornamen hat. Ich musste immer wieder zu ihm schauen, wenn ich ihn gesehen habe. Das alles änderte sich dann, als ich in die 5. Klasse Realschule gegangen bin, und somit die Schule gewechselt habe. In der fünften Klasse hab ich mich mit jedem gut verstanden und hatte viele Freunde. Auch ein Mädchen saß in meiner Klasse, die ich total süß fande.

Am ende der 6. Klasse habe ich ihr dann per Brief gesagt, das ich mich in sie verliebt habe. Leider wollte sie nichts von mir, und das hab ich dann akzeptiert. Danach trennten sich unsere Wege. Ich war der einzige Junge aus meiner klasse, der den Hauswirtschaftlichen Zweig gewählt hatte. Ab der 7. Klasse war es dann soweit, neue Klasse, neue Leute. Ich war glücklich zu sehen, das ich nicht der einzige war, der Hauswirtschaft als Junge gewählt hat. Leider kannte ich die anderen 5 Jungs nicht, und schüchtern war ich auch noch. Also hab ich mich zu den Mädchen gesetzt, die ich von meiner alten Klasse kannte. So wirklich angefreundet habe ich mich dann nur mit einem Jungen, der nicht auffallend ist und nicht sehr "fame" in der Schule war, er wurde aber nicht gemobbt oder so.

Die anderen Jungs waren beliebt und cool, all das war ich nicht. Den größtteil meiner Schulzeit verbrachte ich mit Mädchen. Über andere Freunde habe ich dann schließlich einen Jungen kennen gelernt, den ich sehr interessant fande. Um ehrlich zu sein, ich fand und finde ihn total heiß und so gutaussehend. Mit der zeit wurde er dann einer meiner besten Freunde. Ich genoss die zeit, die wir in der pause hatten, mit ihm zu quatschen. Er war in der parallelklasse von mir. Ich habe mir nie große Gedanken über das schwulsein gemacht, bis ich von einer anderen Parallelklasse stark gemobbt wurde. Sie haben mich immer beschuldigt, dass ich schwul wäre und hässlich bin und so weiter. Ich hab die Mobbattaken nie verstanden, da ich nie denen etwas getan habe, noch war ich auffällig oder so. Ich war immer ein guter schüler mit kleinem Freundeskreis. Jeden Morgen habe ich diese Mobbattaken ertragen müssen.

Ich hatte nach einiger zeit angst, in die schule zu gehn, nicht mal mehr auf die Toilette bin ich gegangen, aus angst. Ich hab mich dann immer mehr mit dem Thema schwul beschäftigt und hab mir dann eingestanden, das es doch möglich ist, das ich auf jungs steh. Jedoch wollte ich das nicht wahrhaben, und hab immer behauptet , dass ich nicht schwul bin. Meine Noten wurden immer schlechter und ich habe mich immer zurückgezogen. Auch wurde ich gemobbt, weil ich dick damals war. Irgendwann hörte ich dann auf zu essen, in auf light-produkte umgestiegen und trank nur noch wasser. Ich konnte es einfach nicht mehr hören, dass ich zu fett bin. Sogar mein vater hat das jeden tag gesagt und hat mich immer böse angeschaut, wenn ich ne cola oder sprite und pizza im Restaurant bestellte. Ich habe dann gehungert und nur 3 Mahlzeiten am Tag gegessen. Das hat alles super funktioniert, obwohl ich ab und zu ohnmächtig wurde oder schwindelattacken bekam. Das war die schlimmste zeit meines lebens. Aber letztendlich hab ich in 3 Monaten 17kg verloren. In der 10. Klasse dann, auf der Abschlussfahrt in Berlin, war ich mit dem Typ in einem Zimmer, den ich so heiß fand und ihn durch andere freunde kennengelernt habe. Einmal hat er sich zu mir ins bett gehockt und hat mit mir geredet, dabei hatte ich die ganze zeit gänsehaut. Leider ist er dann nach kurzer zeit wieder in sein bett gegangen. Ein paar tage nach der Abschlussfahrt, die ihn und mich noch enger zusammengeschweißt hat, erzählte er mir dann via facebook, dass er schwul ist.

In diesem Augenblick war ich so glücklich und hab nur noch gelächelt. Er wusste noch nicht, dass ich auch schwul bin, ich hab ihm das dann ein paar wochen später aber dann gesagt. Ich habe gehofft, das er jetzt fragt, ob ich sein freund sein will, aber das hat er nie gesagt. Auch auf meine Anspielungen ist er nicht drauf eingegangen. Ich wollte ihm nicht sagen, dass ich ihn liebe, weil ich angst hatte, alles kaputt zu machen. Als ich dann zur Fahrschule im november 2013 gegangen bin, hab ich einen neuen typen kennen gelernt, in den ich mich dann sofort verliebt hab. Wir haben uns gut verstanden und einmal hat er mir fast ne minute lang einfach nur in die augen geschaut - ich war von diesem punkt an total überwältigt. Jedoch habe ich nie rausbekommen, ob er schwul ist und ihn fragen hab ich mich nicht getraut. Wir haben viel via whatsapp geschrieben, auch kamen ab und zu kusssmileys und herzen, aber als ich dann auch herzen geschickt habe, hat er gesagt, das wir männlicher rüberkommen sollten und nicht so rumschwuchteln.

Eines tages hat er mich dann gefragt, ob er mir vertrauen kann und ich ihm meine meinung sagen würde zu dem thema und ich es niemanden weitersagen würde. Ich dachte jetzt kommt eine liebeserklärung, aber er hat mich nur gefragt ob ich es komisch finde, dass er in ein mädchen verliebt ist, das 4 jahre jünger ist als er. Das war wie ein schlag ins gesicht. Heute hsben wir leider keinen Kontakt mehr. Mit der zeit wurde mir klar, das ich garantiert schwul bin und freundete mich mit dem Gedanken an. Mit meinem besten freund hab ich dann mal sogar intime sachen gemacht und es hat mir gefallen. Jedoch war ich immer noch in den einen Typen verliebt, mit dem ich mir ein zimmer auf der abschlussfahrt geteilt hab. Mitte März hab ich dann den Entschluss gepackt, meiner mum zu zagen das ich schwul bin.

Ich wusste nur nicht wie. Als wir dann meine schwester von der disko abgeholt haben jnd wir gewartet haben, bis sie kam, hab ich ihr im dunkelm auto gesagt, das ich schwul bin. Sie hat aber ganz locker reagiert und gesagt, dass sie zwar geschockt ist, aber sich wünscht, dass ich glücklich werde. Meine Schwester wusste dies bereits früher, da sie mal gesehen hat, das ich mich auf dbna eingeloggt hab. Meine Freunde nahmen diese Nachricht auch ganz locker auf. Jetzt hab ich die Schule abgeschlossen, seh die leute, die mich gemobbt haben, nie wieder und ich hab das gefühl, das mir es langsam gelingt, den einen typen zu vergessen. Auch wenn mir das schwer fällt. Leider schreibt er mir nicht mehr so oft und ich glaube, dass ist auch besser so, damit ich ihn endlich vergessen kann. Heute bin stolz darauf, schwul zu sein und ich fühle mich viel Selbstbewusster als damals.

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