Liebe ist Liebe

Redaktion Von Redaktion

Mein Outing. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Eigentlich ist da nicht besonderes, glaube ich jedenfalls. Ich meine, irgendwann passiert es doch bei jedem, der eher oder auch Augen für das "eigene Ufer" hat, oder?

Markus, 17: Es ist mittlerweile gut zwei Jahre her, dass ich es offiziell machte. Jahre zuvor, in der 3. Klasse oder so, habe ich meiner Mutter da mal was angedeutet, aber sie nahm es nicht so ernst, ich war ja schließlich noch zu jung, um es wissen zu können - Wie das halt so ist. Aber, in der dritten Klasse wurde mir wirklich klar, dass ich anders bin, als die breite Masse. Damals hatte ich, mehr oder weniger ungewollt, heimlich eine "Kindergartenbeziehung" - Händchen halten und kuscheln, geführt. Mit einem Jungen aus der 4. Klasse. Es war für uns kein großes Thema, war halt so. Aber mit der Zeit wurde es für mich ein großes Thema, eher ein großes Problem, wo eigentlich keines war. Und zwar, als ich merkte, dass um so etwas eben doch ein großer Wirbel gemacht wird.

Bis in die 9. Klasse plagten mich immer wieder die selben Gedanken: Wie kann ich nur schwul sein? Warum ich? Warum muss ich wieder anders sein? Man sollte anmerken, dass ich damals das typische Mobbing-Opfer war, was alles nochmal komplizierter machte. Ich war stark übergewichtig, gab nichts auf mein Äußeres. Ich war bis in die 8. Klasse nirgends wirklich eingebunden, hatte nur zwei Freunde, mit denen ich mal etwas gemacht habe, wenn ich vor die Tür gegangen bin und flog fast von der Schule. Es machte mich krank - und das im wahrsten Sinne des Wortes. Also man kann sich vorstellen, was ich mir hätte reinziehen können, wenn dann jeder weiß, dass ich schwul bin - Gibt ja immer noch mehr als genug Menschen, die damit Probleme haben.

Jedoch wendete sich dann irgendwann das Blatt. Ich meldete mich in der 8. Klasse bei schwulen Communities an, als ich langsam meine Neigung anfing zu akzeptieren. Schrieb mit so manchen Leuten und kam auch recht schnell in die "Materie" und merkte auch: Hey, so schlimm ist das doch eigentlich gar nicht! Doch schnell kam dann erst einmal wieder ein Rückschlag, mein damaliger bester Freund kam mal wieder über das Wochenende zu mir. Als ich ihn dann rein gelassen habe, habe ich vergessen, dbna zu schließen und lies ihn an meinen Computer. Ich saß grade auf meinem Bett und sah, wie er auf den blauen Bildschirm schaute, sich umdrehte, und belustigt fragte: "Was ist das denn für eine Seite?" Mein Herz rutschte mir in die Hose und ich wollte am liebsten im Boden versinken. Ich glaube, ich sagte irgendwas in Richtung "Ach, das hat mir vorhin wer geschickt." - Tja, schlechte Ausrede. Schnell sah er Fotos von mir auf der Seite. Irgendwie hab ich mich da raus geredet, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr wie. Aber das alles war eigentlich der Grundstein für mein Outing.

Tage später erfuhr ich von einem gemeinsamen Kumpel, dass mein bester Freund ihm die Geschichte erzählt hat und sagte, dass es ihm egal wäre, ob ich auf Jungs oder Mädchen stehe. Ich war einfach für den Moment so glücklich, wie noch nie zuvor. Einer der beliebtesten Typen meiner Schule, hat kein Problem damit, das muss ja was heißen. Kurz darauf outete ich mich bei einer sehr guten Freundin. Es dauerte fast zwei Stunden, bis ich es aus mir heraus bekommen habe. Und es fühlte sich gut an, als würde ein riesiger Stein von meinem Herzen fallen und der Aufprall würde bis nach Japan schallen.

So nahm dann alles seinen Lauf - Schwester, meine beiden engsten Schulfreundinnen, bei meinem besten Freund, bei meiner Mutter und bei meinem Bruder. Mein Vater folgte dann etwas verspätet, als ich zu ihm zog, da ich zu der Zeit große Probleme mit meiner Mutter hatte, aber die haben sich wieder gelegt. Einige Wochen später traf ich mich dann auch mit einem Jungen aus dem Internet - Ich schwebte auf Wolke sieben. Kurze Zeit später kamen wir dann auch zusammen. Ich war voller Euphorie, da mein Leben endlich mal glatt lief. Also fasste ich allen Mut zusammen, und änderte meinen Beziehungsstatus bei facebook und verlinkte meinen damaligen Freund. Ich bekam dutzende Kommentare unter dem Status und Nachrichten. Ich hörte nur positives!

In dem selben Jahr, nahm ich dann auch noch 30kg ab, legte mir einen neuen Style zu und machte endlich mal was aus mir. Meine Noten wurden besser, ich fand Anschluss und war einfach nur glücklich mit meinem "neuen Leben". Mit der Zeit bin ich so selbstbewusst und zufrieden wie noch nie geworden. Ich bekomme Komplimente für mein Aussehen, statt deswegen gemobbt zu werden. Ich lerne schnell neue Menschen kennen und bin ein sehr offener Mensch geworden, anstatt Angst zu haben, "verstoßen" zu werden. Ich habe einen guten Abschluss gemacht und bin nicht von der Schule geflogen. Mein Outing war bis jetzt eine der besten Entscheidungen meines Lebens - Aber das geht wohl nicht nur mir so. Ich bin halt ein ganz normaler 17-jähriger, der Höhen und Tiefen in seinem Leben hatte. Wobei ich mir einige Tiefen hätte sparen können, wenn ich etwas früher akzeptiert hätte, was eigentlich unwichtig ist - Liebe ist Liebe.

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