News im Lauffeuer

Redaktion Von Redaktion

Alles begann so mit 13 Jahren, aber doch eher im Unterbewusstsein. Es war in den Osterferien, ein guter Freund schlief bei mir und ich hatte verschiedene Gedanken im Kopf.

Laurin, 17: Wie man hier wohl ganz oft liest, machte man halt erste "Erfahrungen" mit dem eigenen Geschlecht, aber in dem Alter denkt man sich wohl noch nicht viel dabei. Die Zeit verging rasend, die Erfahrungen rückten in den Hintergrund. Zwischendurch hatte ich sogar mal kurz eine Freundin, wo aber auch nicht mehr als Händchenhalten lief. Mit 14 war ich mir dann zumindest sicher, dass ich auf jedenfall auch etwas für das selbe Geschlecht empfinde. Für mich war das nie ein Problem, ich stand mit mir selbst immer ziemlich gut im Einklang.

Ich erzählte es in der Schule ein paar Freunden denen ich vertraute, am nächsten Tag wusste die gesamte Klasse darüber Bescheid.. War wohl doch irgendwo eine Lücke, aber mir war das reichlich egal. Damals war ich, ganz unabhängig von meiner Sexualität, ein ziemlicher Außenseiter. Wo die Klasse dann schon Bescheid wusste, dachte ich mir, dass ich gleich reinen Tisch machen sollte. Also stellte ich mich in der großen Pause zu den Mädchen in eine Gruppe, erzählte Ihnen, dass ich wohl doch eher nur auf Jungs stehe, also schwul bin und hab mir angesehen, was passierte. Sie liefen gleichzeitig los, jede zu einem anderen Grüppchen von Schülern auf dem Schulhof, Finger zeigten auf mich, die Grüppchen spalteten sich wieder, das Selbe Schauspiel immer und immer wieder, bis es keine Grüppchen mehr gab und alle Schüler informiert waren. Ab diesem Moment an kamen irgendwie immer alle Menschen mit Beziehungsproblemen zu mir. Wer weiß wieso. Insgesamt hab ich in der Schule nie wirklich Probleme deshalb gehabt. Ich hätte mir im Leben nicht so viel Akzeptanz erhofft, wie ich letztendlich bekommen habe.

Vor ca. einem Jahr haben es die Lehrer dann auch mal mitbekommen, was auch für keinen ein Problem war, bloß darf ich mir von der Einen oder Anderen Lehrkraft ab und an ein paar gehässige Sprüche anhören, aber das beruht auf Gegenseitigkeit.

Danach folgte mein Outing Zuhause. Ich hatte mir in meinen Gedanken 1000 verschiedene Szenarien vorgestellt, wie es denn ausgehen könnte. Schließlich traf keines von den vorgestellten Szenarien zu. Meine Mutter meinte schlicht und ergreifend, dass es okay ist, zwar ein bisschen doof, weil sie von mir die meisten Enkelkinder erwartet hatte, aber man es eh nicht ändern könne. Meinem Vater war es ziemlich gleich, sozusagen Leben und Leben lassen.

Dann kamen meine 3 Brüder dran, welchen es auch ziemlich gleich war und schließlich meine Halbschwester. In einem Sommer wollte ich sie an der Nordsee besuchen kommen, sie wohnt dort in der Ecke. Als ich mit Ihr am Telefonieren war, um alles abzuklären, meinte sie, mir noch etwas Sagen zu müsse, und zwar, dass sie "Andersherum sei". Als ich dann breit grinsend da stand, sagte ich ihr gleich, dass das bei mir ähnlich aussieht. Sie wirkte erst etwas verdutzt, aber dann fingen wir gemeinsam an zu lachen.

Natürlich hatte das Alles eine dunkle Seite, auch wenn diese verhältnismäßig extrem klein ausgefallen war. Ein paar Freunde haben sich mir abgewandt, welche mir jedoch weniger wichtig waren. Ich Lebe nach dem Prinzip, dass mich die Menschen so mögen sollen, wie ich bin. Wenn Sie das nicht tun, ist das Ihr Pech. Ich kann damit leben. Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass das Outen an sich das Beste war, was ich jemals getan habe. Mein Selbstbewusstsein ist nur so empor geschossen, ich fühlte mich insgesamt besser. Allein, weil diese Last von den Schultern verschwunden war und ich so leben kann, wie ich fühle.

Coming-out

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