Nicht anders als zuvor

Redaktion Von Redaktion

Mein Coming-out hat sich von Zeit zu Zeit entwickelt. Dass ich schwul bin, wusste ich irgendwie schon immer, denn ich war schon im Kindergarten an Jungs interessiert.

Patrick, 17: Nach meinem großen Sommerurlaub im Juli 2008 hatte mich das Interesse an Jungs so gereizt, dass ich mich entschied, in schwule Internet-Foren zu gehen wie z. B. dbna. Diese Foren haben mir gezeigt, wer ich eigentlich bin und mir klargemacht, dass es nicht schlimm ist, schwul zu sein. Trotz alledem hatte ich oft ein schlechtes Gefühl dabei auf diese Seiten zu gehen, um meine Eltern nicht zu enttäuschen. Quatsch, wie sich später herausgestellt hat.

Jedenfalls besuchte ich diese Seiten, hatte ab und an Kontakte zu schwulen Jungs aus ganz Deutschland und chattete mit ihnen. Das erste Treffen hatte ich Anfang 2009, Ende Januar, Anfang Februar. Ich hatte mich abends mit einem Jungen verabredet, der 19 Jahre alt war und mich mit dem Auto abholte. Ich war damals 15 Jahre alt. Wir sind ein wenig durch die Gegend gefahren und haben viel über das Schwulsein geredet. Später hatten wir uns in seinen ausgebauten Kofferraum gesetzt und den Sternenhimmel betrachtet. Da gab es auch das ein oder andere Herumgeknutsche, jedoch nicht mehr.

Der Kontakt zu dem Jungen brach schnell ab und somit lernte ich im Internet neue Jungs kennen, mit denen ich mich dann auch ab und zu mal getroffen habe. Nachdem ich 16 Jahre alt wurde und die 10. Klasse beendet hatte, bekam ich von meinen Eltern meine erste eigene Wohnung, da meine neue Schule 80km von dem Haus meiner Eltern entfernt ist. Die Wohnung zahlen sie bis heute, da ich noch Schüler bin.

Im Sommer 2009 hatte ich dann ein Date mit einem Jungen der 17 Jahre alt war. Er blieb zwei Tage bei mir in meiner Wohnung. Davon wusste natürlich niemand. Mit ihm hatte ich dann mein erstes Mal. Es war eine schöne Erfahrung, doch ich muss sagen, dass ich es mir auch noch hätte aufsparen können. Aber was passiert war, war passiert.

Als ich dann die 11. Klasse auf meiner neuen Schule besuchte, wollte ich offen mit meiner Sexualität umgehen und allen sagen, dass ich schwul bin. Doch das ging nicht so einfach, denn ich hatte oftmals gar nicht die Gelegenheit es auszusprechen, bis mich in der achten oder neunten Schulwoche einer meiner Klassenkameraden fragte, ob ich nicht schwul sei. Ich antwortete darauf: Nee, ich bin bi. Am Ende des Tages war ich jedoch enttäuscht, da ich nicht bi war und somit nicht die volle Wahrheit ausgesprochen hatte.

Im Laufe des Schuljahres wussten es nun meine ganze Klasse und meine Freunde. Der nächste Schritt war, nun meiner Familie davon zu berichten. Das war der Moment, vor dem ich schon am meisten Angst hatte, da mein Vater muslimisch und meine Mutter streng christlich erzogen wurden. Zuerst vertraute ich mich im Oktober 2009 daher meinem Bruder an, welcher ein Jahr älter ist als ich. Dabei musste feststellen, dass er schon seit circa drei Jahren davon wusste, und dass das Thema auch schon mit meinen Eltern besprochen wurde!

Natürlich wollte ich wissen wie meine Eltern darauf reagiert hätten und er sagte, dass sie nicht erfreut gewesen wären. Jedoch hätten sie gesagt, mich auch so zu lieben, wenn ich schwul sei. Dies gab mir dann den Halt mich zu outen und es meinen Eltern zu sagen.

Zuerst waren sie ein wenig geschockt, da sie es zwar schon geahnt hatten, jedoch nie zu 100% wussten. Doch nach und nach wurde es zur Normalität. Ich sagte auch sofort, dass ich nicht anders behandelt werden wolle als meine anderen Brüder. Dies hielten sie dann auch ein und es war alles wie immer.

Nun zum Fazit: Nachdem ich mich größtenteils geoutet habe, kann ich wirklich offen mit meiner Sexualität umgehen und bin in meinem Auftreten richtig selbstbewusst geworden. Jeder weiß mittlerweile (September 2010), dass ich schwul bin und jeder respektiert es. Dennoch nur aus einem Grund: Weil ich es jeden Tag hundert Mal an die große Glocke hängen muss und IMMER dazu stehe. Dennoch muss ich sagen, dass wahre Freunde einen deswegen auch nicht aufgeben, wenn man sich bei ihnen outet. Denn die Freunde, die sich einem nach dem Outing nicht mehr zuwenden, sind keine wahren Freunde.

Coming-out

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