Romanze am Strand

Redaktion Von Redaktion

Ein Geheimnis, belastend wie eine ansteckende Krankheit? Für Manche unverständlich, für mich damals Alltag.

Tim, 16:

Februar 2010. Sommer, Sonne, Sonnenschein! Urlaub auf Gran Canaria mit den Eltern. Wie lange hatte ich mich auf diesen Urlaub gefreut. Das Hotel ein Traum, das Wetter genial. Und dieser süße Junge in meiner Jugendgruppe! Moment, habe ich das gerade wirklich gedacht?

In diesem Urlaub ertappte ich mich das erstmals, dass mir ein solcher Gedanke im Kopf rumspukte. Blond, braungebrannt, Zahnpastalächeln, Augen blauer als der Ozean. Ein wahrer Hingucker! Aber wie konnte das sein? Ich bin Hetero, ich darf nicht auf Jungs stehen! Und doch zog es mich immer zu ihm hin. Ich verbrachte lange Abende mit ihm, wir saßen am Pool und lachten über Anekdoten aus unserem Alltag.

An unserem letzten Abend setzte er sich zu mir auf die Liege, was nicht ungewöhnlich war, dass hatte er schon öfters getan. Doch an diesem Abend spürte ich seine Blicke an mir, sie bohrten sich regelrecht in mein Gesicht. Ich schaute ihm in die Augen. Und plötzlich beugte er sich runter und küsste mich! Völlig perplex rührte ich mich nicht. Ein Gefühl, heiß wie eine Flamme schoss durch meinen Körper. Es fühlte sich so gut an, ich genoss es. Er hob den Kopf schaute mich verlegen an und meinte es täte ihm Leid, aber er sein in mich verliebt und wolle es nicht verstecken. Ich schaute ihn an, immer noch kaum realisierend, was gerade geschehen war. Ich fragte ihn ob er schwul sei. Die Frage erschien mir im Nachhinein eher sinnlos, es war offensichtlich. Er lächelte und antwortete mit Ja. Ich hatte einen Jungen geküsst, mein Lebensgleichgewicht, geriet ins wanken.

War ich jetzt auch schwul? Was würden meine Eltern sagen? Was würde meine ganze Familie sagen? Gequält von all diesen Fragen sprang ich auf und rannte weg an den Strand und fing an zu weinen. Jan, so hieß er, rannte mir nach nahm mich in den Arm und so langen wir dort bis spät in die Nacht. Der Tag der Abreise brach an und ich erhob mich am Morgen aus seinen Armen, er schlief noch und kritzelte meine Handynummer auf einen Zettel und legt ihn, neben Jan.

Wieder zuhause wollte ich all meinen Freundinnen von meiner Sommer-Romanze erzählen, jedoch veränderte ich ein kleines Detail. Aus Jan aus Dortmund, wurde Isabel aus Hamburg. Ich hasste mich dafür sie anzulügen, aber ich fühlte mich so unsicher. Dezember 2010 kurz vor Weihnachten. Ich wurde immer zurückhaltender, war ständig geknickt, immer nur traurig. Eines Abends, ich lag in meinem Bett, kam mein Vater in mein Zimmer. Er setzte sich auf mein Bett und fragte, was denn los sein. Ich begann zu weinen. Nach einer lange: "Sohn bist du schwul?" Ich nickte. Und dann kamen die fünf wichtigsten Worte die meine Trauerblase zum platzen brachte: Sohn wir lieben dich immer noch. Es folgten lange Gespräche mit den Eltern. Die allseits bekannte Frage: Wie hast du das gemerkt? kam öfters auf, jeder von uns kennt sie. Nach und nach sackte es in meinen Eltern, sie machten sogar kleine Späße wie: Bring bloß einen hübschen Jungen mit nach Hause.

Nun erzählte ich es auch meinen Freundinnen und Freunden. Die Isabel-Geschichte war schon lange vergessen. Jeder akzeptierte es, die Mädels freuten sich, einen schwulen Freund zu haben. Mein Outing ist jetzt genau an diesem Tag, zwei Jahre her und es geht mir sehr viel besser! Es war schwer, ich hatte Probleme es mir einzugestehen, ja erfand sogar eine Freundin, aber letztendlich ist die Wahrheit zu sagen die beste Entscheidung gewesen, die ich getroffen habe. Ich kann meine Sexualität ausleben und jeder akzeptiert mich. Besser hätte es nicht werden können.

P.S.: Jan und ich sind jetzt die besten Freunde!

Coming-out

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