Stadtgespräch

Redaktion Von Redaktion

Ich habe hier schon viele Geschichten gelesen, alle mit „Happy-End“. Aber was ist mit den ganzen einsamen Jungs? Diejenigen, die allein sind – Tag für Tag. Über sie schreibt keiner etwas. Dabei ist es kein einmaliges Vorkommen. Nein! Es ist das Normalste was es gibt. Deshalb schreib ich heute mal über sie – und über mich!

Benedikt, 19: Angefangen hat es, wie bei allen, dass man seine Sexualität entdeckt. Man merkt irgendwann einfach, dass etwas nicht stimmt. Manche von uns leben von Anfang an offen damit. Andere leben erst einmal so, als ob nichts wäre sie suchen sich vielleicht sogar eine Freundin. Aber irgendwann kann man sich nicht mehr verstecken nicht vor sich selbst und auch nicht vor anderen. Also beginnt man seinen ersten Freund zu suchen. Aber was ist, wenn es nichts wird? Wenn man ständig nur Ablehnung erfährt? So wie ich zum Beispiel.

Nach Jahren meines Single-da-seins hab ich ihn dann wirklich gefunden dachte ich zumindest. Aber es ging nicht lang. Seither ging es mir schon öfter so. Aber was soll ich machen? Natürlich hatte ich viele Optionen. Zum Beispiel könnte ich schwul weggehen oder den ganzen Tag nach neuen Foren suchen. Aber das will ich nicht. Dann bin ich vielleicht selbst schuld an meinem Unglück, aber damit kann ich leben.

Man versucht diese Leere durch andere Dinge zu ersetzen. Freunde, Familie, materielle Dinge aber das hilft nichts. Ich weiß, dass ich noch so viele Freunde und eine noch so tolle Familie haben kann, aber glücklich werde ich so nicht nicht ohne jemanden an meiner Seite. Diese Leere füllt jeder anders. Ich zum Beispiel versuche, zu polarisieren, um jeden Preis auffallen! Aber das ist schwer in einer Zeit, in der jeder so individuell wie möglich sein möchte.

Ich denke, dass es mir trotzdem ganz gut gelingt. Benne, du bist einfach anders. oder Du machst echt jeden scheiß mit voll geil!, sagen mir meine Freunde dann immer. Ja, das brauch ich auch. Aber seit kurzem kennt mich wirklich jeder! Die ganze Stadt sogar. Nun gut, in einem Ort mit 14.000 Einwohner ist das nicht schwer, würden die meisten sagen. Aber eine Leistung ist es trotzdem. Stadtgespräch! Über Nacht!

Es ist ganz simpel, als Schwuler in einem Provinznest zumindest. Man muss nur jemanden finden, den man küssen kann. Dann weiß es bald jeder. In Stuttgart, Freiburg oder Karlsruhe ist das schon kein bedeutendes Ereignis mehr, aber in den meisten Kleinstädten schon.

Diese kleinen Exkursionen in mein schwules Leben helfen aber nicht viel. Sie machen es oft noch schlimmer. Man fällt dann sogar in ein Loch. Ein Loch aus Verzweiflung. Naja, man denkt über sein Leben nach. Darüber was falsch gelaufen ist in der Vergangenheit. Ich weiß es damals, es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, als ich noch 17 Jahre alt war, hat mich ein Junge geliebt. Er hätte alles für mich getan, aber ich hab ihm den Laufpass gegeben. Einfach Schluss gemacht. Kaltherzig! Heute? Heute bereue ich es. Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurück drehen und nochmal alles besser machen. Mich entschuldigen und auf Vergebung hoffen.

Aber hoffen bedeutet heute etwas anderes für mich. Hoffnung auf ein besseres Leben. Auf ein Leben mit Partner - ohne Einsamkeit. Und deshalb werde ich, wie all die anderen einfach weiter hoffen. Hoffen, dass ER kommt - mein ganz persönlicher Mr. Right. Und bis er kommt, werde ich meine Liebe in meine zahlreichen Freunde stecken und mir zureden, dass es nicht an mir liegt. Wissen, dass es nicht an mir liegt und wissen, dass es IHN gibt.

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