Unglaublich, aber wahr!

Redaktion Von Redaktion

Alles fing ganz komisch an, ich kann mich noch ganz genau erinnern, wie ich merkte, dass etwas mit mir nicht stimmt.

Patrice, 16: Ich sah auf einmal Jungs hinterher, interessierte mich für sie und konnte nicht genug bekommen. In diesem Moment wusste ich selbst nicht, was mit mir los ist. Ich hatte Angst davor, mit jemanden darüber zu reden, obwohl es völlig normal ist. Nach einiger Zeit fing ich an, es selbst zu akzeptieren und mir war bewusst, es irgendwann an das Tageslicht bringen zu müssen, doch ich traute mich nicht und wäre es nicht so, wie ich euch gleich erzählen werde, passiert, wäre es heute noch nicht getan. Vor meinem Coming-Out, verdrängte ich das Schwul-/Bisein mit einer Putzsucht, dies wurde mir selbst von Therapeuten bestätigt. Ich putze und räumte auf so viel ich nur konnte, auch wenn es schon so sauber war, dass es nicht mehr sauberer ging.

Nun zu dem eigentlichen Outing, meine Freunde, angeblich auch Familie, zumindest meine Mutter, vermuteten es schon länger dass ich auch auf das gleiche Geschlecht stehe. Es war ein ganz normaler Tag, wie jeder andere, nur das ein Freund (Andy) bei mir schlief. Meine Eltern waren zusammen auf der Couch, und redeten über mich, wie ich danach erfahren habe. Es ging über die Homosexualität. Da ein schwuler Junge bei mir schlief, vermutete es meine Mutter und erzählte dies meinem Vater, der daraufhin nicht sehr reif reagierte und nur sagte: Wenn Patrice schwul sein sollte, ist es nicht mehr mein Sohn!, stand darauf hin auf und fuhr weg. Ich muss dazu sagen, dass meine Eltern getrennt wohnen. Am nächsten Tag war mein Vater wieder da, holte mich aus dem Zimmer und redete ganz offen mit mir über dieses Thema. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja noch nicht, dass er am Vortag so etwas sagte. Auf jeden Fall fragte er mich öfter, ob ich denn zur Homosexualität neige, aber ich verneinte jedes Mal.

Nach einiger Zeit war unser Gespräch beendet und er fuhr wieder. Andy blieb die ganze Zeit über in meinem Zimmer. Am späten Nachmittag fuhr meine Mutter zum einkaufen und Andy und ich waren alleine. Ich drehte die Musik etwas auf und schon ging es los, wir hatten unseren Spaß, aber auch nur für kurze Zeit. Plötzlich stand meine Mutter mit zwei Einkaufstüten zwischen meiner Zimmertür, sie sah uns beide, so gut wie nackt. Als ich merkte, dass sie dort stand, nahm ich sofort die Decke und deckte mich zu. Sie ließ beide Taschen fallen und ging heulend aus meinem Zimmer raus. Für mich brach in diesem Moment die ganze Welt zusammen, ich wusste nicht, was ich tun soll. Mir fielen keine Worte ein, ich war eingefroren. Nach kurzer Zeit kam meine Mutter und schrie mich an, sie machte mich kaputt und sagte: Pack deine Sachen, nimm Andy mit und geh, ich dulde deine Liebeleien hier nicht in meiner Wohnung! Ich zog mir was an, nahm Andy und ging. Andy fuhr dann anschließend auf einen Geburtstag. Ich verbrachte die Nacht in der Stadt, bis ich müde wurde und eine Freundin kontaktierte, ob es möglich wäre, dass ich diese Nacht oder auch etwas länger, bei ihr nächtigen könne. Sie sagte ja und daraufhin fuhr ich zu ihr.

Am nächsten Morgen hatte ich eine Menge an Anrufen von meiner Mutter. Ich rief zurück und fragte was sie wolle, sie sagte ich soll sofort nach Hause kommen oder sie meldet es bei der Polizei. Als ich das erfuhr, fuhr mich eine Freundin sofort nach Hause. Dort ging ich in mein Zimmer, sperrte mich ein und wollte nichts hören. Meine Mutter versuchte öfter mit mir zu reden, doch ich blockierte ab. Kurz vor meinem Geburtstag geschah etwas Schlimmes. Ich hörte komische Geräusche im Gang, ich ging aus meinem Zimmer um nachzusehen. Dort sah ich meine Mutter, wie sie kaum mehr aufrecht stehen konnte. Ich bemerkte sofort, dass sie Alkohol zu sich genommen hat. Nebenbei telefonierte ich mit meiner Oma, mit der ich aber das Telefon beenden musste, da ich den Krankenwagen anrief. Dieser traf 10 Minuten später ein. In dieser Zeit versuchte meine Mutter abzuhauen, ich hielt sie aber fest, so fest, dass sie tagelang danach noch blaue Flecken am Arm hatte. Ich war auf 180 und schrie sie an: Was bist du eigentlich für eine Mutter, dein Verhalten ist einfach nur kindisch und unreif!, sie murmelte nur immer irgendwas daher. Der Krankenwagen nahm sie mit, die Polizei blieb noch etwas bei mir und beruhigte mich und dann ging ich auch zu Bett.

Nach einigen Wochen besserte es sich langsam. Meine Eltern und ich redeten ganz offen darüber, beide entschuldigten sich bei mir für ihr Fehlverhalten. Sämtliche Gespräche mit Therapeuten und Soziale Einrichtungen für Homosexuelle besserten das Verhältnis zwischen mir und meinen Eltern. Langsam erfuhren es auch andere Familienmitglieder und Freunde, die zum Glück normal reagierten und nur sagten: Du musst wissen, was dir gut tut. Ich will nur, dass du glücklich bist!. Dies sagten aber mittlerweile meine Eltern auch. Mit Vater und Mutter habe ich jetzt ein besseres Verhältnis als davor. Ich hab ihnen alles verziehen, denn jeder macht Fehler. Meine Eltern und ich haben nie aufgehört uns so zu lieben, wie wir sind! Auch wenn es die härtesten Monate meines Lebens waren, mir selbst hätte nichts Besseres passieren können, ich bin ein anderer Mensch wie davor, glücklicher. Dieser Gefühl, alles heimlich zu halten, alles hinten herum zu machen und immer aufzupassen macht einen selbst kaputt. Ich bin so glücklich, dass mich alle so akzeptieren wie ich bin. Niemanden, wirklich niemanden habe ich dadurch verloren, eher hab ich dazugewonnen. Ich würde euch nur eins Raten: Seid so ehrlich, nimmt euch den Mut, steht dazu und outet euch. Bleibt stark und gebt nicht auf. Ihr werdet sehen, euch geht es danach tausend Mal besser - Ende gut, alles gut!

Coming-out

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