Comeback der 90er

Redaktion Von Redaktion
Comeback der 90er
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DJ BoBo stellte am 24.02.10 in Hamburg vor rund zweihundertbegeisterten Fans sein neues Album "Fantasy" vor. Unser ReporterAlexander Drößler durfte den sympathischen Schweizer hautnah erleben.Ein Erlebnisbericht eines Fans.

Zugegeben: Die ersten Gedanken, die einem zu DJ BoBo alias René Baumann einfallen, könnten den erfolgreichsten Schweizer Pop-Import als einen lustig über die Bühne hoppsenden, in den 90er Jahren stehen gebliebenen Künstler charakterisieren, der anscheinend nicht begriffen hat, dass seine Zeit längst abgelaufen ist. Doch wie schafft es ein Eurodance-Phänomen wie der 42-jährige, auch noch im Jahr 2010 Erfolg zu haben?

Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Immer auf dem Teppich geblieben sucht DJ BoBo stets die Nähe zu seinen Fans, die ihm seit seinem ersten Hit aus dem Jahre 1993 (Somebody Dance With Me) treu geblieben sind. So auch am Mittwoch in der Speicherstadt vor erlesenem Publikum, welches lediglich aus rund zweihundert Fans bestand, die im Vorfeld die Karten für dieses einmalige Event gewinnen konnten. Auffällig:

Das Publikum scheint mit dem Künstler zusammen älter geworden zu sein. Keine kreischenden Teenies, sondern Frauen Mitte 40 zierten die ersten Reihen. Und ich. Ein zwanzigjähriger Fan der ersten Stunde, der seit jeher unter Spott zu leiden hatte, wenn er zugab, DJ BoBo toll zu finden.

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Superstar hautnah

Fulminante Bühnenshows in großen Arenen von ihm gewohnt, war ich gespannt, wie DJ BoBo sich in diesem kleinen Kreis nur mit Band und ohne Tänzer präsentieren würde. Nach Vorführung der Making-Of-DVD seiner neusten Show "Fantasy" begann das Minikonzert mit einer schlechten Nachricht: "Ich habe leider keine Zeit um nach dem Konzert noch Autogramme zu schreiben, weil ich gleich zum nächsten Termin muss." 

Zwischen den Songs konnten Fragen von den Zuschauern gestellt werden, eine Dame nutzte die Gunst der Stunde und fragte, ob Sie nicht doch ein Autogramm bekommen könnte. Auch ich nutzte die Gelegenheit zu diesem Zuschauerinterview und fragte, ob er noch Wert auf Chartpositionen lege, seine neue Single "Superstar" legte schließlich nur eine Bauchlandung auf Platz 41 der deutschen Charts hin.

"Je länger die Karriere dauert, desto weniger spielt die Platzierung in den Charts eine Rolle", war die Antwort. Er habe es geschafft, nicht mehr auf CDs angewiesen zu sein und das sei das Wichtige.

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"Ich will nicht im Festzelt enden"

Auch auf kritische Fragen, wie die, warum seine Frau Nancy nur Playback singen würde, beantwortete DJ BoBo ehrlich: "Ihre Stimme klingt nicht so." Auf die Frage, wie lange er noch Musik machen und auf Tour gehen wolle, antwortete er: "So lange wir Spaß daran haben und gesehen werden wollen. Ich habe kein Problem vor 2000 Leuten zu spielen, es müssen nicht immer die großen Arenen sein. Aber ich will den Leuten etwas bieten und nicht im Festzelt enden."

Der Spaß war ihm anzumerken: Er scherzte mit dem Publikum und wirkte wie ein kleiner verschmitzter Junge, für den jeder Auftritt egal ob vor 200 oder vor 12 000 Menschen - eine Riesensache ist. In gewohnter BoBo-Manier brachte er den Saal innerhalb kürzester Zeit zum Kochen, trotz der Tatsache, dass die Songs mit Ausnahme der neuen Single "Superstar" noch keiner kannte.

Speziell die Bollywood-Nummer "Roll Up" hatte es dem Publikum angetan. Insgesamt ist das neue Album wieder mehr von stampfenden Dancebeats geprägt, die eingefleischte DJ BoBo-Fans zuletzt vermisst hatten. "Der Erfolg der Lady Gagas und David Guettas dieser Welt kommt mir da entgegen", äußerte sich DJ BoBo dazu.

Gespannt darf man auch die neue Bühnenshow des Schweizers erwarten: Eine 14 Meter hohe Buddhafigur bildet die Bühne. Bleibt ihm der Spaß an seiner Sache erhalten, dürfen wir uns noch auf einige Konzerte freuen. Bis 2012 will er mindestens weiter machen, da habe er nämlich 20-jähriges Bühnenjubiläum verriet DJ Bobo.

Vielleicht sehe ich ihn ja bei der nächsten Albumpräsentation wieder. Inmitten mittvierziger Damen. Genug Spaß scheint er ja zu haben. Der Superstar hautnah. Mein Superstar.

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