"Conchita" hält, was es verspricht

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Conchita" hält, was es verspricht
Julian Laidig

Knapp ein Jahr nach dem Sieg beim Eurovision Song Contest erscheint Conchita Wursts erstes Album. "Conchita", so der schlichte Name, zeigt, wie facettenreich die Sängerin ist. Zwar enthält es keine innovativen Überraschungen, hält aber trotzdem, was es verspricht. Wir verlosen zwei CDs.

11. Mai 2014: Conchita Wurst gewinnt den Eurovision Song Contest. Ein Mann mit Bart, der sich als Frau verkleidet - das erregt Aufsehen. Sie wird als neue Ikone der LGBTIQ*-Bewegung gefeiert. Lange haben ihre Fans aufs erste Album der Sängerin gewartet, jetzt ist es soweit: Am Freitag, den 15. Mai, erscheint "Conchita" - passenderweise nur knapp eine Woche vor dem Eurovision Song Contest in Wien.

Wie es Conchita in knapp einem Jahr geschafft hat, ein ganzes Album aufzunehmen, kann nur die Sängerin selbst wissen. Immerhin ist sie über Nacht weltberühmt geworden. Sie sprach vor dem EU-Parlament und machte sich bei den Vereinten Nationen für Menschenrechte stark.

Das Album beginnt mit "You Are Unstoppable", das bereits als Single erschienen ist. Der Opener hat neben der starken Botschaft, die Conchita Wurst all ihren Fans zuruft, absolutes Ohrwurm-Potenzial. Ein Lied, das zum Mitsingen animiert, um so Conchitas Botschaft, die um die Welt ging, noch weiter zu verbreiten.

Disconummern, die bald die Tanzflächen erobern

Darauf folgt "Up For Air", das im Refrain voller Disco-Beats und Synthesizer steckt. In den Strophen ist der Song dafür umso ruhiger, sodass Conchitas starke Stimme voll zur Geltung kommt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis "Up For Air" und seine Remixe die Dancefloors erobern.

"Put That Fire Out" kommt anfangs etwas langsam daher. Das orchestrale Stück funktioniert beim ersten Hören noch nicht so gut, am besten man spielt es gleich noch einmal ab. Denn je öfter man das Lied hört, desto besser wird es. Der späte Höhepunkt steckt voller Kraft und verdeutlicht, wie gut Conchitas Stimme mit dem Orchester harmoniert.

Das vierte Stück, "Colour Of Your Love", ist der Favorit des Albums. Anfangs langsam, entwickelt sich der Song schnell zu einer Disconummer, die zuerst ein wenig an David Guetta erinnert. Die arabischen Einflüsse nehmen diesen Eindruck aber schnell weg. "Colour Of Your Love" ist ein spannender Track und eine gelungene Mischung aus Turkpop und Dance.

Swing kann Conchita auch 

An fünfter Stelle steht "Out Of Body Experience", das noch stärker arabisch beeinflusst ist als der Song davor. So wird einmal mehr deutlich, wie wandelbar Conchita Wurst ist. Die einprägsame Melodie macht den Track zum Ohrwurm, den man sofort noch einmal hören will.

Dass die 26-jährige Sängerin auch Swing kann, beweist sie mit "Where Have All The Good Men Gone". Der Song ist beschwingt und macht sofort gute Laune. Sie verzichtet auf den aktuell so angesagten Electro-Swing, sondern konzentriert sich auf echten Swing, der ihre Stimme perfekt zur Geltung bringt.

Columbia d (Sony Music)/Amazon
"Conchita" erscheint am 15. Mai.

"Conchita" erscheint am 15. Mai.

"Firestorm": Der tanzbarste Track

An Nummer sieben steht "Somebody To Love", einer der schwächeren Songs des Albums. Er reißt einen nicht beim ersten Hören mit. Doch auch dieser Track wird besser, je öfter man ihn abspielt. Besonders die chorale Bridge verleiht "Somebody To Love" etwas Unverwechselbares.

Den tanzbarsten Track liefert Conchtia uns an achter Stelle. "Firestorm" hat einen großartigen Beat, bei dem keiner still stehen kann. Der Refrain erinnert etwas an "You Are Unstoppable". Der Song wird definitiv auf den Dancefloors des Kontinents landen.

Wer starke Balladen mag, kommt als nächstes auf seine Kosten. "Pure" ist sie pur wie sein Titel: Keine Schnörkel, einfach nur Conchitas großartige Stimme, Klavier, und eine unaufdringliche, aber einprägsame Melodie. Der Song hat einen schönen Bogen von Anfang bis zum Ende, der ihn zu einem runden, abgeschlossenen Lied macht.

"Rise Like A Phoenix" sorgt immer noch für Gänsehaut

"Heroes", das bereits im vergangenen Jahr als Single erschien, folgt an Platz zehn. Die Power-Ballade mit starker Botschaft ist ein guter Popsong, der aber nicht allzu lange im Gedächtnis bleibt.

Julian Laidig

Das kann natürlich auch daran liegen, das auf "Heroes" Conchitas Siegertitel "Rise Like A Phoenix" folgt. Was bleibt zu diesem Song zu sagen? Er packt uns nach den ersten Sekunden, erinnert an Bond-Songs, trägt eine klare Botschaft und zeigt, dass Conchita Wurst zurecht gewonnen hat. Selbst nach einem Jahr sorgt er noch für Gänsehaut.

Conchita zeigt viele Facetten ihres Könnens

Der letzte Song ist "Other Side Of Me", ein fröhlicher Gute-Laune-Song. So ruhig, lebensbejahrend und ehrlich wie er ist, passt er hervorragend zu einem kuscheligen Sonntagnachmittag. "Other Side Of Me" zaubert einem sofort ein Lächeln ins Gesicht.

Alles in allem kann sich das erste Album von Conchita Wurst definitiv hören lassen. Jeder Song ist einzigartig, sodass ein Longplayer abseits des Einheitsbreis entstanden ist. Conchita zeigt ihr gesangliches Facettenreichtum, auch wenn es keine bahnbrechenden Innovationen gibt. "Conchita" hält, was es verspricht: Ein abwechslungsreiches, starkes Album zu sein, der ein weiterer Stein ihrer beispiellosen Karriere ist.

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Weitere Quellen: Julian Laidig