Der australische Sam Smith

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Der australische Sam Smith
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Musikkritiker vergleichen den Newcomer mit Sam Smith - was Luke mehr als freut. Von ihm stammt der Titelsong des Münchner CSD. Wir haben ihn vor seinem Auftritt getroffen: Der Australier im dbna-Interview.

Ein Hotel in der Münchner Innenstadt. Luke Antony strahlt, auch wenn er müde ist: Er ist am Freitagmorgen erst aus Sydney gelandet. Jetlag pur. Der 26-jährige Newcomer tritt am Samstag auf der Bühne des Münchner CSD auf. Sein Song "Separate Ways" ist der CSD-Titelsong. Am Tag davor spricht er mit dbna über seine Heimat, seine schwierige Beziehung zu einer Frau und wieso er lange gebraucht hat, zu sich selbst zu stehen.

Luke, wie aufgeregt bist du vor deinem CSD-Auftritt am Samstag, bei dem du zum ersten Mal deinen Song "Separate Ways" live singen wirst?

Es ist total aufregend für mich, vor allem weil ich das in Europa mache. Viele Australier, besonders in der Musikindustrie, sagen mir, dass meine Musik sehr europäisch ist. Ich liebe eure Musik und sie inspiriert mich sehr. Dass mein Song das Titellied für den Münchner CSD ist, hat einen Traum wahr werden lassen.

Inwiefern ist deine Musik denn europäischer als australischer?

Einmal wollte ein Journalist eine Geschichte über mich und meine neue Single machen, aber nachdem er das Video gesehen hat, hat er gesagt, dass es zu europäisch schwul ist. Australier lieben, was sie kennen. Die typische australische Musik ist Country oder Indie. Aber weißt du, ich war nie der Typ mit der Gitarre

Wie gefällt dir denn München bis jetzt?

Es ist eine wunderschöne Stadt! Ich liebe es, dass es so wenig Glas hier gibt. Wenn ich durch Sydney laufe, sind da überall riesige Gebäude mit Glasfassade, aber hier sind so viele hübsche alte Häuser. Und die Leute sind so freundlich. In Sydney sind alle so busy und in ihrer eigenen Welt. Hier fragen die Leute wirklich, wie es einem gibt. Und ich liebe die schwulen und lesbischen Ampelpärchen.

 

Worum geht es in "Separate Ways" überhaupt?

Es geht um mein Leben. Es ist eine Geschichte übers verliebt sein, aber auch über die eigenen Träume. Denn manchmal muss man sich für eines von beidem entscheiden. Ich war einmal verliebt, aber tief im Innersten wollte ich singen, aber dafür musste ich weg aus Queensland ziehen.

Das war eine harte Entscheidung, aber die beste, die ich je getroffen habe. Der Song hat mir auch beim Coming-out geholfen. Ich habe ihn vor fünf Jahren geschrieben, als ich mit einer Frau zusammen war. Der Song geht darüber, sie zu verlassen und loszulassen. Ich habe sie geliebt, aber ich habe meinen Traum verfolgt, um herauszufinden, wer ich wirklich bin. Erst dann konnte ich ehrlich zu mir sein.

Warum spielen in deinem Musikvideo zwei lesbische Frauen mit?

Irgendwie wollte ich die Frau, die ich damals geliebt habe, damit würdigen. Sie ist heute verheiratet und wir sind gut befreundet. Aber vor allem wollte ich etwas zeigen, was nichts mit mir oder meinen Hetero-Freunden zu tun hat. Es ist immer noch Liebe, sie ist immer noch echt, aber sie ist immer noch nicht normal und ich möchte, dass sie normal wird.

Im Song geht es auch um Herausforderungen in homosexuellen Beziehungen. Hattest du je welche?

Ich bin in Queensland in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen. Mein kleiner Bruder hat sich zwei Tage nach mir als schwul geoutet. Das war definitiv nicht das einfachste Gespräch mit meinen Eltern. Aber zum Glück lieben sie mich bedingungslos. Es wäre zwar nicht das Leben, das sie für mich gewählt hätten, aber sie lieben mich, und nur darum geht es.

Was kannst du jungen Schwulen empfehlen, wenn sie vor solchen Herausforderungen stehen?

Es ist etwas sehr persönliches, deshalb tue ich mir schwer damit, etwas zu empfehlen. Aber ich selbst habe viel zu viel Zeit damit verbracht, mich nicht selbst zu lieben und zu schätzen. Das Wichtigste ist es, in den Spiegel zu schauen und jemanden zu sehen, den du magst. Geoutet zu sein bedeutet so viel Freiheit zu haben. Das ist wie Ketten, die Bang machen und zerbrechen. Vergesst nicht, auf euch selbst stolz zu sein. Und sprich es aus. Es gibt immer jemanden, der dir zuhören wird. Bei mir hat es 22 Jahre gedauert, bis ich mich so gefühlt habe, wie ich bin, auch wenn ich es eigentlich die ganze Zeit gewusst habe.

Warum hat es so lange gedauert?

Weil ich Angst hatte, was die Leute denken. Und das ist so frustrierend, denn es ist doch total egal. Was die Leute denken, sollte keinen davon abhalten etwas zu tun oder nicht zu tun. Es geht nur darum, ob ich mich wohl damit fühle, und ob es sich richtig anfühlt. Ich wünschte mir, ich hätte keine Angst gehabt, aber am Ende habe ich jemanden gefunden, mit dem ich sprechen konnte es war einfach ein wenig spät.

In München wirst du auch Songs von Kylie Minogue und Cindy Lauper singen wieso?

Es ist eine Hommage an Kylie, weil sie auch Australierin ist und weil sie eine Schwulenikone ist, wofür ich ihr danken möchte. Und zu Cindy: Ich war mit meinem Manager beim Essen und wir haben darüber nachgedacht, welchen Song ich als Solidarität mit dem Massaker in Orlando singen könnte. Da kam "True Colors" im Radio und der war es! Die Message des Songs ist doch, sich selbst zu lieben und keine Angst zu haben, seine True Colors zu zeigen. Das ist doch, was wir als Community wollen.

Manche vergleichen dich mit Sam Smith. Was denkst du darüber?

Ich liebe Sam und ich würde ihn sofort heiraten (lacht). Hier in München werde ich "Not the only one" von ihm singen. Mit ihm verglichen zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Es ist ein schönes Kompliment, weil er so weit oben ist (zeigt mit der Hand über sich).

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