Electropop aus Österreich

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Electropop aus Österreich
Helmut Steiner

Melodien, die im Ohr bleiben, starke Texte, tanzbare Beats: Dafür steht der 22-jährige Al Axy und beweist mit seinem neuen Album "Ampère Lovers" aufs Neue, wie außergewöhnlich gut selbst produzierte Musik sein kann. dbna hat für euch reingehört.

Die erste Single seines neuen Albums erschien bereits am 27. Januar. Dass ausgerechnet "Master Plan" veröffentlicht wurde, ist kein Zufall, denn es war der erste Song, den Al Axy fürs neue Album geschrieben hat sozusagen der richtungsweisende Grundstein. "Master Plan ist voller Energie und bringt die allgemeine Stimmung des Albums auf den Punkt", erzählt Al Axy.

"Ampère Lovers": Kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft

Im Gegensatz zu seinem letzten Album "Bloodtype X" dreht sich das neue Album nicht um sein Inneres, sondern um sein Verhältnis zur Umwelt. "Ich möchte die Leute mit den Songs nicht nur zum Tanzen bringen, sondern damit auch verschiedene Denkimpulse geben", sagt er über seine Motivation dieses Albums, das am 30. März erscheint. Um dieses Ziel zu erreichen, ging er sehr viel freier an das Songschreiben, war fantasievoller und dramatischer.

Der Song "Electric Ecstatic + Homme De Lyon" beispielsweise wendet sich an den Erforscher der Elektrizität, André-Marie Ampère, aber "auch an die damit einhergehenden Konsequenzen", sagt Al Axy. Er will unsere moderne Gesellschaft kritisch, aber nicht allzu streng hinterfragen.
Der junge Musiker hasst Schwarz-Weiß-Denken und findet, dass Widersprüche und verschwommene Grenzen alltäglich sind: "Auf Ampère Lovers spiele ich mit genau diesen Grenzen", ergänzt er.

Helmut Steiner

"Ich bin ja kein Porno!" Was den jungen Österreicher ausmacht

"Ich versuche immer, mich selbst nicht allzu ernst zu nehmen und hin und wieder alles aus einer gewissen Distanz zu hinterfragen", sagt Al Axy über sich selbst. Er bezeichnet sich als lebhafte, fröhliche, aber auch anstrengende Persönlichkeit, dessen Gefühle das Achterbahnfahren lieben.

Nur wenn es um die Musik geht, ist er ganz anders: Er arbeitet professionell, zielstrebig und fokussiert, sodass er zu 100% hinter seiner Musik steht und teilt durch sie sehr intime Erfahrungen mit der Öffentlichkeit. Allerdings geht er dabei nicht zu weit: "Das Spiel mit abstrakten Begriffen und Zweideutigkeiten hilft mir, einen Teil meiner Privatsphäre zu bewahren. Ich bin ja kein Porno!"

Al Axy schreibt und produziert seine Musik selbst seit er 11 ist

Trotz dieses Talents, das er zweifellos hat, sieht er sich nicht als Wunderkind: "Als Kind hatte ich viel Zeit und war ich technik- und musikinteressiert und dank einer Brise Kreativität konnte ich mir all mein Können selbst aneignen", erzählt er über die Anfänge seines Schaffens.

Eines seiner Vorbilder ist Lady Gaga ihre Person, die Theatralik, Message und Musik schätzt er besonders, auch weil er Menschen mag, die ihren Einflussreichtum nutzen und sich mit Zivilcourage für andere einsetzen. Das findet er bewundernswert, inspirierend und bestärkend.

Pubertät voller verwirrender Fragen, Selbstzweifel und Zukunftsängsten

Al Axy hat einige Zeit gebraucht, um sich einzugestehen, dass er schwul ist. Das vorherrschende Bild von Mann und zugehöriger Frau hat ihn sehr verwirrt, sodass er sich lange, direkt und ehrlich mit diesem Thema auseinandersetzen musste: "Bei mir war das ein hochemotionaler Prozess während der Pubertät, zu dem verwirrende Fragen, Selbstzweifel und Zukunftsängste gehörten", erzählt er über seine Orientierungsphase.

Schließlich besserte sich dieser Zustand aber und er gewann das nötige Selbstvertrauen, um damit offen umzugehen. Darauf ist er sehr stolz, "weil ich weiß, dass es hart erkämpft und nicht spurlos an mir vorüber gegangen ist".

Helmut Steiner

Das Coming-Out: "Eine Party war es nicht!"

Lange trug er das Geheimnis mit sich herum, bis er sich zum Ende seiner Pubertät hin seinem engsten Freundeskreis anvertraute. "Eine Party war das nicht, obwohl alle ausnahmslos positiv reagiert haben", erinnert er sich. Ähnlich verständnisvoll reagierten auch seine Eltern, obwohl das für ihn eine große Hürde darstellte.

"Für mich selbst war es wie ein Gewicht, das von meinen Schultern fiel als würde mein Leben erst so richtig beginnen!", erzählt er über sein Coming-Out, das für ihn aber noch nicht abgeschlossen ist. Immerhin müsse er sich ja bei allen Menschen, die er kennenlernt, wieder aufs Neue outen.

Allerdings geht der 22-Jährige damit mittlerweile deutlich gelassener um: "Auf mühsame Rechtfertigungen lasse ich mich aber schon lange nicht mehr ein", erzählt er über sein Verhalten, wenn jemand erschrocken auf seine Homosexualität reagiert.

Homosexualität als Image-Pusher?

In der Musikbranche ist das Image eines Künstlers besonders wichtig. Ein heterosexueller Mann könnte daraus nie einen Aufhänger machen. "Insofern ist es in gewissen Momenten sogar ein Vorteil, schwul zu sein, denn es erzeugt für kurze Zeit Aufmerksamkeit", erzählt Al Axy und weiß, dass dieser Effekt nicht von langer Dauer sein wird: "Auch das wird sich noch ändern, da bin ich mir sicher." Darüber ist der Sänger auch froh, denn er möchte nicht auf seine sexuelle Orientierung reduziert werden, stattdessen soll sein Talent im Vordergrund stehen.

Al Axy

...und wie geht es weiter?

Auf jeden Fall wird Al Axy weiterhin Musik machen, denn "sie ist ein zu großer Teil von mir und sprudelt regelrecht so aus mir heraus". Der Musiker möchte sich noch weiter verbessern und mehr mit anderen kreativen Köpfen zusammenarbeiten.

Solche hat er beispielsweise bei einem mehrwöchigen Aufenthalt letztes Jahr in New York kennengelernt. "Ich habe wunderbare Freundschaften über Wodka hinaus geschlossen und viel an kreativer Bereicherung mit nach Hause genommen", erzählt er begeistert. Außerdem sei am Big Apple Elektropop viel etablierter als in seiner Heimat. "Doch diese Lücke möchte ich füllen."

Er will das tun, was er will und was er liebt "und dabei meinen Idealen treu bleiben!" Dabei schließt er nicht aus, weiterhin in mehreren Branchen zu arbeiten. Schon jetzt beschäftigte er sich neben der Musik und dem Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft auch mit einem Radio-Hörspiel und gestaltet einen Großteil seines Web-Auftrittes selbst. "Ich denke, meine unterschiedlichen Leidenschaften ergänzen sich gut" wir dürfen also gespannt bleiben.

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