Leslie Alan: Nehmt eure Masken ab

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Leslie Alan: Nehmt eure Masken ab
Leslie Alan

Der Musiker aus Berlin musste erst gekündigt werden, um zu merken, was er wirklich will: Songs schreiben, produzieren und singen. Mit der Musik verarbeitet er alles, was er in der schwulen Welt erlebt.

Wenn Leslie bei seiner Familie in Kassel ist, dann ist er nur "Leslie aus Berlin, der Musiker". Während seine bodenständige Cousine Lehramt studiert, spricht er von kreativen Projekten, einem neuen Musikvideo oder dem kommenden Album. "Sie haben nicht so viel Verständnis dafür", sagt der 22-Jährige.

Bei seinen Eltern kam die Idee, als Musiker und Produzent zu arbeiten, dagegen viel besser an. "Sie haben mich immer unterstützt. Mein Elternhaus zeigt eine große Akzeptanz für jeden Blödsinn", sagt er. Leslie lacht dabei. Der Berliner nimmt sich selbst nicht zu ernst. Von seinem Plan ist er dennoch überzeugt.

Die Kündigung: Schock, aber Chance

Doch das war nicht immer so. Er hatte zwar schon immer Freude an Musik. Er war in der Schulband und spielt Klavier, seit er zwölf ist. Doch beruflich hat er zunächst einen anderen Weg eingeschlagen: Leslie hat eine Ausbildung zum Bürokaufmann begonnen. Dort wurde er aufgrund von Personalumstrukturierungen jedoch gekündigt.

"Ja, das war anfangs ein Schockmoment. Aber im Nachhinein kam mir die Kündigung gelegen, weil ich mich nach etwas Neuem umschauen konnte", erklärt er. Er hat angefangen, wieder mehr Zeit mit seinem E-Piano zu verbringen. "Da kam der Wunsch, das beruflich zu machen."

In "Airships" geht es ums Coming-out

Ein Traum, den viele haben. Doch Leslie zieht es durch. Letztes Jahr ist sein Album "Airships" erschienen. Elektro-Pop, mit Einflüssen von Dark Wave und Funk. Und auch die 80er und 90er sind deutlich zu hören. Im Februar hat er die gleichnamige Single veröffentlicht.

"Airships dreht sich um ein Thema, das viele Schwule beschäftigt: Dass sie anfangs nicht wahrhaben wollen, auf Jungs zu stehen", erklärt der Musiker. "Also setzen sie eine Maske auf, denn sie befürchten, eine gesellschaftliche Klatsche zu bekommen." Genau deshalb will Leslie Mut machen. "Jeder sollte ehrlich zu sich sein."

Leslie würde niemals singen, dass er eine Frau liebt

Dass das nicht immer einfach ist, ist dem 22-Jährigen bewusst. Leslie sagt von sich selbst, dass er "sehr privilegiert" ist, weil er nie Probleme mit seinem Coming-out hatte. Schon in der Grundschule wurde er sich bewusst, dass er anders ist als die anderen Jungs. Mit zwölf hat er sich bei seiner Mutter geoutet. "Sie hat das so angenommen, wie ich es ihr gesagt habe."

Leslie Alan
Sein neues Album wird weniger dunkel, dafür eher poppig. Es erscheint im Spätsommer.

Sein neues Album wird weniger dunkel, dafür eher poppig. Es erscheint im Spätsommer.

Das Thema Homosexualität wird auf seinem nächsten Album eine noch größere Rolle spielen. "Dass ich schwul bin, bedeutet eben, dass mein Lifestyle etwas anders ist", sagt er. So würde er niemals singen, dass er sich in eine Frau verliebt oder "sie" vermisst. "Alles das, was ich an schwulen Dingen erlebe, verarbeite ich auch in meiner Musik."

Das neue Album: Leichte Kost und mehr Pop

Dazu gehören natürlich auch Enttäuschungen. "Berlin ist schon ein sehr hinterlistiges Pflaster", sagt er über die Szene. Deshalb bleibt Leslie vor allem schwulen Partys fern, dafür mag er einige Cafés und Bars rund um den Nollendorfplatz umso lieber. "Da ist ein gewisser Austauschfaktor. Ich finde es wertvoll, sich dort mit Leuten zu unterhalten und ich bin froh, dass es solche Plätze gibt."

Im Spätsommer soll es soweit sein, dann wird sein zweites Album erscheinen. "Im Vergleich zu Airships wird es eher leichte Kost, sehr poppig, sehr fröhlich", kündigt Leslie an. Ob seine Musik dann auf den Partys läuft, die er eigentlich nicht mag?

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