"Mein Schwulsein ist mein Markenzeichen"

Redaktion Von Redaktion
"Mein Schwulsein ist mein Markenzeichen"
Benny Kieckhäben privat

Deutschland im Castingwahn: Deutschlands bekannteste Castingshow"Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) ist mittlerweile zum siebtenMal in vollem Gange. Doch wie ist es, wenn sich das Leben von einem Tagauf den anderen verändert? Alexander Drößler hat sich mit jemandemunterhalten, der mit DSDS den Weg auf die großen Bühnen fand: BennyKieckhäben (20), Fünfter der letzten Staffel.

Deutschland im Castingwahn: Deutschlands bekannteste Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) ist mittlerweile zum siebten Mal in vollem Gange. Doch wie ist es, wenn sich das Leben von einem Tag auf den anderen verändert? Alexander Drößler hat sich mit jemandem unterhalten, der mit DSDS den Weg auf die großen Bühnen fand: Benny Kieckhäben (20), Fünfter der letzten Staffel.

Benny Kieckhäben privat

dbna: Welche typisch schwule Klischees treffen auf dich zu?
Benny: Na ganz klar meine Outfits auf der Bühne, ich trag ja gerne enge Sachen und vor allem Ausgefallenes, wie zum Beispiel meinen Leopardenmantel. Das ist so richtig mein Ding, auf der Bühne lebe ich das, was ich bin. Man muss aber zwischen dem Benny auf der Bühne und dem privaten Benny unterscheiden. Also das bin beides ich, aber die Person auf der Bühne lebt alles noch krasser aus und ist einen Tick selbstbewusster. Auf der Bühne kann ich das machen, was mir gefällt. Ich würde nie glitzernd durch die Stadt laufen.

dbna: Inwieweit wurde deine Sexualität kommerzialisiert?
Benny: Mein Schwulsein ist ja gewissermaßen mein Markenzeichen, ich zeige das ja offensichtlich. Ich bin der Meinung, kein Mensch braucht sich für irgendetwas schämen. Jeder soll das machen, was ihm Spaß macht. Das war auch bei DSDS so, ich hab mich da so vermarktet, wie ich akzeptiert werden will: als hyperaktiver Paradiesvogel. Aber wie gesagt, da muss man unterscheiden. Eigentlich bin ich so nicht, sondern eher auf dem Boden geblieben.

dbna: Inwieweit sind Castingshows authentisch?
Benny: Fernsehen macht sich nicht von selbst, darum sind immer ein paar Kandidaten dabei, die sich zum Affen machen. Die Leute sind auch wirklich so, ich frage mich manchmal auch, ob die keine Freunde haben, die denen sagen, dass sie nicht singen können. Diejenigen, die sagen, es sei alles gestellt, haben keine Ahnung. DSDS ist wie eine kleine Familie, man lernt dort tolle Leute kennen, was man ja vor dem Bildschirm gar nicht sieht.

"Es ist kein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass mich viele nur wegen DSDS lieben".

dbna: Wie hat DSDS dein Leben verändert?
Benny: Menschlich bin ich selbstbewusster geworden. Es interessiert mich nicht, wer mich nicht leiden kann. Wer mich nicht mag, kann ja weggucken.
DSDS hat natürlich meinen Bekanntheitsgrad gesteigert. Ich habe ja im September mit "Travelling" meine erste Single rausgebracht, die sehr gut ankam. Dazu habe ich mein eigenes Video gedreht und spiele jetzt Konzerte. Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn du weißt, dass die Menschen nur wegen dir zu den Konzerten kommen. Bei DSDS war das ja noch anders.
Anfangs war es schon schwierig, nicht mehr unerkannt weggehen zu können. Trotz Brille und Mütze als Tarnung werde ich immer erkannt, mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt.
Es ist aber kein schönes Gefühl, wenn man merkt, dass mich viele nur wegen DSDS lieben. Wenn ich in der Disco Leute kennenlerne, fällt es mir schwer zu unterscheiden, ob die es ernst mit mir meinen oder nicht. Ich mach zwar Musik und bin prominent aber trotzdem immer noch ein Mensch. Ich will als Benny akzeptiert werden und nicht, weil ich bei DSDS war. So was hab ich leider auch schon kennengelernt.

Benny Kieckhäben privat
Bennys neueste Single "Travelling"

Bennys neueste Single "Travelling"

dbna: Hast du Angst gehabt, dass du am Ende zu den Kandidaten gehören könntest, über die sich Lustig gemacht wird?
Benny: Nein, ich habe gewusst, was ich kann. Schließlich habe ich ja vorher schon Musik gemacht. Ich habe aber nicht damit gerechnet, so weit zu kommen. Als ich zum Casting gegangen bin dachte ich, ich komme ein paar Runden weiter und gut. Da denkst du, da singt bestimmt eh immer irgendwer besser als du. Dann merkst du aber, wie es sich außen um dich herum immer weiter reduziert und auf einmal bist du unter den letzten 10. Das ist schon ein krasses Gefühl, wenn man in den Live-Shows auf der Bühne steht. Das geht aber schnell vorbei.

dbna: Wie ist Dieter Bohlen?
Benny: Der ist sehr cool drauf hinter der Bühne. Vor der Kamera macht er Fernsehen, es wäre ja langweilig, wenn der immer das gleiche sagen würde. Mir war wurst, was der gesagt hat, da ich meine Leistungen selbst gut einschätzen kann. Manchmal hat der Kommentare gegeben, da denkst du, das passt überhaupt nicht. Vielleicht war das ein bisschen Taktik vom Bohlen, mir jedenfalls war es egal.

"Bis ich zu DSDS gegangen bin, wollte mich keiner so recht akzeptieren."   

dbna: Schreibst du auch eigene Songs?
Benny: Ja, sehr oft. Gerade habe ich zum Beispiel einen über mich geschrieben, der kommt auch auf das neue Album. Es ist ein sehr persönlicher Song, in dem es darum geht, wie es früher war. Bis ich zu DSDS gegangen bin, wollte mich keiner so recht akzeptieren. In dem Song habe ich alles aufgelistet, was mich heute sehr freut und was mich früher sehr gestört hat. Es wird nicht mehr lange dauern, bis Album und Single erscheinen. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich musikalisch eine etwas andere Richtung einschlagen werde.

dbna: Wie gehst du mit deinen Fans um?
Benny: Ich find es ja ehrlich gesagt saukomisch, wenn ich Fanpost bekomme. Und die bekomme ich sehr oft! Ich bekomme selbstgemalte Bilder, Ketten mit Namen drin und so viele Stofftiere, dass ich mir daraus ein Bett bauen könnte. Am Anfang ist es mir schwer gefallen, zu verstehen, warum mich die Leute mögen. Ich versuche meinen Fans etwas zurückzugeben und gehe dementsprechend locker mit ihnen um. Es ist für mich nicht selbstverständlich, dass jemand zu meinen Autogrammstunden kommt und zum Konzert. 

dbna: Was kannst Du Jungs empfehlen, die auch Sänger werden wollen?
Benny: Sie sollen sich einfach Leute suchen, die auch gerne Musik machen. Dann einfach los legen und sich Kontakte suchen, die sind nämlich das A und O. Aber man muss schon ein bisschen was drauf haben und eine tolle Stimme besitzen. Wichtig ist, dass man nicht auf der faulen Haut liegen bleibt. Ich hab mir vor DSDS schon Leute gesucht und bin ins Studio gegangen. DSDS war nur ein weiterer Schritt. Man kann sich aber nie auf Castingshows verlassen, auch wenn sie ein Anschub sein können. Ein guter Schritt ist es auch, in Cafés zu singen.

dbna: Wann hast du gemerkt, dass du schwul bist?
Benny: Als ich so 13 oder 14 war, habe ich gemerkt, dass mit mir irgendwas nicht richtig ist. Ich hab vor einem Klassenkameraden gestanden und gedacht, das könne nicht normal sein. Der Erste, mit dem ich darüber gesprochen habe, war mein bester Freund Marcel. Das war ziemlich lustig, der hat nämlich gesagt "Benny, das war bei mir auch so". So sind wir zusammen aufgewachsen, aber ich glaube, wenn man da alleine durchgehen muss, ist das bestimmt krass. Was ich aber empfehlen kann, wenn es einem schlecht geht: Singen! Wenns mir schlecht geht, setz ich mich einfach in mein Zimmer und singe, das befreit.

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Benny und Teilnehmer der 5. DSDS-Staffel zusammen mit Oliver Pocher

Benny und Teilnehmer der 5. DSDS-Staffel zusammen mit Oliver Pocher

"Wenns mir schlecht geht, setz ich mich einfach in mein Zimmer und singe."

dbna: Wie war dein Coming - Out?   
Benny: Saucool. Meine Eltern haben total locker reagiert. Das war in etwa so, als ob ich gesagt hätte, ich gehe mal eben in die Stadt. Sie haben mich umarmt und gesagt, dass ich trotzdem ihr Sohn bin und sie mich über alles lieben. Dabei hab ich mir so viele Sorgen gemacht. Ich hab dann gefragt, ob sie denn bitte Kritik daran auslassen könnten, die Antwort war: "Nee, gibts nicht." Ich würde allerdings gerne Leuten helfen, weil ich schon so viel Schlechtes gehört habe. Irgendwas machen, um den Eltern zu zeigen, dass schwul sein nicht schlimm ist, sondern ganz normal.

dbna: Hast du derzeit einen Freund?
Benny: Nein, ich bin im Moment nicht vergeben. Genau genommen bin ich noch ziemlich frisch getrennt. Die Beziehung hielt ein Jahr und war toll, ich hab den Menschen richtig geliebt, darum trauere ich da noch ein bisschen. Nun bin ich also wieder Single. Ich bin aber kein Mensch für eine schnelle Nummer. Auf diese zweiwöchigen Beziehungen habe ich keine Lust.

dbna: Wie soll dein Traummann sein?
Benny: Den Traummann speziell gibt es nicht. Er muss einfach ein gutes Herz haben, Verstand im Kopf und wissen, was er tut. Mich als Menschen muss er nehmen, ich mag die Oberflächlichkeit nicht so sehr. Dieses "ja du hast einen Pickel da, darum will ich dich nicht" finde ich zu doof. Wenn ein Mensch ein gutes Herz hat, dann ist er für mich hübsch, egal ob mit Pickel oder ohne. Bei uns Schwulen ist das ja oft so oberflächlich, da hab ich das Gefühl, es gibt gar keine richtige Liebe. Wenn ich mir nicht zu 100% sicher bin, dann geh ich auch keine Beziehung ein.

Das Gespräch führte Alexander Drößler.

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