Nach vorne

Redaktion Von Redaktion

Der Ehrlichkeit halber gleich vorweg: Dieser Artikel ist nicht neutral. Schließlich ist der Autor dieses Textesseit fast zehn Jahren großer Rosenstolz-Fan. Wer einenüchterne Bewertung von "Die Suche geht weiter" erwartet, der sehe sichbitte woanders um.

Der Ehrlichkeit halber gleich vorweg: Dieser Artikel ist nicht neutral. Kann er auch gar nicht sein. Schließlich ist der Autor dieses Textes seit nun fast zehn Jahren bekennender Rosenstolz-Fan. Wer also eine nüchterne Bewertung von "Die Suche geht weiter" erwartet, der sehe sich bitte woanders um. Ob er allerdings fündig werden wird, das steht in den Sternen. Schließlich ist keine deutsche Band umstrittener als Rosenstolz.

Die beiden Berliner polarisieren. Mit ihren schmalzigen, völlig ich-bezogenen Texten über die ganz großen Gefühle einerseits und mit ihrem Plädoyer für freie Liebe, Homo-Ehe und schnellen Sex andererseits. Rosenstolz liebt man oder hasst man. Ich liebe sie. Lange Rede, kurzer Sinn.

Aber vor der Veröffentlichung des neuen Albums mischte sich erstmals Skepsis in meine Vorfreude. Denn nachdem ich "Das große Leben" - das Vorgängeralbum -  ein paar Mal gehört hatte, legte ich es zur Seite und habe es mir seitdem nicht wieder angehört. Und als dann die Vorabsingle aus "Die Suche geht weiter" erschien, stellte sich erstmals in meiner langen Rosenstolz-Geschichte dieses "Das-geht-ja-gar-nicht"-Gefühl ein: "Gib mir Sonne" gefiel mir nicht, gefällt mir nicht und ich bezweifle, dass sich in Zukunft etwas daran ändern wird. "Die Suche geht weiter" ist das erste Rosenstolz-Album, das ich mir "trotz" und nicht "wegen" der ersten Single gekauft habe. Außerdem weigerte sich die Plattenfirma, mir ein Rezensionsexemplar des Albums zukommen zu lassen. Ohne Begründung übrigens.

Mir schwante Schlimmes, ich war wütend und wild entschlossen, einen Verriss zu veröffentlichen.

Das erste Mal

Als ich dann das komplette Album erstmals zu hören bekam, gab ich diesen Plan so schnell auf, wie ich ihn gefasst hatte: Für einen Verriss ist es einfach zu gut. Denn dieses Album ist wieder anders als die anderen Rosenstolz-Alben: Es ist ein Stück ehrlicher. Nervten die pathetisch vorgetragenen Balladen auf "Das große Leben" irgendwann mit ihrer bleiernen Gedankenschwere, so entdeckt man hinter jedem Lied des neuen Albums eine gewisse Echtheit. Wohl auch, weil kurz vor dem Beginn der letzten Tournee Elke verstarb, die Mutter von Peter Plates Freund. Ein Verlust, der alle Mitglieder der Band hart traf und das neue Album vom ersten bis zum letzten Lied bestimmt. Am emotionalsten in der eigens für sie geschriebenen Ballade "An einem Morgen im April". Mehr Emotion bei weniger Pathos geht kaum. Wer da nicht weint, weint nie. 

Alle Stücke auf dem Album sind traurig, teils todtraurig, aber niemals weinerlich. Im Gegenteil. Es ist sicher kein Zufall, dass die Songs, die sich textlich mit der Suche nach dem Sinn im eigenen Leben ("Ich bin mein Haus"), um die Akzeptanz eigener Fehler ("Irgendwo dazwischen") und um das Anerkennen eigener Fehler ("Wie weit ist vorbei") befassen, zu den besten des gesamten Albums gehören. Umso angenehmer, dass AnNa R endlich wieder die ganze Kraft ihrer Stimme einsetzen darf und den Liedern damit wieder jenes "Rosenstolz-Flair" verleiht, das man im Gegreine der letzten Platte teilweise schmerzlich vermissen musste.

Neue Wege, alte Probleme

Mit den Arrangements, gerade bei den Intros der einzelnen Titel, gehen Rosenstolz komplett neue Wege: So wie "Die Suche geht weiter" hat noch nie ein Album begonnen und so ausgefeilt und stimmig wurde noch nie in Titel eingestiegen. Mit Ausnahme von "Gib mir Sonne", das für mich der schwächste Song auf der ganzen Platte bleibt, ist jeder einzelne Song eine kleine Perle, mal größer, mal kleiner, aber in jedem Fall hörens- und beachtenswert.

Schade nur, dass die beiden Songs, die von den Fans vermutlich am sehnlichsten erwartet wurden, auf dem Album weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Zur letzten Tour präsentierten AnNa und Peter zwei damals neue Stücke, die Ballade "Bist du dabei" und die Rocknummer "Blaue Flecken", zwei Stücke, die sich nun auch auf dem neuen Album finden und leider nicht überzeugen. Aus der Powerballade "Bist du dabei", textlich alleine wegen Weihnachten eine sichere Nummer Eins, wurde ins Mikrophon gekrächzter Gitarrenpop, bei der es die Band erstmals in der Bandgeschichte schafft, AnNas Gesang absaufen zu lassen. Und "Blaue Flecken" wäre gerne eine Rocknummer geblieben, muss aber vermutlich, um nicht aus dem Rahmen des Albums zu fallen drei Gänge herunterschalten und klingt jetzt wie weichgespült. Denn natürlich sind Rosenstolz heute eine andere Band als vor zehn Jahren. Ihre Musik klingt insgesamt massentauglicher, eingängiger und ist thematisch ruhiger geworden. Aber, wie die Band schon sagte: "Wer die alten Sachen lieber mag, der kann sie sich ja anhören."

Fazit

Was zu sagen bleibt: Wer Rosenstolz hasst, wird dieses Album auch nicht mögen. Wer die Band nicht kennt, kann es sich getrost kaufen und wer die Band liebt, der wird dieses Album ebenso lieben.

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Weitere Quellen: Universal/Mike Auerbach