Nachts sind alle Katzen blau

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer

Das Elektro-Pop-Trash-Duo Meerkatzenblau hat große Pläne: Sie wollen die Clubs aufmischen. Ihr erster Song: Eine Parodie aufs Smartphone-Dating á la Grindr. Wir stellen euch Timo und Marie vor, die hinter dem Projekt stehen.

Man nehme: Eine durchzechte Nacht in einer Szenebar, den ein oder anderen Drink zu viel, dazu zwei Kreative, eine Prise Philosophie, garniert mit Wortspielereien. Das Ergebnis: Der Bandname Meerkatzenblau. "Es war Liebe auf den ersten Schluck", erzählen Marie und Timo über ihr Kennenlernen. "Dass aus dem Namen ein Projekt wie dieses entstehen musste, empfanden wir als logische Schlussfolgerung."

Ein Projekt wie dieses das ist in dem Fall ein Elektro-Pop-Trash-Duo, "um ein bisschen die Clubs aufzumischen", wie Timo sagt. Elektro-Pop-Trash beschreibt ziemlich gut, was die beiden Mannheimer bisher veröffentlicht haben: Der erste Song, "Love me Tinder" ist eine "Hymne für alle Lovoo-Lover, Grindr-Gurus, WhatsApp-Wanker und Tinder-Tender".

"Die beste Parodie liefert das Leben selbst"

So einfach, wie der Bandname zustande kam, so leicht fiel auch es den beiden auch, den Songtext zu schreiben. Eigentlich hatten sich Timo und Marie nur gegenseitig ihre Grindr- und Tinder-Nachrichten vorgelesen. "Noch am selben Tag haben wir angefangen, den Song zu produzieren. Für den Inhalt mussten wir nicht einmal besonders kreativ sein. Die Chatverläufe haben wir eins zu eins übernommen."

Meerkatzenblau
Timo (23) und Marie (27) sind Meerkatzenblau: "Es war Liebe auf den ersten Schluck".

Timo (23) und Marie (27) sind Meerkatzenblau: "Es war Liebe auf den ersten Schluck".

Das Ergebnis: "Hey Sexy. Du Model! Süß biste. Na? Alles klar? Was suchste denn so? Ich bin der Frank, such nen Boy für Fun." Dazu ein ungemein trashiges Musikvideo mit Stop-Motion-Elementen, für die wohl der gesamte Freundeskreis seine alten Handys hergeben musste, ein eingängiger, weil so einfacher Refrain, einprägsame Beats und eine heiter bis psychedelische Melodie. "Die beste Parodie liefert das Leben doch immer noch auf sich selbst", sind sich die beiden Musiker einig.

Maden und Konfetti: "Ekel ist zu geil um schön zu sein"

Doch für die beiden ist Musik mehr als nur Musik, sondern vielmehr ein Gesamtkunstwerk, eingebettet in ein Konzept. Für ihren neuen Song "Zerfall zu Goldstaub (feat. Jakob Mayer)" etwa haben die beiden Demos in der Mannheimer Innenstadt angemeldet: Timo eine für mehr Sauberkeit, Marie eine Gegendemonstration für mehr Dreck. Als sich beide Gruppen auf dem Marktplatz gegenüberstanden, kam es zu Verwirrung und Chaos bei den Umstehenden. "Ich liebe es, wen ein Plan aufgeht", sagt Timo. Aktionskunst meets Elektropop: Gelungene Sache.

Meerkatzenblau
Timo führt die Demo für mehr Sauberkeit an.

Timo führt die Demo für mehr Sauberkeit an.

Fürs Video, das "in unseren eigenen vier Wänden mit unseren eigenen vier Händen" gedreht, geschnitten und produziert wurde, war dem Duo kein Ekel zu groß: Maden, Würmer, Schimmel garniert mit Konfetti und Goldstaub. Ja, "Ekel ist zu geil um schön zu sein."

Das ist dem 23-Jährigen, der vor allem für die Bass-Lines und die Feinabstimmung sorgt, und die 27-Jährige, die sich um die Beats, Texte und Produktion kümmert, aber noch nicht genug. Bis zum Ende des Jahres soll ein ganzes Album rauskommen, im Frühjahr 2016 steht die erste Clubtour an. Da die beiden zusammen wohnen, können sie zu jeder Tages- und Nachtzeit gemeinsam produzieren und schreiben. Denn die Wohnung ist gleichzeitig auch Studio und Proberaum. "Und der Weg zum Kühlschrank ist nicht so weit." 

Kommentare
Kommentare werden geladen
dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Youtube/Meerkatzenblau